Straßenmusiker

Der Schwanz einer buschigen Perserkatze wedelt an einer Hausecke, während die Ohren zucken, bei den melodischen Klängen eines Straßenmusikers, der über die Strandpromenade zieht, wie ein seichter Südwind. Die Augen der Katze sind geschlossen, als würde sie jeden Moment in einen Schlummer sinken. „Hör mal hin“ Schnurrt es aus der Kehle des Perserkaters, der sanft den Kopf wiegt und auf die Takte der Gitarre reagiert. „Es klingt fast als wäre er bei uns“ Ein Schnurren legt sich auf seine Stimmbänder und wippt mit dem Rhythmus, der Gespielt wird. Man sieht nur den Rücken eines Mannes, mit sonnengebleichten halblangem Haar. Ein Stück Gitarre und einen Fuß der auf und nieder geschwenkt wird. Seine Stimme setzt sich über jegliche Geräusche hinweg. Nicht unangenehm und nicht störend, passt sie sich der Umgebung und den Zuhörern fließend an. „Ich bin zufriedener, wenn ich außerhalb der Mauern gehen und eine Brise einfangen kann. Ich bin eher geneigt aufzusteigen oder innere Meere zu reiten. Ich fühle mich lebendiger in einer Villa aus Bäumen. Ich mache das aus einem Grund, den sie nicht vorgeben können, zu kennen. Ich verliere mich selber eingeflößt in etwas Größerem, als das, was sie sehen. Ich bin kein Sklave der Gier. Ich war nie zu kaufen, egal was sie dachten, das ich bräuchte“ Es liegt etwas rauchiges in seiner Stimme, etwas mutiges, das man durch viel Erfahrung erhält, dadurch, das man Dinge gesehen hat, die am Rand der Welt und hinter dem Horizont passieren. Hinter ihm sitzt der Leuchtturmwärter und zieht stumm an seiner Zigarette. Sein Rücken lehnt an einer Mauer, während er in den Himmel mit den Augen den Möwen nachjagt. Alte Geschichten am Firmament suchend, indes die beruhigende Stimme über den Strand, zum Meer singt und die beiden in ihren Bann zieht. „So lass es verordnet sein. Lass diese Musik der Tat dienen. Lass es sich ausbreiten wie eine Krankheit. Lass es einen edlen Samen erzeugen.“ Seine Finger spielen mit den Saiten, toben sich ruhig, wie ein wellenloser Tag, darauf aus. Töne die dem Kater ins Herz gesungen werden, ob es bei seinem Kamerad ebenso ist? Man wagt nicht die Augen zu öffnen, hat ein Bild im Sinn, wie der Einäugige dort sitzt, die Sonne ihm ins Gesicht scheint und er deshalb mit dem einem Auge blinzelt. Schweiß rinnt seine Stirn hinab. Ein festes standhaftes Grinsen gräbt sich in seine Wangen und besteht unerschrocken. Die Grübchen die sich auf dem bärtigem Gesicht zeigen und von seinem wachen Geist begleitet werden. Leichtes wippen seiner Beine, wenn er im Takt mitschwingt und dann die Stimme erneut ansetzt zum mitreißendem Singsang: „Dort ist mehr als das Auge sieht. Dort ist mehr als es wert ist. Wenn du den Himmel nicht sehen kannst, dann ist dort zu viel künstliches Licht. Ich kann meinen Weg nicht vorhersagen, aber sie können meine Vergangenheit nicht vollständig sehen. Ich fliehe vor dem Blitz, aber stürze direkt in die Explosion. Ein Berg voll von Ego, auf einem Haufen Müll gebaut, ist genau das, was du bekommst, wenn du nicht vollkommen überzeugt bist.“ Wieder eine Pause, der See etwas vorzuspielen. Farbtöne aus einem lebendigem Herz. Einem menschlichen Herz, das Güte erlebt und geschenkt hat. Wirst du bald wieder bei uns sein? Sehnt der Geist des Djinn herbei und weiß, wie unmöglich dieser Wunsch ist. Er sollte es wissen, Lou kennt sich mit Wünschen ganz ohne Zweifel am Besten aus. Hinter ihm ist es ruhig. Sehr ruhig. Man kennt diese Stille vom graugesträhnten Piraten, aber diese hier ist anders. Macht ihn unruhig. „Dies ist nicht der richtige Weg. Aber dies ist mein Weg!“ Endet die letzte Strophe, welches von dem Musiker auf der Strandpromenade gespielt wird. Mit abklingendem Saiten zupfen verleiht er ihm einen schönen Abschluss und es wird leise, immer leiser. Nun beginnt man die anderen Geräusche dafür intensiver wahrzunehmen und hört es. Das Schlucken. Ein unterdrücktes Schnaufen. Der Kater öffnet langsam die blauen großen Augen, blinzelt gegen die helle Sonne und sieht die Rückansicht des Sängers, ehe der Perser den Kopf nach hinten dreht, dabei einen Satz beginnt: „Das war wunderbar, findest du-“ Oh. Die Augen weiten sich und der Katerleib erhebt sich ehrfürchtig vor dem was er sieht, etwas das er noch nie zuvor gesehen hat. Was ihn so mächtig überrollt, dass der so Sprachgewandte offene Djinn, jegliche Worte verliert und sein Herz, das flattrige Djinnherz, sehr schwer wird. Alle vier Pfoten stehen auf dem Boden und dennoch fühlt man sich, als würde alles jeden Moment umkippen. Der bleiche Mann, mit dem sonst so finster abschreckenden Ausdruck auf seiner Miene und der Regungslosigkeit sein zu Hause nennt, nie auch nur einen Funken Gefühl zeigt, presst sich die Hand über die untere Hälfte seines Gesichts. Sein Körper zittert, während die andere Hand wie schlapp auf dem Boden liegt, die Zigarette, zwischen den Fingern liegend, abgebrannt. Es gräbt sich eine so tiefe Verzweiflung in seine Stirn, die Falten wie hohe Wellen wirft. Darunter Augen, die rot von den Tränen sind, die ihm über den Handrücken laufen, mit der er versucht all den Schmerz der aus ihm heraus bricht festzuhalten. Vergebens. Der Kopf sinkt in den Nacken und seine Hand bedeckt nun das ganze Gesicht. „Beckman..“ Nein, es finden sich keine Worte, die das lindern könnten, die eine so alt aufgeflammte Sehnsucht bändigen kann. Eine die so alt ist, dass sie einen Innen drin aufreißt und unfähig jeder Stärke macht, die so lange und so vehement aufgebaut wurde. Alles zerbröckelt, die Wunde reißt auf und man kann nichts, rein gar nichts dagegen tun. Gegen das menschlichste aller Gefühle ist jeder Machtlos: Verlust.

Liedtext: Zack Hemsey – The Way (deutsche Übersetzung)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

buchstabenmagie.wordpress.com/

Magie ist, aus 26 Buchstaben Welten zu erschaffen

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.

%d Bloggern gefällt das: