Abrisskugelstimmung

In meinen Träumen habe ich meine Sorgen ertränkt
Aber meine Sorgen, sie habe schwimmen gelernt
Sie umgeben mich, sie saugen an mir
Schwappen über den Rand
Wellen der Reue, Wellen der Freude
Ich suche nach dem einen, den ich versucht habe zu zerstören
Du, Du hast gesagt, Du würdest warten
Bis zum Ende der Welt

-U2 – Until the End of the World –

Stellst du dir manchmal vor, wie es wäre, wenn alles anders gekommen wäre? Es gibt mittlerweile so viele Wege, die ich eingeschlagen habe, die mein Rückgrat überspannten, dass ich gar nicht mehr weiß, wann ich den einen Fehler begangen habe, der alles zerstörte. Vielleicht war atmen allein schon der Fehler oder der Moment, in dem ich das erste Mal ins Krankenhaus kam.

Stattdessen – starre ich zurück auf die gefühlt hundert Augen und sage, dass ich es heute gut gemacht habe. Dass ich stolz sein kann. Dass erste Erfolge abzusehen sind. Ich kümmere mich gut, auch wenn ich ab und an zurückfalle und scheitere. Stehe wieder auf, klopfe mir den Dreck vom Körper, suche Pflaster, statt Nägel und gehe weiter. Die Nachwirkung der Tabletten haben mich zwar müde und schwummrig gemacht, auch nährten sie mich mit psychotischen Ängsten, doch ich hab mich gegen sie gestellt und mich für etwas anderes entschieden. Versucht all die Finsternis mit anderen Gedanken zu füllen. Wünsche umzuschreiben, die vorher nichts weiter als Quacksalberei waren. Und es wird Zeit, das etwas passiert. Es wird so dringend Zeit, wenn ich an die Menschen denke, die mir Wunden zugefügt haben, die ich habe gewähren lassen, mich zu verletzen und ausbluten zu sehen.

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  1. Was beobachtest du?
  2. Was fühlst du in dieser Situation?
  3. Was brauchst du?
  4. Worum bittest du?

Der Prozess der Selbsteinfühlung und der Einfühlung in die Bedürfnisse anderer, ist beendet, wenn es uns in der Beziehung zueinander und in der Erfüllung unserer individuellen Bedürfnisse ausreichend gut geht.

 

„Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit, ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.“ 

– M.B. Rosenberg

Staub

Zurück zum Staub. Presse mein Gesicht auf den Boden. Atme den Dreck. Unter meinen Fingerkuppen häuft sich die Asche, ich ziehe meine Spuren durch das Grau. Huste gegen die Einsamkeit. Du drückst meinen Kopf runter. Ich spüre die erbarmungslose Hand in meinen Haaren.  Du hältst mich am Boden fest wie schweres Eisen. Keuchend versuche ich immer wieder gegen diese unbändige Kraft zu rebellieren. Will aufstehen. Drücke die Arme durch, nur um wieder zurück zu fallen. Du lässt dich nicht bezwingen. Nässe ergießt sich über mir. Dein Knie drückt sich in mein Rückgrat. Ich kann dein ganzes Gewicht auf mir spüren. Die Hand die sich zur Faust ballt und an meinen Haaren zerrt. Fühle dein Grinsen in meinen Knochen. Klebrig trocknet die Flüssigkeit auf  mir und ein Feuer wird entzündet. Du zündest dir deine Zigarette an. Hältst mich in deinen Händen, in dem Wissen, dass ich liegen bleibe. Bitterer Alkohol auf meinen Lippen. Rauch in meiner Kehle, als du mich küsst und deine Zunge über meine Lippen leckt. Im Feuer löse ich mich auf und werde zu dem Staub, der auf dem Boden liegt. Staub, über den du gehst. Staub, der schon immer hier gewesen ist.

Jemand anderes

Sein.

Zu spät, für all die Höhenflüge, das erzähl ich mir. Die Lügen verankern sich in meinem Kopf. Ich weiß, dass es Lügen sind, weil man auch sagt, dass das Leben weiter geht. Meines fühlt sich an wie eine Endlosschleife im Stop. Jemand hat die Pausetaste gedrückt und nie auf Play umgeschalten. Ich sehe die Dinge wie im Zeitraffer. Lange und intensiv. Ich bin verheddert in meinen mir selbst auferlegten Ketten aus Moral und Regeln. Zu steif und zugeknöpft das alles, zu viel Disziplin in den falschen Dingen. Versuche mich aus den Fesseln zu entwinden, doch sie drücken nur noch mehr gegen mich und halten mich flach. Du fließt, wie ein Fluss, habe ich das Gefühl. Ich muss mich wie Lava durch die Enge kämpfen und werde bald starr und tot. Wo ist sie hin, die Kraft, die mich nach oben treibt? Wo ist das alles hin, was mich mal am Leben hielt? Heut war nicht gut. Ein Berg an Zweifeln. Über alles. Ja, es betrifft auch dich. Bin ich beziehungsfähig, hältst du mich aus? Hältst du mich auf, wenn ich alles hinschmeißen will, um dem kurzweiligen Schmerz zu entfliehen? Es ist so kompliziert und wir machen es uns nicht einfach. Warum kann es nicht einfach sein? Ich will jemand anderes sein. Jemand  normales. Der Durchschnitt. Nicht dieses abgefuckte Wrack. Schlecht zusammengeklebte Scherben. Du hast das Pech mich in einem Abschnitt meines Lebens zu treffen, in dem nichts ganz ist. Ich bin besser, ich bin toller, gewiss, irgendwann war ich das mal, aber im Moment ist alles kaputt und zerstört und du bekommst Trümmerteile davon ab. Es ist nicht fair, wenn ich eine bessere Freundin sein will, als ich es schaffe. Nur Gejammer und der ständige Schrei in meinem Kopf. Wissend, dass nur ich etwas ändern kann. Habe mit Meditieren angefangen, manchmal klappt es, meistens nicht. Die Ruhe fehlt. Die Empathie. Die Sorglosigkeit. Leere. Es fehlt so vieles und ich strample auf der Stelle.

Die Fragen nach dem Sinn. Wofür lebe ich? Und die Gegenstimme, die mir sagt, wenn ich nicht für mich leben kann, dann doch für die Menschen in meinem Umfeld. Reicht das? Ich fühle mich trotzdem nicht wohl bei diesem Gedanken. Denn die Menschen um mich herum enttäusche und verletze ich.  Es ist nicht einfach mit mir. Ich bin vollkommen hinüber.

Der Traum bleibt. Das Gefühl nicht richtig wach zu sein. Nur zu wandeln, statt zu gehen. Wie ein Geist in leere Gesichter starren, die leer zurückstarren. Eine Horrorgeschichte, Tag für Tag. Von einer Pistole geträumt, aber nicht den Mut mich damit umzubringen. Schmerz herrscht vor.

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Und irgendwann kommt jemand anderes. Ein Vorzeigemensch. Eine die vielleicht interessanter ist, sich verkaufen kann. Geheimnisvoll umschwirrt sie dich  mit ihrem entzückenden Atem. Ihrem perfekten Körper. Alles so viel schöner, als man ertragen könnte und so viel verlockender, als man aushält. Ihre Worte ein Trichter. Sie fließen in dich hinein und stellen alle Antennen auf. Hast du Gänsehaut? Denkst du an sie? Dein Herzschlag verrät dich. Das Senden und Empfangen klappt reibungslos. Ein bisschen verrückt, aber so, dass es dir gefällt. Welterfahren und -offen. Abenteuer in ihrer präsentierten Brust. Sie zeigt Haut und sie ist mutig. Ihre lackierten Fingernägel, an denen die Farbe absplittert und die darauf warten in dein Fleisch zu graben. Lässig tanzt sie, spielt vielleicht sogar ein Instrument, dessen Töne dich betören. Ein Lied, nur für dich, sagt sie, flüstert sie, haucht es in dein Ohr. Hohe Absätze, Leder, rigoros kokett. Die Spitzen in ihrem Lächeln sprechen mit deinen Lippen. Ich sehe, wie sie all das verkörpert, was ich niemals sein kann. Wir Menschen werden manchmal sympathisch erzogen. Ich wurde wie ein Monster geboren. Mein Mund hängt hinab, mein Lachen ist fragil. Ich habe die Ausstrahlung einer Abrisskugel. Winter auf der Haut und im Herzen. Sie ist Frühling. Schenkt Hoffnung und Sehnsucht. Leidenschaft zwischen ihren Schenkeln und Verlangen lodert in ihrem Blick. – Das ist doch das Problem, wenn es so viele Menschen gibt. Es gibt immer einen besseren, schöneren und vollkommenen. Und wir alle sind austauschbar. Ersetzbar. Ich bin die Schüssel mit dem Sprung. Irgendwann holt man sich eine Neue. Weil man sich an der alten zu oft geschnitten hat.

Du wolltest nichts davon

Heftige Träume, die Altes wieder ausgraben. Etwas, das tief verborgen lag. Dort bleiben sollte, bleiben muss. Da bist du wieder, nicht wahr? Auf dem Weihnachtsmarkt hab ich dich gegen alle Logik wieder gesehen. Und du warst, wie du immer bist. Hilfsbereit, eben du. Ich: sturzbetrunken, mit meinem Ex, will darauf noch mehr trinken und hab doch nichts gesagt. Nur alles ist so anders geworden. Was, wenn ich nicht kaputt gewesen wäre? Was wenn ich genauso normal, wie all die anderen Mädchen gewesen wäre? Vielleicht sogar blond? Stände dann dein Name hinter meinem? Hätte das irgendetwas verändert, gebe es dann eine Chance für die Zerstörung, die du hinterlassen hast? Das Gefühl der Wertlosigkeit, die erst durch dich gewachsen ist. Das ist keine Art mit einem Menschen umzugehen. Nicht mit so einem jungen Ding. Du hast so viel Macht, du bist genau wie sie. Oder ist sie wie du? Ein Teil von mir, jagt noch immer nach dir, der du mir gezeigt hast, das die Oberfläche keine Bedeutung hat, das es darum geht, wie man ist, was man tut, wer man ist. Ich habe gesehen, dass du verheiratet bist, natürlich eine Blondine. Ich habe gesehen, dass du ein Kind hast. Ich hasse Kinder. Wir hätten wohl nie dieses Leben führen können, doch du hättest mich nicht so behandeln sollen. Ob es wieder gut macht, dass du in der Pflege arbeitest? Du manchmal Schuld spürst? Wir kennen uns nicht mehr und ich war nichts weiter als eine Spielfigur in einem Spiel, das du so gut beherrschst.

Andererseits habe ich mich so bemüht, so viel Tiefe in alles zu legen. Mich weiter zu entwickeln. So viel Schönheit zwischen meinen Fingern entstehen zu lassen. Ich habe jeden Atemzug nur gekämpft. Nie hab ich mich ausgeruht, nie zurückgelehnt, weil ich perfekt für dich sein wollte. Perfekt für jemanden wie dich. Doch du wolltest nichts davon. Ich hab mein Herz für dich gebrochen und dann haben andere es nur noch kleiner gemacht. Wenn ich darüber nachdenke, bist du der Grundstein meiner Zweifel.

Denn du warst derjenige der zu mir gesagt hat, dass ich Schwärmerei mit Liebe verwechlse. Wahrscheinlich, weil ich einfach anders fühlte als du. Du warst derjenige der mich verführte und dann wegschmiss. Das Gefühl puren Glücks, dass du vor meinen Augen zerbrichst. Ist es jetzt nicht das selbe Gefühl? Obgleich ich ja sage, kann ich es nicht aus  mir heraus merzen. Es ist immer da, das Gefühl von damals, das durch dich zu einem Monster wuchs.

Der Druck steigt

Ich atme. Ich spüre wie die Luft sich an mich klammert. Aber manchmal hilft selbst das nichts. Ich spreche mir wie ein Mantra immer wieder vor, wie unsinnig mein denken ist. Wie schwachsinnig diese Sorgen. Ich will sie damit klein halten, aber sie werden immer größer. Und sind sie wirklich unberechtigt? Wenn es weniger wird. Wenn ich Furcht vor dem harten Aufprall habe. Immer wieder dagegen halten, bis ich keine Kraft mehr hab und dann? Dann wieder fallen, alle enttäuschen, alles verlieren. Der Druck steigt.

 

 

Everything, Everything

 

Atme ruhig. Ziehen lassen. Geduldig sein. Den Schmerz überwinden. Der Druck, wenn man aufwacht und nicht weiter machen will. Der Moment, wenn die Nacht den Schmerz nicht gefressen, sondern aufbewahrt hat. Nur mit wieder hinlegen ist es nicht getan. Man wälzt sich, die Schuld wird größer. Also weiter machen. Ein bisschen Leiden, dann merken, dass es vielleicht doch geht. Aber niemals so gut, wie es sein sollte. Immer die Stimmen im Kopf, die Klauen in der Brust, Kratzer auf der Haut. Unter dem Fleisch Verwesung. Manchmal dauert weitermachen zu lange. Dann will man nur die Augen zu machen und warten, bis später ist. Bis du wieder hier bist zum Beispiel. Weil allein die Dämonen so unbesiegbar scheinen und ihr Maul weit aufsperren. Zähnefletschen, zuschnappen, beißen, kauen und verdauen. Immer in Bewegung bleiben, die Finsternis, wie Obstfliegen fortjagen. Daran erinnern, was du gesagt hast, wie du die Dinge angehst. Auch wenn ich nicht dafür geschaffen bin. Es anders machen muss, vielleicht eine Scheibe abschneiden. Glück nicht für unerreichbar, sondern bereits da, ansehen. Fokussieren, nicht auf das üble, vielmehr das was gelingt. Umdenken, versuchen die Zähne zusammenzubeißen, zu spüren, wie der Kiefer knackt. Lockerlassen. Den Weg finden, zwischen egal und wichtig. Nicht zu wichtig. Aber nicht zu egal. Einen anderen Menschen, so gern wissen lassen, wie viel er bedeutet und dann immer wieder daran zu scheitern. Weiter machen. Irgendwann den Punkt finden, der unser beider Leben berührt. Eine Seifenblase und eine andere. Sich an die Momente erinnern, die es Wert sind. Deine Fragen, wenn wir nackt sind, wenn es dunkel ist und Körper warm. Alles festhalten, weil vergessen zu leicht ist.

Alles in meinem Kopf, nicht im Kopf des anderen. Schau nicht hinein, manchmal findet man da furchtbare Sachen. Immer noch erstaunen über das Gefühl, dass du erschaffen hast, wo zuerst das Gegenteil war. Aber immer noch Zweifel, weil das noch nie geklappt hat. Eine Chance, um zu beweisen, dass es auch anders geht. Nicht daran denken, was wäre, wenn du ohne mich gehst, wenn ich weggeworfen werde. Wissend, ja, ich überlebe, aber will es nicht. Hast du denn gar keine Angst bei all den Möglichkeiten?

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Nie satt

Du weckst mich auf, wenn ich  müde bin. Du kitzelst mich wach. Wie ein Streicheln, berührst du mich. Jetzt wo ich schlafen wollte, schlafen sollte, schaff ich es nicht. Weil ein Feuer in mir brennt. Weißt du wie es sich anfühlt? Als würde ich von Innen ausbrennen. Druck, ziehen, Lava in meiner Brust. Da wo das Herz schlägt, sich wehrt, krampft, weil niemand hier ist und es anfasst, um es zu beruhigen. Zweifel in meinem Kopf. Keine Beweise, bloß ein vager Glaube, dem ich halsüberkopf zugestimmt habe. Woran halt ich fest, wenn Luft zwischen meinen Fingern verschwindet? Mein Fass ohne Boden schluckt das Wichtigste und verlangt beständig nach Füllung. Ich bin nie satt. Nie satt von dir.

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Es kommt in Wellen. Immer wieder zurück zu  mir, wie ein vergessener Anker, zieht es an mir. Der kurze Stich. Die Sehnsucht zu sterben. Nur eine Klinge entfernt. Eine Pille vom Rand. Stark sein, fällt manchmal verdammt schwer. Heute hab ich  nichts getrunken und das hätte ich mir niemals geglaubt. Ich war auch auf Arbeit und ich hab nicht aufgehört. Kann ich nicht wenigstens ein bisschen Stolz sein? Auch auf meine Gedanken, weil es Menschen gibt, die wirklich langweilig sind und ich dich gefunden habe, der du mir so viel gibst, obwohl ich nichts mehr bin. Weit entfernt jeder Langeweile. Am Ende des Jahres, bin ich kaum noch etwas. Und mich aufzurappeln verlangt eine Kraft von mir, die ich kaum imstande bin aufzubringen. Wenn ich daran denke, wie lange es dauert, dich wieder zu sehen, tut es schon sehr weh.

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.