Falsche Umarmungen

Heute morgen, wie ausgekotzt aufgewacht. Ich wusste, was mir bevor steht und ich wollte es nicht. Denn gestern hat mir alles gezeigt, was ich sehen musste. Ein Verhalten, dass ich nicht verdient habe. Ich konnte mich nur noch mit wütenden Rachegedanken beruhigen. Ich hatte so viel Wut und Hass in mir. So viel davon und ich wusste nicht wohin damit. Es grub sich tief in mich hinein. Es zeigte wohl eine Seite meiner Seele, die wahr ist. Ich bin hässlich. Ich bin ein furchtbar hässlicher Mensch, wenn ich in meinem Stolz oder als Mensch verletzt werde. Ich kann damit nicht umgehen. Selbst im Bus, als ich ihm schrieb, dass ich früher kommen werde und meine Mutter mit nehme, zeigte er diese hässliche Seite in  mir. Diese kleinen Worte tun noch immer weh. „Nö, ist nicht ok“ So nichtssagend und doch spricht es alles aus. Ich wollte ihn zerreißen, in seiner Essenz zerstören, alles nehmen, ihm wehtun, wie es noch niemand zuvor tat. Und ich hatte Angst. Mein Herz klopfte unstet und wild. Mein ganzer Körper tat weh. Und in mir sah es nicht besser aus. Dann kam ich an. Seine Mutter hat aufgemacht. Seine Mutter stand da und fragte, wie kann nur so ein liebes Mädchen so böse sein. Die ganze Zeit. Sie  im Nacken. Dann er. Ich konnte ihn nicht ansehen. Wollte nur weg. Meine Sachen packen und das Kapitel schließen. Er macht es nicht einfach. Lässt sich Zeit, spielt den sterbenden Schwan, obwohl ich nicht diejenige war, die ihn so schwer verletzt und psychisch missbilligte. Also Sachen mühselig gepackt. Die Karaffe meiner Oma zerstört. Geweint. So viele Tränen geweint. Dann noch einen Streit mit seiner Mutter angefangen, die mich dann bekloppte genannt hat. Ich sei völlig bekloppt. Warum hallen die Worte noch in meinem Kopf nach? Warum bleibt nichts, von der Güte und den schönen Tagen zurück, wenn so etwas hässliches passiert?

Im Auto, fuhr er an die Star Tankstelle, da wo S immer war. Doch er war nicht da. Niemand war da. Ich war allein. Erschöpft. Und von seinen Worten tief getroffen. Immer wieder das nach bohren. Immer wieder das fiese stechen, von der Seite. Er hätte gleich ein Messer nehmen können um es mir in die Brust zu rammen. Und bei Gott, ich war selbst versucht, den Schraubenzieher in meiner Tasche zu nehmen und mir in den Hals zu jagen. Es tut alles so weh. Alles was er sagt. Einiges wahr, anderes nicht. Vielleicht ist es meine Schuld. Vielleicht war ich auch hässlich und gemein. Doch alles hatte seinen Grund. Und auch ich bin aus der Haut gefahren, habe schäbige Antworten gegeben, die ihn verletzten. Tränen auf beiden Seiten. Blut das nicht trocknet. Wir sind beide gebrochen. Ja und ich habe ihm auch von meinen Gedanken erzählt, dass ich mir etwas antun will. Er wollte mich gleich ins Krankenhaus fahren, aber ich habe nur meine Sachen in dem Auto im Kopf. Die müssen Heim. Weg von ihm. Um frei zu sein. Nur warum fühle ich mich jetzt nicht frei? Warum nicht erleichtert oder unbeschwert? Alles ist geschafft. Ich bin fort. Hier sollte ein Ende sein. Ein Schlussstrich. Fort. Aber das ist es nicht. Es frisst sich in mich hinein. Ich bin am Ende. Das ist alles. Ich sehe keine rosige Zukunft. Ist sehe einsame Winternächte. Tiefsitzende Kälte. Und einen Menschen, der falsch ist. Ich bin hässlich. Vor allem Innen. Ich kann niemanden lieben und ich habe auch keine Empathie. Meine Gedanken sind paranoid und spinnen sich eine falsche Welt zusammen. Ich habe kein Vertrauen mehr. In niemanden. Und ich erwarte immer das Schlechteste von allen, bis es passiert. Was habe ich gewonnen, außer unendlichen Schmerz?

Ich weiß nicht mehr weiter, nicht was ich tun soll, noch wie ich weiterleben kann, wenn ich dieser Mensch geworden bin.

Ein Gedanke zu „Falsche Umarmungen“

  1. Jeder Mensch, selbst des gütigste und freundlichste, denkt manchmal schlechte, ja, vielleicht wirklich schäbige Gedanken. Aber das ist ein Teil von uns. Und wer uns verletzt, auch wenn wir vielleicht zuerst verletzt haben, hat auch böse Worte und Gedanken am Ende ein bisschen verdient. Es ist okay, nicht immer gut zu sein, nicht immer perfekt zu sein, perfekt zu denken und zu fühlen. Und am Ende ist ein Abschluss vor allem eins: Ein Ende. Ein Ende von einem Schmerz. Und das ist doch, was am Ende zählt.

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