Wenn etwas klar wird…

Das ich den Alkohol missbraucht habe, hat einen Grund. Die Antwort darauf, warum es mir schwer fällt am Schnapsregal vorbei zu laufen oder nicht daran zu denken, mir einfach die Kante zu geben, weil es unerträglich ist. Ich ahne nun, warum das alles passierte und warum ich trinken will. Weil ich dann besser für andere funktioniere und ihren Erwartungen entspreche. Das was ich fühle, ist nicht das was ich bin. Die Gefühle kommen von außen und drängen sich an mich. Es sind die Anforderungen und Erwartungen der anderen. Der andere erwartet, dass ich Sex mit ihm habe? Also fühle ich genau das. Der andere erwartet, dass ich seine Freundin werde? Auch das spüre ich. Diese Beeinflussung ist allgegenwärtig. Und es ist ein harter Prozess sich diese Mauer aufzubauen und sich dieser Emotion zu vergegenwärtigen. Ich bin kein Opfer.

Gestern war wieder so ein Moment und heute denke ich darüber nach, was ich tun kann. Ihn anzeigen? Es seiner Freundin sagen? Mir Hilfe suchen? Den Kontakt abbrechen. Das  habe ich. Diese Freundschaft, die ich geschätzt habe, weg werfen, weil das schon lange nicht mehr der Mensch ist, den ich einst geschätzt habe. Auch wenn Reste davon übrig sind und mir eine falsche Hoffnung vorgaukeln, muss ich mir bewusst machen, was er getan hat. Wieder und wieder und niemals damit aufhören wird, mich als dieses Objekt zu sehen, nicht mehr als der Mensch, der ich bin. Und das ich deswegen trinken will, um es zu vergessen, um nicht mir die Schuld zu geben, weil er einzig und allein dafür verantwortlich ist, was er getan hat. Aber wie sagt man so etwas? Ich habe mir diese Situation immer wieder und wieder bewusst gemacht, mich gezwungen wach zu bleiben und es nicht zu betäuben und zu vergessen. Individuell und schwierig, das zu erklären, was man dabei fühlt und welche Hilflosigkeit einen durchströmt. Doch diesmal habe ich mich gewehrt. Ich habe es nicht über mich ergehen lassen oder hin genommen, sondern Nein gesagt und die Hände – auch wenn es wenig Sinn machte, weil er mehr Kraft als ich hat und es wie ein schlagen gegen Beton ist –  von mir gestoßen. Noch immer klingen seine widerlichen Entschuldigungen in meinem Kopf und es fühlte sich an als würde meine Haut unter diesen Berührungen verätzen. Ich spiele die Dinge oft herunter, vielleicht sind sie nicht so schlimm, aber sie machen es zu etwas viel schlimmeren. Sie zerstören mich. Ich wurde dieses Mal ’nur‘ unsittlich berührt. Es ist dennoch eine sexuelle Straftat, wenn ich das nicht will und mich bedroht fühle. Das muss man sich täglich bewusst machen. Nichts herunter spielen und nicht glauben, dass so ein Mensch noch ein Freund sein kann, wenn er über meine Grenzen hinaus geht und mir so etwas antut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

buchstabenmagie.wordpress.com/

Magie ist, aus 26 Buchstaben Welten zu erschaffen

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.

%d Bloggern gefällt das: