Gelähmt

Sie wird geschlagen. Ich hab das Blut an ihr gesehen. Es hat mich erschreckt, mit einer Echtheit, die ich nicht begreifen kann. Es klebt auf meiner Seele. Es klebt an meinen gefesselten Händen. Wie gelähmt hat meine Stimme nichts weiter gekannt als ein zerbrochenes „Polizei“. Nein, die kann nicht helfen. Nicht bei dem Schaden, der angerichtet wurde. Die Schmerzen in ihrem Blick sind mit nichts mehr zu heilen. Sie ist zerbrechlicher als ich. Und ich kann nichts weiter tun als ihr beim brechen zuzusehen. Weil meine Stimme keine Kraft besitzt, um ihr zu helfen. Dennoch werde ich nicht aufhören mich zu wiederholen. Werde da sein, werde die selben Sätze immer wieder sagen, weil sie stimmen. Und ich weiß noch, wie sie weinend zu mir ins weiße Zimmer kam, weil ich nicht mehr leben wollte und sie den Gedanken nicht ertragen hatte, mich nicht mehr lebend zu wissen. Wie  all die Tränen für mich gefallen sind, die ich sie nie verdient habe. Werde am Ende ich diejenige sein, die um sie weint?

____________________________________

 

Die Tür öffnet sich. Ich habe auf dich gewartet. Meine Augen sind schwarz und rot. Du setzt zum sprechen an, aber ich hebe meinen Arm und schließe meine Finger um deine Kehle. Drücke zu, stoße dich zurück in den Gang, an die Wand und presse dich mit all meiner Kraft dagegen. „Du hast mich allein gelassen“ Fauche ich dir entgegen und liebe den zornigen Blick in deinem Gesicht, weil da keine Angst ist. Nein, du hast keine Angst, du kennst keine Furcht, deine Furcht ist Wut. Ich drücke fester zu, hebe mein Gesicht ganz nah an deines, stemme ein Bein zwischen deine, zwinge dich in diese ungemütliche Position und starre dich wie eine Bestie an, während du an mir ziehst. „Spürst du das?“ Frage ich, aber dich interessiert die Frage nicht, dich interessiert nur, wie dein nächster Atemzug gelingt. Noch immer drücke ich unerbittlich zu. Atme ein und küsse dich. Schenke dir Atem. Ich bin dein Atem. Vergiss das nie.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.

%d Bloggern gefällt das: