Brief an L

…hier ist ein Brief, aber ich weiß nicht was er am Ende mit dir macht, weil ich einfach drauf los schreiben werde.
Zurzeit geht es mir wieder schlechter, wie du sicherlich unlängst bemerkt haben wirst. Die Phase erstreckt sich mittlerweile schon einige Monate, wenn nicht sogar über ein Jahr. Es hat schon damit angefangen, dass ich mich mit S gestritten habe und wir nun getrennte Wege gehen. Es wurde leider nur bedingt besser. Und dann immer dunkler. Anfang des Jahres, mitten in der Corona-Krise, war ich auch im Krankenhaus, aber auch dort gab es nicht viel Hilfe seitens der Ärzte und Experten. Alles fühlt sich sehr grau und hilflos an. Vermehrt treten bei mir Nervenzusammenbrüche auf. Fast jeden Tag. Und ich weiß nicht weiter. Nicht wie ich die Ausbildung schaffen soll noch die Beziehung. Es fühlt sich an, als wäre ich ein kleines Kind, das nicht weiß was es auf der Welt macht und von allen verlassen wurde. Ich habe meinen Sinn verloren und ich weiß nicht was mir die Zukunft bringt. Besser gesagt, ich habe Angst vor der Zukunft. Meine Vergangenheit holt mich jeden Tag ein und macht es schwieriger voran zu kommen. Das Aufstehen und weiter machen fällt sehr schwer. Trotz all dieser Hürden kämpfe ich. Leider sehen das nicht sehr viele und es gibt auch kein Applaus und keine Anerkennung dafür. Ich kämpfe, jeden Tag so gut ich kann. Ich mache weiter, obwohl ich gar nicht richtig weiß warum. Ich versuche immer ein paar Highlights am Tag zu finden. Zu Lächeln und auch die schönen Aspekte zu erkennen. Der Sonnenuntergang, ein Regenbogen, die Katze die ich streicheln darf, einen liebevollen Freund der an meiner Seite ist, das leckere Essen, einen Moment Ruhe, ein schönes Gespräch, Freunde die an mich denken. Trotz aller Hürden kratze ich die kleinen Glücksmomente zusammen. Ich versuche das Gute zu sehen und das Lebenswerte. Aber es fällt mir mit jedem Tag schwerer und am Abend ist es am schlimmsten. Manchmal fühlt es sich so an, als wäre ich ganz allein auf der Welt und es gibt niemanden, der mir helfen kann. Niemand der da ist. Obwohl so viele Menschen für mich da sind und helfen wollen. Das ist das Schlimmste, dass es dich glauben macht, du wärst ganz allein und alles ist sinnlos und jeder hasst dich. Es flüstert dir ein, du wärst wertlos und das du deine Freunde nicht in diese Misere ziehen sollst. Niemand sollte das hier erleben, was ich durchmache. Ich bin allein. Allein mit den Gedanken und Gefühlen. Genau so fühlt es sich an und es gibt dir allein die Schuld daran. Dann schotte ich mich ab und werde noch einsamer und manchmal wird es so schlimm, dass ich nicht mehr Leben will. Das ist furchtbar. Ein Mensch, der nicht mehr Leben will… der sein Leben einfach wegwerfen will, weil es zu leidvoll ist. Dabei ist man nicht dafür gemacht zu leiden und unglücklich zu sein. Das Leben soll schön sein und man sollte alle Freude und alles Glück erleben. Was habe ich falsch gemacht? Wo bin ich falsch abgebogen?

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