Sonntage

Dieses Haus ist kein Heim,

Das war’s, mein Leben lang die ganze Zeit Streit
Der Kühlschrank ist leer bis auf zwei Dosen Sprite
Ich bin oft einsam und oft allein, aber
Immer noch besser als dumm zu sein

Aber dafür, dass hier niemand tanzt, ist es ziemlich laut

 

Es ist allgemein bekannt, dass ich sie nicht sehr mag, die Sonntage. Obwohl sie die besten Tage der Woche sind. Stille. Ausschlafen. Keine Arbeit. Dennoch hat sich in mir eine Abneigung dagegen aufgetan, die ich erst jetzt begreife. Es sind die Tage, an denen meine Eltern auch immer zu Hause sind. An denen sie besonders laut und ausgelassen sind und keine Rücksicht auf niemanden nehmen. Ich saß heut morgen allein beim Frühstück, weil sie eine Stunde nach mir aufgestanden sind. Die Spülmaschine ist noch von gestern voll. Erwarten sie wirklich, dass ich sie ausräume? Ich lass es auf einen Streit ankommen.

Nun hält man mir aber vor, dass ich bei der Therapie gelernt hätte gemeinsam mit meinen Eltern zu essen, so meine Mutter. Ihre Worte sind wie Peitschenhiebe, immer wieder. Als würde man mir die Fingernägel von den Fingern ziehen. Es fällt mir schwer mich von ihrem unaufhörlichen Irrsinn zu distanzieren. Die Gespräche in der Familie drehen sich nur um sie, was für ein schrecklicher Mensch sie ist. Das ist furchtbar. Denn ich weiß es. Das muss mir keiner sagen. Es wäre schöner, wenn sie andere Fragen stellen würden, wenn sie über andere Dinge reden würden, als darüber, welcher Teufel sie ist. Denn das macht nichts besser. Ich weiß, dass sie kein guter Mensch ist und dringend Hilfe braucht, aber ich weiß auch welche Verzweiflung und Hilflosigkeit dahinter steht, selbst wenn ich diese Frau nicht liebe, tut sie mir leid. Sie ist meine Mutter und irgendwas bewegt sich auch in mir, wenn ich diese schlechten Worte über sie höre, was mich sehr traurig und verletzbar macht.

 

Wir sind letztendlich nur Sklaven der Wünsche unserer Familie.

Kisten & Chaos

 

Überall liegt das Chaos verstreut. Ich sammle Artefakte auf und packe sie in Kisten. Staub lasse ich zurück. Krümel, eine nicht zu verfolgende Spur einer Ansammlung von gewagter Gemeinsamkeit, die letztendlich an sich selbst scheitern musste, weil wir nicht nebenher, sondern vorneweg gelaufen sind. Meine Finger sind schmutzig. Ich spüre, wie dieser Raum immer leerer wird. Ich lasse Dinge zurück um neuem Platz zu schaffen.

Wut und Trauer, beide zeitgleich in einer Brust. Eine Kombination, die nicht zu ertragen scheint. Ich darf sie haben, das habe ich gelernt. Sie dürfen da sein. Aber ich weiß nicht was ich mit ihnen machen soll. Wie soll ich mich um diese gewaltigen Gefühle kümmern, die sich so intensiv in meine Brust fressen, mein Rückgrat brechen und alles so viel schwerer machen. Nicht klar denken zu können, weil man von Emotionen eingenommen wird, ist furchtbar. Man macht so viel dumme Sachen. Entschließt sich für falsche Wege, die man anschließend bereut. Wie noch unterscheiden, welcher Weg da der Richtige ist? Zweifel an dem eigenen Bewusstsein. Zweifel, die gerade so groß werden.

Ich erzähle dir so viel über Gefühle und hab doch selbst keine Ahnung davon. Wollte ein guter Mensch sein, so wie du. Aber ich schaff es nicht. Unfrei. So liegen die Kette noch immer eng an meinem Körper. Unfähig mich zu bewegen. Wo man dann, nicht einmal den Arm zum Dank heben kann, wenn man über die Straße gelassen wird. Wo man den Menschen nicht einmal ansehen kann, weil die Scham zu groß ist und die Schwäche zu mächtig. Deswegen lieb ich dich so. Du hast all die Stärke, die ich nicht kenne. Den Mut, den Menschen zu helfen, sie anzusehen, vorbehaltlos ihre Hand zu schütteln, ihnen in die Augen sehen zu können, mit deinem ganz besonderen Blick. Güte und Mitgefühl. Du sagst sehr oft, dass du nichts fühlst, vielleicht ist es wie bei mir, dass du manchmal einfach viel zu viel fühlst und deswegen, dann nicht mal mehr die kleinen Gefühle wahrnehmen kannst, die trotzdem da sind.  Weil wir uns mit anderen Dingen ablenken. Weil wir nach der Flut nichts mehr fühlen wollen. Weil die Flut uns manchmal alles entreißt. Sie nennen es Vermeidung. Und ja, darin sind wir richtig Klasse, nicht wahr? Weil Vermeidung, manchmal alles ist, was wir tun können um nicht zu zerbrechen. Das ist unsere Bewältigungsstrategie.

Bewegung

 

Liebe es gerade wieder seine Musik zu hören. Seine Lieder, die immer dann kommen, wenn sie passen. Als würde er für mich singen, was natürlich abwegig ist. Aber schon ein schönes komisches und beruhigendes Gefühl hinterlässt. Er hat mich berührt, als ‚Dein Lied‘ kam, dass es immer noch für dich gibt. Er hat mich mit ‚Geheimnis‘ berührt, als ich dich begehrte. Er tauchte mit so viel in meine Seele ein. Und das, wo ich es nicht mag über die Lieder zu sprechen, die mich berühren. Weil es verletzlich macht. Und ich habe genug Wunde Punkte. Pflaster liegen nun auf ihnen und ich puste, statt sie aufzukratzen.

Ich habe gesehen, wie sinnlos es ist, mit meiner Mutter zu sprechen. Sie mir über die Lippen fährt und wenn ich es sachlich freundlich anspreche, sie sich abermals in den Mittelpunkt schiebt, nicht darauf eingeht und das verletzte Kind raushängen lässt. Die, die weint, obwohl ich das Kind bin und sie der Erwachsene. Ich seufze ob dieser Einsicht. Ich muss mir selbst die Liebe geben, die ich nicht von meinen Eltern bekomme. Mein eigener Erwachsener sein, wenn es niemand hier kann. Es nie gelernt zu haben, macht es dabei nicht einfacher.

Heute war hart, viel und erbarmungslos. Ich habe mich hinter großen abenteuerlichen Texten versteckt. Obwohl andere Aktivitäten sicher besser gewesen wären, als diese Art der Vermeidung. Sich Gedanken bezüglich des Ausbildungsgespräches machen zum Beispiel oder Wege zur Ruhe finden, um dieser hässlichen Hektik in diesem Haus entgegen zu wirken. Ich schaff es nicht. Ich lieg wie ein Assi auf der Barke und lass die Welt an mir vorbei ziehen. Denke, damit Kraft sammeln zu können, um der Flut zu entgehen, die ich so deutlich fühlen kann.

Kämpfe mit Übelkeit, Anspannung und Schmerz, denke dabei an die Skills, die ich nicht anwende. Innere Bereitschaft schrumpft. Ich weiß ich sollte, sollte härter kämpfen. Die Stimme, die mir sagt, dass diese vielen Wochen in Hamburg nutzlos waren, niederstrecken und beweisen, dass nicht alles umsonst war. Atmen allein, hilft manchmal einfach nicht.

 

 

 

Unruhe

Ich kenne diese Art des Sturms, der in mir aufflackert, wie eine unruhige Kerze. Es ist das alte Gefühl. Es ist hier überall im Haus. Es wird von seinen Bewohnern ausgestrahlt, von den Wänden absorbiert und überall verteilt. Nervosität und Rastlosigkeit legt sich in mich ab und kreist wie Aasgeier in meinem Herzen. Wenn ich ihre Stimme höre, will ich fort. Sofort. Bereits ein Tag ist einer zu viel. Ich zerbreche, spüre, wie all die Wochen zerfallen. Es hat nichts genutzt.

Während ich die meiste Zeit nichts mehr fühle, tauchen Momente wie Messer auf und stechen mich nieder. Aus diesem Grund erst, dränge ich die Gefühle nieder, will sie nicht fühlen, nichts davon. Weil ich sie nicht ertragen kann, weil ich, wenn ich sie einmal fühle, völlig ausgeliefert bin. Es fällt schwerer nicht zuzuhören. Schwerer, sie nicht zu fühlen, wie sie sich versucht mit Gewalt in mein Bewusstsein zu schieben. Sie nistet bereits dort wie ein unsterblicher Parasit.

„Im Gegensatz zu dir liebe ich  meine Eltern“ hast du gesagt und es war grausam. Grausam, dass ich nichts empfinde, nur Hass mich durchströmt, statt irgendeine Art der Dankbarkeit, nistet da Wut auf meine und ihre Existenz. Ich kann sie nicht lieben, weil sie es niemanden einfach machen überhaupt so etwas wie Sympathie zu empfinden. Es tut weh. Es tut einfach nur weh, wieder hier zu sein, in diesem Hort der Schmerzen und so zu tun, als würde es mir nichts ausmachen. Als hätte sich irgendetwas geändert…

Emotionaler Hunger

Du isst, weil du dich leer fühlst, nicht weil du Hunger hast. Ein unstillbarer Appetit, der sich in deinen Magen festsetzt und dich hungern lässt, weil du deine Gefühle dabei übersiehst und nicht merkst, wie du etwas ganz anderes brauchst, dass mit keinem Essen der Welt gestillt werden kann.

Bedürfnisse erkennen, auch wenn man sie solange missachtet hatte.

Aber es meint auch, das Loch in deinem Herzen, dass immer größer wird. Das Fass ohne Boden, dass du mit Komplimenten der anderen füllst. Dass du mit dem herausreißen anderer Gefühle füllen willst. Doch es hört nicht auf leer zu sein. Wehzutun. Es bleibt still und dein Hunger bleibt ebenso. Nur die Menschen um dich herum, denen schadest du, denen tust du am meisten mit dir selbst weh.

Feedback

Das macht Arbeit, nicht wahr? Sich in andere Menschen hineinzuversetzen, zu denken, wie sie denken, zu fühlen, wie sie fühlen. Hinzusehen, statt weggucken. Sich mit ihnen auseinander setzen. Ihrem Leid und ihren Problemen. Ihrem Leben und ihren Gedanken.
Das ist anstrengend, das zerbricht die schöne stabile Schutzhülle, die du dir geschaffen hast. Dein Kopf knackt, wenn du versuchst aus ihm heraus in den Geist der anderen zu brechen. Aber du willst es unbedingt. Du weißt wie die Geschichte mit dem Frosch und dem Skorpion ausgeht. Skorpione ändern sich nicht, wirst du dich ändern?

wenn ein Kind getröstet werden will, will es nicht hören, wie stark es ist oder wie weit es gekommen ist, dann will es in den arm genommen werden und gesagt bekommen, dass es traurig sein darf, weil es traurig ist, dass es weinen darf, weil es nicht schlimm ist zu weinen und das wir das gemeinsam schaffen werden. Das man an die Hand nimmt und umarmt wird, dass man da ist.

 

Und dein Blick verrät mir: du weißt, daß ich dein eigen bin und daß du mir den Fuß auf den Nacken setzen darfst. Das ist der Mitleidblick im Auge jener Frauen, vor denen eine edelgeborene Mannheit auf Knien liegt, jenes halbe Herneigen, jene Lust, einen Sklaven zu haben – und dahinter die spöttische Frage: ist das alles? Ist das die Liebe? 

Wende diesen Blick von mir! Ich ertrage ihn nicht, mit seiner verborgenen Frage, mit seiner traurigen Grausamkeit. O wie könnte ich dir mit Vorwürfen antworten! Aber ich kenne dich. Du hörst mich an, du lächelst, nickst sogar, wenn ich dich der Bitterkeit und des Bruches erinnere, die durch dich in mein Leben gekommen sind. Du hörst mich an, du lächelst, du nickst sogar und fragst zuletzt: soll ich fortgehen? 

Du weißt: er sagt nicht ja. 

– Hermann Hesse, Hermann Lauscher, Schlaflose Nächte, Die siebte Nacht

 

 

 

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