Zwischenprüfung

Eins

Ja, mit genug Pillen hat sich auch dieser Tag besser angefühlt, als die Angst zuvor. Die Menschen links liegen gelassen, getrunken, gegessen und gefühlt was richtig war, während ich niemanden kannte und niemanden von ihnen kennen wollte, ging ich meinen Weg in den großen Raum mit den vielen Tischen. Fühlte mich erhaben, den anderen gewachsen und für die Prüfung bereit. Durch die Tische hindurch zu gehen fühlte sich nicht schrecklich an, sondern großartig und ich hätte es gern noch etwas in die Länge gezogen… dieses Gefühl. Die zwei Stunden des Tests verliefen aalglatt. Die Aufgaben waren nicht hoch komplex, wie erst angenommen, sondern schaffbar. Ich habe es gut gemacht und das hat man mir auch gesagt. Stolz sei man. Auch wenn ich es noch nicht so fühle. Eher eine klamme Erleichterung. Selbst wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe, bei dem was ich abgeliefert habe, macht ein Gefühl noch kein bestehen der Arbeit aus. Immerhin habe ich das hinter  mir. Morgen Gericht, auch dafür fühle ich mich gewappnet. Selbst, wenn ich wieder so viele Tabletten schlucken muss um mich ruhig genug zu fühlen, nicht alles zu vergessen.

Zwei

Im Zug fing es an, als sie geredet hatte und nicht mehr damit aufhören konnte. Ich musste mich zwingen es nicht an mich heran zu lassen. Stark zu sein, ihre Worte bedeuten nichts. Nichts. Sie hört mir nicht zu und lenkt das Thema ab, wenn ich ihr sage, sie soll sich Hilfe suchen. Sie sieht nicht, wie kaputt sie ist und wen sie kaputt mach. „Das Umfeld ist mir egal.“ Hat sie gesagt, aber vielleicht ist es dem Umfeld nicht egal. Ist es schlecht, wenn ich nehme, was sie genommen hat? Warum fühle ich dann ihre Reue, die sie mir mit dem Geld bezahlen will, dass sie für mich ausgibt, mir zurückzahlt, wo kein Geld der Welt, meine Kindheit rettet. An der Bushaltestelle bat sie um Verzeihung, während Autos an uns vorbei fuhren. Hat abermals gefragt und wollte wissen, was sie falsch gemacht hatte. Ich konnte es ihr nicht sagen, nicht aus Angst oder weil mir die Beispiele ausgehen, sondern, weil ich genau wusste, dass sie das nicht ertragen hätte. Sie stand so schon den Tränen nahe, weil sie allmählich begreift, was sie getan hat. Stück für Stück gewähre ich ihr Einblicke in meine Zerstörtheit und halte nichts zurück. Doch glaubt sie, das es so einfach geht? Das es so einfach ist zu verzeihen? Und während sie nach meiner Hand griff, fühlte sich ihre Nähe so falsch an, wie nichts sonst auf der Welt. Ich habe Blutgeld angenommen.

Drei

Es kann sein, dass ich diese Prüfung nicht bestanden habe, weil ich es wieder getan habe und niemanden sagen konnte. Ich kann es niemanden mehr sagen, wenn das Leid so groß ist, dass die Tabletten plötzlich wie die einzigen Freunde erscheinen und der einzige Ausweg ist, den ich noch kenne.

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