Ich wache auf

… und immer dann hab ich nur dieses eine Gefühl, diesen einen Gedanken der sich so wahr anfühlt, dass er mich zerreißt. In der Mitte. Einfach so. Deswegen kann ich nicht mehr ohne Hilfe schlafen, weil ich sonst den Verstand zwischen dem Wachsein verlieren würde. Jedes Mal, wenn ich merke, dass ich schwach werde, das meine Mauer nicht mehr hält, stemme ich  mich dagegen, lächel ich breiter und sag mir, das das alles nichts bedeutet. Das es besser wird. Das es nicht nur an einem Menschen liegt. Sondern immer an mir. Ich hab die Zügel in der Hand, ich muss sie in der Hand haben. Ich würde es nicht überleben. Also entscheide ich mich für dich, auch wenn alle anderen etwas anderes sagen und alle Beweise gegen dich sprechen. Ich habe mich entschieden und das werde ich einhalten, gegen jeden Widerspruch. Ich brauche nur noch ein bisschen Kraft. Alles wird gut.

Ich habe viele Beiträge gelesen. Menschen, denen es ähnlich geht und habe erkannt, dass ich reifer geworden bin, gewachsen bin, es anders mache, dagegen kämpfe, statt mich der Erkrankung hinzugeben und ein Scheitern provoziere. Aber irgendwann sind auch meine Reserven erschöpft und dann brauche ich jemanden. Einen, der einfach nur sagt, das alles gut wird und der mir das Gefühl gibt, egal was passiert, niemals verlassen zu sein. Und scheiße noch mal ich hab tausend Fehler gemacht und keinen ausgelassen, alles falsch gemacht was man falsch machen kann, trotzdem bin ich noch hier, mache das Beste daraus, jeden Tag ein bisschen besser. Und wie soll man lernen, wenn man nicht scheitert?

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Highlight des Tages: Ich bin in den Teeladen dieser Stadt gegangen, den ich schon länger im Auge hatte. Endlich gab es einen Grund. Jemand hat Geburtstag und wünscht sich einen türkischen Tee. Also gehe ich hinein, es ist eine schöne Atmosphäre, niemand im kleinen Verkaufsraum, aber jemand kommt die Treppe hinab und ich erkenne den Mann, der auch öfter im Buchladen war. Ich bin angespannt, verklemmt und sage nur das nötigste. Frage ob es türkischen Tee gibt und er öffnet eine große Box, lässt mich hinein sehen und riechen und ich sage perfekt. Sehe mich um, vielleicht finde ich noch etwas, während er den Tee abfüllt und hinter mir kommen zwei weitere Kunden. An der Kasse sehe ich ein kleines Körbchen mit Kleinigkeiten und frage ob ich das so haben kann, das würde gut passen. Es ist kein Problem. Währenddessen bedient er das ältere Paar das nach mir hinein gekommen ist. Die ältere Dame fragt nach Teefiltern und ich gebe sie ihr, weil sie mir zuvor schon ins Auge gesprungen sind. Sie bedankt sich, kauft ihren Tee und die Filter und beide gehen. Dann beginne ich ein Gespräch. Ganz einfach. Aus dem Nichts heraus. Und das Gespräch nimmt eine einschneidende Kurve an. Wir reden über seelische Erkrankungen, die wachsende Oberflächlichkeit der Gesellschaft und wie sie mit den Medien alles zerstören. Gefühle werden nur noch mit Smileys ausgedrückt. Die Menschen verlernen zu kommunizieren. Können Beziehungen nicht mehr aufrecht erhalten. Ich erfahre viel von ihm und hätte mich gern hingesetzt, ein Tasse Tee getrunken und das Gespräch ewig weiter geführt. Nur zuhören, ein bisschen antworten. Eine andere Seite aufzeigen  und eine angenehme Unterhaltung führen. Glücklicher kann man kein Geschäft verlassen, wenn man sich eine Stunde mit jemand fremden unterhält.

 

Ich kämpfe

Und wie ich kämpfe. Ich reiß mir buchstäblich den Arsch auf. Allein. Das hab ich alles allein geschafft. Niemand da, weil ich verlassen wurde. Verlassen bin. Das Gefühl wird zur Routine, also lernt man damit zu leben. Nicht so einfach, wenn es wie ein Anhängsel auf Schritt und Tritt neben mir geht. Mich daran erinnert, dass ich allein bin. Egal ob dem so ist oder nicht. Es muss schreien, wenn ich versuche es zu ignorieren. Mein Kleinkind, mein Ballast, mein Gewissen. Also wird es nicht mehr geschlagen, getreten und vergraben, sondern an die Hand genommen und versucht im Gleichschritt den Weg zu gehen. Allein. Die Angst zieht sich durch mich hindurch und ich ringe sie mit einem beständigen Lächeln nieder. Es gibt keinen Grund für Angst und dennoch ist sie da, kann sich mit Gegenargumenten nicht niederringen lassen. Einsamkeit gesellt sich hinzu. Wir decken den Tisch gemeinsam, allein, einsam. Meine dunklen Schergen überschatten mich, aber ich krieche zum Licht, sammle Strahlen für mich ein, Lächle weiterhin und vergrabe das alles. Ich sagte dir, ich muss für dich stark sein, du aber sagst, ich sollte für mich stark sein. Ein Moment in dem das Lächeln brach, es darf nicht wieder vorkommen. Meine Schwäche, willst du nicht sehen. Schwäche, will niemand sehen. Also lächle ich, nehme meinen Krempel und gehe voran in eine Zukunft die mich mit ihrem Licht blendet. Und wenn ich dafür brechen muss um die dunkle Hülle zu durchstoßen, dann tut es für einen Moment weh um endlich gut zu werden.

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Abgrund

Ich blicke von Tag für Tag hinab. Werde gestoßen, getreten, missachtet. Durch die vielen Suchanzeigen und Verkäufe auf den Online Plattformen gewährt man mir einen Einblick in diese Gesellschaft. Und was ich sehe ist ekelhaft. Der Umgang miteinander ist grauenhaft. Da ist kein Bitte kein Danke, keine Art der vernünftigen Kommunikation. Von Freundlichkeit, Anstand oder Grammatik ganz zu schweigen. Ich mag nicht mehr. Ich will aufhören damit, aber ohne diese Mühen erreiche ich nichts. Ich muss mich mit diesen Menschen auseinander setzen und das Beste geben. Nicht einknicken, weiter höflich bleiben und ihnen zeigen, wie es besser geht, auch wenn sie es nicht einmal realisieren. Die Anonymität hinter der sie sich verstecken, zeigt ihre Hässlichkeit, aber sie denken nicht weiter als bis zu dem ersten Buchstaben. Ihre Teller sind schmal, sie können nicht über den Rand blicken. Ich bin froh, wenn ich jemanden erwische, der netter ist, weiter denkt und mir zeigt, das nicht alle Hoffnung verloren ist. Aber ihr größter Teil verschwindet allmählich. Nicht nur das ich dauernd Fake Nachrichten bekomme, in denen mir eine Wohnung angeboten wird, die es gar nicht gibt. Auch lassen sie mich an jeglichem Vertrauen, das ich in Menschen gesteckt habe, zweifeln. Sie zerrütten es, bis nichts mehr davon übrig ist. Dabei ist es sowieso schon angekratzt. Was ist nur passiert? Wie konnten die Menschen nur so zueinander werden? Was veranlasst sie dazu? Was könnte es ändern? Und wo bleibt der Funke Hoffnung, der sich zwischen alldem versteckt?

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