Teil I – Hühnerfrikassee

Wir essen es aus der Dose, weil es nichts anderes mehr gibt. Vor uns brutzelt das Lagerfeuer, während im Nacken die Kälte ihre Finger spielen lässt. Der Löffel ist verbogen und oft benutzt. Scheppernd höre ich, wie du bereits zu essen beginnst und ich nicht anders kann als zu schmunzeln, weil mich eine warme Erinnerung packt. Vor dem allem. Vor dem Aus dieser Welt. Ich erinnere mich an die Wärme der Küche, in der du das Fertiggericht in der Pfanne hast braten lassen, wie ich um dich herum geschlichen bin. Wie ich es immer tue, wenn ich bei dir war. Weil in mir so viel ist, so viel Unruhe, als hätten wir nie genügend Zeit. Und so viel zu zeigen, zu sagen, zu fühlen, dass ich nie weiß wo ich anfangen soll, weil dann alles verschwunden ist. Wie wenn man in einen Teich mit Kaulquappen greift und alle schwarzen Punkte dem Griff entfliehen. Ich habe den Tisch gedeckt, die Ruhe genossen, weil niemand im Haus war. Nur wir zwei, so wie jetzt, ganz anders bloß. Gläser und Wasser, ich erinnere mich an die kühle glatte Oberfläche. Mein Magen grummelt und du blickst mich an, du fragst mit diesen Augen stumm, warum ich nicht esse und ich schüttel leicht mit dem Kopf, grinse was ziemlich dämlich aussehen muss. Und nehme einen Löffel aus der Dose. Es schmeckt nicht wie damals. Ich habe dir nie gesagt, dass ich es gerne mit viel Zitrone und Kapern mag. Ich war schon immer ein bisschen komisch oder einfach nur genügsam. Froh bei dir zu sein, das war meine Luft, die ich zum Leben brauchte. Nichts anderes mehr. Du bist schon fertig, da fange ich gerade an. Ich bin nicht satt, aber Hunger habe ich auch nicht. Deswegen hebe ich meine halbvolle Dose in deine Richtung. Du hast dich zurückgelehnt, deine Füße dem Feuer zugestreckt und siehst über mich hinweg, als wäre ich gar nicht da. „Mhm?“ Bringe ich lediglich hervor und strecke meinen Arm soweit, bis es zieht, in deine Richtung, beuge meinen Oberkörper nach vorn, sodass meine Haare fast vom Feuer berührt werden. Du reagierst langsam, als erwachst du erst, greifst um die Dose, streichelst meine Finger sacht. Ich nehme es wahr und lächle in dein Gesicht, obwohl du mich nicht einmal ansiehst, die Dose an dich nimmst und isst. Der Winter wird lang und die Welt, darf dich nicht verlieren. Mach dir um mich keine Sorgen, ich bin zäh, das weißt du doch. Ich blicke in den Himmel, die Sterne sind heut zu sehen und ich fange sie alle mit den Augen ein. Lehne mich zurück, schiebe die Hände hinter den Kopf, wie ein Kissen und schaue hinauf. Ich weiß noch, wie ich die Sternschnuppen bei dir gezählt habe. Als wären sie nur für diesen einen Abend geboren wurden um sich uns zu zeigen. Was würdest du dir jetzt wünschen? Frage ich heimlich, aber du antwortest nicht.

And if you don’t mind
Can you tell me
All your hopes and fears
And Everything that you believe in
Would you make a difference in the world
I’d love for you to take me to a deeper conversation
Only you can make me
Does your name rhyme with mine?

YUNA – deeper conversation

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