Versager

Gegen die Sucht eines anderen Menschen kam und komme ich niemals an. Ich werde niemals Platz 1 für ihn sein, wenn eine Sucht im Weg steht. Für den Süchtigen wird immer seine Abhängigkeit die Nummer eins im Leben sein. Nichts kann dieses berauschende Gefühl jemals verdrängen oder ersetzen. Ich habe verloren. Das ist Fakt. Ich kann nicht kämpfen, wenn meine Kraft nicht mal für meine eigenen Kämpfe reicht und ich am Boden liege. Diese Nüchternheit mit der mir diese Wahrheit klar wird, lässt mich umso hilfloser und einsamer zurück. Dafür gibt es kein Mittel und nichts das ich tun kann. Egal wie viel ich jemals geben, zeigen und lieben würde. Ich reiche nicht aus. Ich werde niemals genug sein. Ich bin kein Heroin, kein LSD, kein Nikotin, kein Alkohol. Ich kann mit meinen verkrüppelten Händen das Zentrum im Gehirn nicht erreichen, in dem diese Süchte ihre Finger im Spiel haben. Und dieser Schmerz ist schlimmer als jede Wunde, die man mir zufügen kann. Die Gewissheit, niemals auszureichen, immer zu wenig zu sein und nur die zweite Nummer zu sein, ist leidvoll. Wie lange also kann ich das noch schaffen? Wie lange kämpfen? Wie lange weiter machen? Dieses Leiden wird nicht aufhören. Es wird nur immer so weiter gehen. Nacht für Nacht liege ich wach, weine mich in den Schlaf und bin unfähig mich zu besänftigen. Es tut mittlerweile so weh, dass selbst eine Klinge in meinem Bauch, weniger wehtun würde. Als würde es meine Innereien zerreißen und es gibt kein Pflaster, das diesen Schmerz jemals abdecken kann. Ich bin erschöpft und müde und zu stolz um aufzugeben. Zuzugeben, dass ich wieder versagt habe.

 

Geschlossene Gesellschaft

Das haben die anderen gut drauf. Türen zu schließen und für immer geschlossen zu halten. Ich war immer auf der anderen Seite, hatte nie einen Schlüssel oder eine Einladung.

Ich habe das nie gelernt. Es bleibt immer ein Spalt breit auf. Ein Schlitz, durch den man sehen kann. Aber das ist nicht gut. Ich muss die Türen allmählich lernen ganz zu schließen und die Schlüssel weg zu werfen. So vieles in meinem Kopf das längst verloren ist. Meine Kraft reicht heute nicht einmal aus um aufzustehen. Mir tut noch immer alles weh. Ich gehe mit gesenktem Haupt durch die Straßen und alles fühlt sich unheimlich schwer an, als könnte mich ein einzig kleiner Windstoß von den Füßen reißen. Selbst der Löwe bemerkt meine Schwäche und ich bringe heute nichts zustande. Kann nicht einmal eine Minute für ihn lächeln. In meiner Kehle ist ein Kloß. Mein Körper ist eine einzige Wunde. Meine Gedanken die Hölle. Mir geht alles zu nahe und zu tief und ich kann mich nicht dagegen wehren. Kann nicht einfach stark sein und aufhören zu weinen oder zu leiden oder das alles hier weh tut. Es geht einfach so weiter, Tag für Tag. Und ich hoffe darauf, dass es irgendwann aufhört, auch wenn die Hoffnung immer schwindender wird.

 

FINNEAS – I Lost A Friend

 

D: Niemand sollte mir beim Leben zusehen.

Löwe: Aber ich darf es.

D: Es ist ein hässliches Drama.

Löwe: Wir können selbst entscheiden was es wird.

Kämpfe

Einen Tag nicht bewegt und alles tut weh. Abgelenkt mit Skyrim, aber das ist nur kurzfristig und tut genauso weh. Ich existiere nur noch durch Schmerztabletten und betäubende Medikamente. Nichts fühlt sich davon gut an. Alles wird nur weg gedrückt, das dann immer näher rückt. Nichts davon wird besser. Nichts gibt mir das Leben zurück, dass ich verschwende und versäume. Überall der Druck, du musst dies und jenes tun, abhauen, raus gehen, dich bewegen und etwas erleben. Überall diese netten Ratschläge, doch in mir verkrampft sich alles und zieht sich zusammen. Es ist schwer einfach mal zu kochen, schwer einfach Sushi zu machen oder raus zu gehen, wenn selbst atmen schwer fällt. Der Wunsch bleibt im Gedanken stecken, dass ich einfach den nächsten Zug in die nächste Stadt nehme, weil die Angst und Mutlosigkeit so groß wie baumhohe Monster sind, die mit ihren rankigen Fingern nach mir greifen und mich festhalten. Ich kann mich nicht bewegen. Ich sehe die Zeit an mir vorbeischlittern und kann sie nicht aufhalten. Die Tabletten die mich Nachts komatös schlafen lassen, bringen genickbrechende Träume mit sich und über den Tag nehmen sie mir die Fähigkeit irgendwas bewusst wahr zu nehmen. Sie nehmen auch jegliche Gefühle der Freude, das was bleibt sind die erstickenden Tränen und der Schmerz, der meine Kehle und Körper zerdrückt. Die Gedanken bleiben und nichts kann sie verschlingen oder tilgen. Sie sind es letztendlich die mich in die Knie zwingen und das jeden Morgen aufs neue. Ich kämpfe noch immer und jedes Mal frage ich mich wie ich das aushalte und noch hier sein kann. Dieser Körper und Geist ist in einem dauerhaften Zustand der Anstrengung, Anspannung und des Ankämpfens gegen die dunklen Dämonen, die hier und da gewinnen. Aufgeben ist schwerer als weiter zu machen. Das macht mich zu einer feigen Person.

Ursine Vulpine – Do You Realize

Sandberge

„Verwandle Angst in etwas anderes“ Sagst du mir und gräbst mit deinen Händen Sandberge an den Strand. An meinem Blick erkennst du, dass ich dich nicht verstehe.
„Ich hatte große Angst vor dem Meer, ehe es mich gebannt hat“ Ich sehe dich ungläubig an. „Wirklich, so war es“
Du begräbst meine Füße unter Sand. Die kleinen Sandkörner sind wie der Hauch deiner Berührung.
„Dann hab ich mir vorgestellt, die ungeheuerliche Tiefe des Meeres, in die man nicht blicken konnte, wäre die liebevolle Umarmung der See, die mich beschützt und aufnimmt. Das ist viel weniger angsterregend und gibt mir sogar das Gefühl der Sicherheit.“ Jetzt streichelst du mit dem Daumen meinen Fußrücken und ich schaudere.
„Was ist mit der Angst dich zu verlieren, in was kann ich die verwandeln?“ Dein Kopf fällt an meine Seite.
„Es gibt Ängste die du nicht verwandeln kannst, diese Ängste sagen dir, dass du den Moment auskosten sollst. Solange diese Ängste da sind, hast du es nicht richtig gemacht.“ Nun spielst du mit meinen Fingern. Bewegst die einzelnen Glieder und schiebst sie unter den Sand zusammen mit deiner Hand..
„Außerdem verlierst du mich nicht.“

*

„Ich habe Dinge getan… Dinge auf die du nicht stolz wärst.“ Ein schluchzen meiner Hilflosigkeit. Doch du lehnst dich vor und siehst mir in die Augen, streifst meine Haut. „Diese Dinge mussten getan werden. Du musstest sie kennen lernen um dich selbst zu kennen.“ Dein Atem berührt mich, deine Worte fassen mich an. „Ich habe nach dir gesucht-“ Ich wische mir die Tränen von den Wangen, während ich dich anschaue und weiß, dass du bald wieder verschwinden wirst. „Ich habe dich in den Händen eines anderen gesucht, ich habe dich auf den Lippen des anderen gesucht, in seinem Schoß, auf seiner Haut, überall… nur in seinem Kopf war ein Fremder.“ Du wendest dich ab und drehst dich um. In meinem Herzen höre ich ein knacken, als die Scherben brechen. Bis ich verstehe, dass diese Scherben du sind. Irgendwann klebe ich dich wieder zusammen, irgendwann finde ich dich. Ich werde deine Hände berühren, deine Lippen küssen und an deinen Körper lehnen, wissen, dass sich all der Schmerz gelohnt hat, all die Wunden, einen Zweck hatten um weiter zu machen, um dich gefunden zu haben.

Das Schlachtfeld

Das Schlachtfeld ist eine graue äscherne Fläche mit aufgerissenem Erdboden und in der Luft hängt der Rauch schwer wie Blei. Nur hellgelb glühende Explosionen schreien in der Umgebung auf. Einem Donner folgend. Meine Augen zucken umher und meine Hände legen sich fest um meinen Kopf, drücken auf die Ohren um nichts hören zu müssen. Du tauchst vor mir auf und ich sage: „Ich bin nicht so wichtig. Ich bin bedeutungslos.“ Und ich gestikuliere um meine Worte zu bekräftigen, dass du gehen sollst. Du legst deinen mantel um mich. Er ist Pechschwarz. Du drückst mich an dich während du mir über den Kopf streichst und sanft sprichst. „Du bist wichtig. In dieser Welt bist du alles was sie zusammenhält und alles was wir haben und alles was wir brauchen.“ Langsam beruhige ich mich und mein Atem wird stiller, wo er vor einem Moment noch ganz aufgebracht war. Du verwehrst mir den Blick auf die Schlacht und es scheint auch so als würde deine körperliche Ausstrahlung alle Sinne auf sich lenken. „Sie werden immer für dich kämpfen.“ Kommentierst du den hinter dir stattfindenden Gefecht und langsam sehe ich zu dir auf. Du trägst eine weiße Maske, weil du weißt, dass es besser ist, dich nicht zu sehen. Die Kämpfe haben meine Erinnerung zerrissen. Doch ich würde dich immer erkennen, egal in welcher Gestalt und mit welchem Gesicht. Durch die Schlitze der Maske sehe ich deinen Blick, der sich auf mich richtet. Plötzlich spüre ich wie meine Füße vom Boden verschlungen werden und Ranken mit spitzen Dornen winden sich um meinen Körper. Alle sind fort. Du bist verschwunden. Zurück bleibt ein Nebel der mich verschlingt.

Baue auf und reiße nieder, dann hast du Arbeit immer wieder.

Meine Mutter sagte oft zu mir, dass ich etwas richtig toll aufbaue und dann im nächsten Augenblick mit dem Ellbogen einreiße. Ich habe etwas gut gemacht und dann plötzlich mit einer Sache, mache ich alles falsch und kaputt. Etwas, dass sich durch mein ganzes Leben zieht. Ich baue fantastische Freundschaften und Beziehungen auf. Sie beginnen fantastisch und enden desaströs. Ich finde die besten Menschen unter Menschen, wahre Schätze, Wunderkinder und ich sehe das Glück nicht, sie um mich zu haben, an meiner Seite und irgendwann, aus einem unerfindlichen Grund zerstöre ich alles. Lasse sie los, falle und reiße alle Mauern ein. Vielleicht ist mir langweilig, vielleicht fehlt mir etwas oder es ist die allgemeine Unzufriedenheit die ich von meiner Mutter bekommen habe und weiterführe, ich kann es nicht sagen und rede mir ein, es ist doch alles gut so wie es ist, obwohl nichts gut ist und alles nur noch ein großer Haufen Scheiße. Mag sein, dass ich einfach nur weggelaufen bin oder den einfachen Weg ging, weil ich keinen anderen gesehen habe. Es ist wie es ist. So viel Vergangenheit haftet mir an, dass ich die Gegenwart nicht mehr meistern kann.

Heute habe ich mir zwei Tage Auszeit gegönnt, aber es ist schwer wieder Fuß zu fassen oder sich etwas Gutes zutun, wenn man nicht weiß, was das ist und wie das geht. Ich habe geschlafen, der Klempner hat meinen Wasserhahn ausgetauscht,  es geht voran, hier sieht es besser aus. Der Balkon ist schön, die Wohnung ist hübsch, das Bad ist jetzt auch hergerichtet und perfekt. Ich habe alles und ich fühle nichts außer diesem Mist, das meinen Brustkorb aufreißt und jeden Millimeter meines Körpers mit Schmerz füllt, jede Zelle schreit in mir. Obwohl mir all das Gute passiert und alles gelingt, kann ich nichts positives fühlen. Ich kämpfe und ich bin verdammt müde. Es ist der selbe Kampf wie immer, gegen mich und meine Gefühle, gegen jeden Gedanken, der die Welt in Stücke schlägt. Ich kämpfe die ganze Zeit.

In meinem Kopf so viele Wege und Dimensionen und ich lebe in dieser hier, ausgerechnet hier, wo alles zerstört ist und es kein Weg zurück gibt und auch nicht nach vorn geht.

The Green Mile – Ich bin müde, Boss

Lebensmüde

Diese Tage werden nur noch anstrengender. Jeden Morgen wenn ich aufwache, will ich liegen bleiben und zurück in diese taube leere Welt des Schlafen und Träumens.

Ich habe an die Zeit zurück gedacht, in der es mich für wenige Tage nicht mehr gab. In der ich es beinahe geschafft habe und das Gefühl setzt sich zusammen aus Bedauern und Sehnsucht. Bedauern, dass ich irgendwann wieder wach war und Sehnsucht in diesen Zustand zurück zu kehren, in dem es keinen Gedanken und keine Gefühle gab, in dem einfach gar nichts war. Bloßes Vergessen und kein Leid, keine Anstrengung, gar nichts. Etwas, das sich in diesen Tagen besser anfühlt, als der gegenwärtige Ist-Zustand, in dem ich vor mich hin vegetiere. Irgendwie überstehe ich die Tage, irgendwie geht es immer weiter, aber ich würde es nicht mehr als Leben bezeichnen. Es ist einfach nicht mehr lebenswert nur noch Dreck und Müll, den man vergessen hat wegzuwerfen.

An manchen Tagen dann, überfluten mich meine Emotionen und zerstören mich vollkommen. Ich bin außer mir in mir und alles ist zu viel. Und an anderen vermisse ich jene Gefühle die mich auch mit einem Menschen verbinden, dann bin ich leer und es fehlt etwas. Auch fällt es schwer ständig gegen diese Gedanken anzukämpfen die mich martern. Wie ein Gewicht, legen sie sich auf meinen Körper und meine Seele. Es ist ein täglicher Kampf und ich sehe kein Ende für diesen Kampf außer darin einfach aufzugeben, aufzuhören zu kämpfen und in die Stille zu sinken.

Mir fehlt es mehr zu fühlen als diese Scheiße. Mehr zu sehen als dieses Schwarz. Mehr zu sein als dieses tote Ding. Ich weiß, dass ich nicht nichts bin, aber es reicht nicht aus. Das was ich bin, ist nichts mehr wert.

Mantus – keine Liebe

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.