Fail

Atme. Etwas anderes kannst du nicht tun. Atme weiter. Atme auch dann weiter, wenn die Welt dich in Stücke reißt, wenn sie dir die Haut vom Körper schält, die Muskeln durchtrennt, Knochen bricht, Nerven erhitzt und Augen aussticht. Atme. Du kannst es nicht verhindern. Das ist deine kleine Welt. Unmöglich sie größer zu machen oder ihr zu entkommen. Müde streckst du dennoch die Hand nach der Hoffnungslosigkeit aus, willst danach greifen, nach Träumen, die nie die deinen waren. Atme. Hechelnd hörst du nicht mehr auf, gepresst auf den Boden, im Staub kriechend, füllen sich deine Lungen mit Dreck. Atme.

Nach dem Gericht.

Alles ging bergab. Ich bin ohne Helm den Berg runter gefallen. Nie fiel mir laufen schwerer, die Füße wollten nicht, der Körper wollte nicht. Aus meinen Augen kam so viel heraus, bloß keine Erleichterung. Ich wollte nur noch nach Hause um zu sterben. Alles in meinem Kopf war daraus aufgelegt. Während ich Straßen überquerte, hoffte ich, von einem Auto erfasst zu werden, aber kein Auto war rücksichtslos oder schnell genug. Auf der Brücke sah ich flehentlich hinab in das Wasser. Wollte springen und dachte mir, dass es viel zu warm ist um zu erfrieren. Dass das alles keinen Sinn macht und ich keinen Weg finden werde, dem Schmerz zu entfliehen. Meine Augen brannten und keiner konnte mir etwas von der Last abnehmen. Die Skills waren weder greifbar noch eine Hilfe.
Mehr oder weniger lebendig kam ich zu Hause an. Dort habe ich mir Tabletten genommen, sie angesehen, geweint. Ich hätte niemals alle auf einmal nehmen können. Aber ich habe in dem Moment begriffen, wenn ich wirklich, wirklich entfliehen wollte und ich keinen Zipfel mehr zu packen hätte, könnte ich sterben. Hier und jetzt. Stattdessen habe ich eine kleine Handvoll Seroquel genommen von den angerissenen Packungen und sie mit einmal geschluckt. Mich hingelegt und benommen eingeschlafen. 15 stunden Schlaf später, sind meine Glieder taub und ich fühle nichts. Die Leere in die ich getaucht bin, hat mich für den Augenblick gerettet. Aber was wird mich in Zukunft retten, wenn ich keine Tabletten habe oder es keinen anderen Weg gibt, als es zu ertragen?

So habe ich deinen Geburtstag verbracht…

Niemand hat mir etwas angemerkt. Ich habe alle Fragen mit Lügen beantwortet. Obwohl ein Blick in den Spiegel reicht, um zu sehen wie zerstört ich bin.

„Und wie geht es Ihnen“ – „Gut.“ Beschissen, verdammt, schau mich an, seh ich aus als ob es mir gut geht? – „Das ist sehr schön.“

„Haben sie irgendwelche Beschwerden, tut Ihnen etwas weh“ – „Nein, alles gut.“ Mein Leben ist kaputt, mir tut alles weh. Dieser Körper zerfällt.

Und dank der vielen Tabletten und ihrer Wirkung in meinem Körper, tat nicht einmal der Besuch beim Zahnarzt weh. Alles zog an mir vorüber wie Wolken am Himmel oder Wasser in einem Fluss. Leicht. Bequem. Aber zu schwer um sich zu bewegen. Am liebsten würde ich noch einmal eine Handvoll nehmen, einfach um nichts mehr fühlen zu müssen. Doch wenn ich das tue, verliere ich auch alles andere.

 

Ein Gedanke zu „Fail“

  1. Lösungen präsentieren sich manchmal auf seltsamstem Wege. Und manches, was nach Lösung aussieht, ist letztlich nichts als eine falsche Verlockung. Du kannst es schaffen. Und das wirst du auch. Du sagtest du willst es tun, weil ich sagte, dass du es tun kannst. Daran halten wir fest.

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