Fatum

Gestern Abend eine Tablette genommen. Weil sie den Schlaf besser macht, den ich nicht gefunden hätte. Dafür den Morgen träger. Aufgewacht und den Körper einer warmen schönen Katze vor der Nase. Wie er mich ansieht. Verliebt und müde. Wenn ich nur jeden Morgen so aufwachen könnte. Dennoch viel zu langsam, zeitschindend, weil ich glaube noch Zeit zu haben. Ich hab sie nicht. Niemand hat Zeit. Auf dem Weg zur Stadtbibliothek hat mich ein alter Mann angesprochen. Triviale Worte, sinnloses Gebrabbel und doch war ich froh darüber. Ich liebe diese Momente, in denen unerwartetes passiert. Als ich weiterging, hing ich dem alten Mann noch nach. Wofür war das Gespräch gut? Wovor wollte er mich bewahren? Oder einfach nur Zeit stehlen? Meinen Lieblingsverrückten habe ich wieder gesehen. Ich mag diesen wirren Kopf. Er ist ein schöner Mann. Das erste Mal traf ich ihn in der Klinik vor einem Jahr. Er spricht ununterbrochen. Redet über Politik, Wirtschaft, die Welt. Alles. Man könnte ein Radioprogramm nur mit seinen gesprochenen Gedanken aufnehmen. Er würde gut verdienen. Doch er ist verrückt. Die Leute meiden ihn, während ich ihn anlächle. Ich glaube heute hat er mich zum ersten Mal in all den zufälligen Begegnungen direkt angesehen. Oder durch mich hindurch. Gestern hatte ich ihn auch gesehen, er hat sich neue Schuhe gekauft und sah dabei so glücklich aus, dass ich mich mit gefreut habe. Heute ist er im Kreis auf einer Straße mit dem Fahrrad gefahren, stand dann mit mir an der Ampel, redete ohne Unterlass, dass Amerika nicht zu Westeuropa gehört. Er hat diesen besonderen Klang beim sprechen. Es ist völlig egal was er dabei sagt. Zuhause war ich müde und wollte mich nicht hinlegen. Habe sinnlos auf den Bildschirm gestarrt und zu nichts antrieb. Die  Serien interessieren mich nicht mehr. Die Lieder geben nichts wider. Für lesen fehlt mir das Fokussieren. Unerwartet wurde ich aus der Einöde gelockt. Abgeholt. Entführt. Es war gut.  Es war das richtige.

Trotz allem. Mir fehlt die Freude darin. Das gute Gefühl. Denn was ich spürte war die Traurigkeit die mich umschlich. Die Gespenster die in meinem Kopf schreien. Ich sage mir, sammle gute Momente. Doch können sie mich retten?

 

 

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