Schuld und Scham

Worte die so eindringlich in mich greifen, dass sie sich wie ein Parasit festgekrallt haben und alles um sich herum mitreißen. Ich spüre es schlimmer denn je. Irgendwie wird nichts mehr besser, das Meiste wird nur noch schlechter und schwerer zu ertragen, die Gedanken, Gefühle und Probleme sammeln sich wie in einem alten rostigen Topf in dem schon bereits genug Müll angesammelt wurde. Es ist schwer Berührungen zu genießen, der Körper spannt sich an und fühlt sich hart wie lebloser Stein an. Es fällt auch schwer frei in Gegenwart von anderen Seelen zu sein gleich auf welche Weise. Irgendetwas zu tun das aus dem Rahmen fällt ist gar unmöglich. Angespanntheit schnürt mich ein. Meine Glieder fühlen sich an als wären sie in Beton zementiert. Ich kann mich kaum bewegen und manche Dinge, die mir widerstreben, lasse ich einfach geschehen, weil ich mich nicht wehren kann, weil ich nicht die Stärke habe mich zu verteidigen. Ich glaube immer noch, ich kann nicht kaputter werden als ich es bereits bin. Aber man kann  immer noch mehr zerstören, es gibt genug was einem Menschen schaden kann. Doch mein Ziel soll sein, dass ich mich wohlfühle. In mir und mit diesem Körper. Es gibt zu viele Baustellen und zu viel erlebter Mist als dass es einfach werden könnte, vor allem wenn ich vor den Gefühlen weglaufe und vor den Schwierigkeiten halt mache und umkehre. Ich fühle mich schwach und instabil, viel zu sensibel für eine so harte Welt wie diese, die durch all die momentanen Umstände nur noch kälter und rauer geworden ist, um das irgendwie zu ertragen, wo selbst die gesunden und starken Menschen krank werden.

Ich war heute auch nicht sehr nett, als ich von einer Kassierin ziemlich bissig und überheblich angemacht wurde, weil ich keinen Wagen dabei hatte, weil es keinen mehr gab – und ja, mag es falsch sein, ist das kein Grund auf jemand anderen herum zu hacken, weil ich finde, das man das auch netter sagen kann. Also habe ich zurückgefeuert, statt still zu bleiben. Habe ihr gesagt, dass ich auch nur ein Mensch bin – obwohl ich ihr am liebsten andere Dinge gezeigt hätte, die man nicht sagen nur fühlen kann, all den Schmerz sollte sie spüren, den sie damit auslöst – und ich auch einen schlechten Tag habe (und das schon sehr lange). Worauf sie meinte, sie habe keinen schlechten Tag und ich antwortete, dass meiner nicht so toll war. Und als sie mir mit diesem Unterton einen schönen Tag wünschte habe ich ihr geantwortet: „Geschenkt, den haben Sie mir verdorben.“ Anschließend hat sie sich mit einer Kundin hinter mir das Maul zerrissen. Das tat weh und ich habe mächtig gezittert und musste mich erst einmal auf eine Bank hinsetzen und beruhigen. Kleinigkeiten wie diese, die mich völlig aus der Bahn werfen und mir zeigen wie schwach und bescheuert ich bin, wie kaputt und unwürdig für ein Leben wie dieses. Wie in einer Welt leben, in der sich jeder der nächste ist – einschließlich mir? Wie überleben, wenn das Gute stirbt und Menschlichkeit keinen Platz mehr hat? Will man in so einer Welt wirklich noch leben? Wo Hoffnung immer kleiner wird, obwohl man sich so vehement daran krallt und versucht etwas anderes zu sehen als diese Hässlichkeit.

Konfrontation sagt die eine Instanz und die andere, dass man die Mauer in die ich mich schützend verpackt habe, langsam und Stein für Stein abtragen muss, damit ich überhaupt noch irgendjemanden an mich heran lassen kann. Aber etwas fehlt und ich vermisse meine beste Freundin und kann ihr im gleichen Atemzug nicht vergeben. Auch wenn sie an allen Ecken und Kanten fehlt und ich sie brauche, kann ich dem Wunsch nicht nachgeben, weil es immer wieder an den gleichen Punkten scheitern wird. Wir werden scheitern und ich kann nicht mehr kämpfen und ich kann niemanden mehr so nahe lassen, wie sie. Hier und da schleicht sie sich in Träume und ich versuche ihnen zu folgen, aber am Ende des Weges finde ich nichts mehr.

 

Lina Maly – Immer immer wieder

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