7. Schaltjahr

„In Schaltjahren sollten keine Häuser gebaut oder Ehen geschlossen werden. Kinder, die ihren Geburtstag nur alle vier Jahre feiern können, werden von Geistern heimgesucht. Denn Schaltjahre sind Katastrophenjahre – so lautet zumindest der Aberglaube.“


In diesem Jahr ist alles anders. Jeder wird mir beipflichten und doch meine ich nicht dieses Virus oder die Zustände die um die Welt kreisen. Meine innere Welt hat sich verändert. Am Anfang des Jahres war es so dunkel, als gäbe es kein Licht mehr. Zwei ernst zu nehmende Selbstmordversuche in diesem Jahr, Selbstverletzungen auf allen Ebenen und mindestens 3 Monate Krankenhausaufenthalt um zu verstehen, dass mir dort nicht mehr geholfen werden kann, weil ich es selbst in die Hand nehmen muss, statt anderen ihre Hand zu nehmen und mich führen zu lassen. In der Dunkelheit kann man kein Licht sehen und im Mai habe ich geglaubt in sicheren und schützenden Händen zu sein, jemand der an meiner Seite bleibt, länger als ein paar Monate, und ich habe mich gewehrt genauer hinzusehen aus Trotz und Stolz wollte ich nicht aufgeben, habe alles gegeben, hätte mein Leben gegeben bis ich es wieder mit zu vielen Tabletten übertrieben habe und einfach verlassen wurde in einer Zeit, in der ich einen Menschen an meiner Seite mehr als alles andere gebraucht hätte. Sie wollten dass ich weiter ins Krankenhaus gehe, weiter Therapie mache, weil sie nichts anderes kennen. Aber ich entschied mich für etwas Neues und habe das alles selbstständig geschafft und auf die Reihe bekommen. Im September bis November war ich innerlich fast so tot, dass ich nicht mehr wusste wie es weiter gehen soll. Ab November lichtete sich der finstre Himmel, der mich bis dahin begleitet hat. Ich sehe Sonne, ich fühle den Wind, ich spüre mein eigenes Licht, auch wenn es nur ein kleiner Splitter ist. Am Ende diesen Jahres erkenne ich, dass es mir nach sehr langer Zeit endlich wieder gut geht. Dass ich nicht mehr lügen muss, dass ich nichts ertragen muss, was ich nicht will und das ich ehrlich sagen kann: „Es geht mir gut.“
Ich habe Menschen verteufelt, verflucht und die geballte Wut wie den tiefsten Grund der Verzweiflung gespürt. Ich habe meinen Glauben und das Vertrauen verloren. Ein schwarzes und klaffendes Loch war in meiner Brust, das mir das größte Leid gezeigt hat, das ein Mensch empfinden kann, aber auch, dass ich dort nicht zurück möchte und mich davor bewahre. Ich habe gelernt sanft und geduldig los zu lassen, die Zeit zu meiner Verbündeten zu machen, statt gegen sie zu arbeiten. Es hat letztendlich alles seinen Grund und seine Bestimmung. Ebenso weiß ich, dass ich nicht wertlos bin und dass mein Licht scheinen wird, das manche es erkennen und manche eben nicht, aber ich niemanden etwas beweisen muss und nichts erzwingen kann. Das die Welt so seltsam gestrickt ist, es letztendlich aber nicht darauf ankommt andere zu beeindrucken oder sich zu vergleichen, sondern zu fühlen, das man gut ist und Gutes tun kann. Auch wenn man sich oft selbst daran erinnern muss oder es vergisst.
Trotz das ich noch wanke, hinfalle und kriechen muss, geht es weiter. Das ist es, was ich von Anfang an gelernt habe. Es geht immer weiter, egal wie und egal unter welchen Umständen. Langsam begreife ich, dass ich einen Teil davon selbst in der Hand habe, auch wenn es sich oft so anfühlt, als wären mir die Hände gebunden. Geduld und Hoffnung helfen mir weiter zu gehen und ein bisschen Aufregung und Neugierde ist auch dabei, das neue Jahr zu begrüßen. Egal wie es wird und auch wenn ein wenig Angst dabei ist: Es geht weiter.

Amarante – into the dark

Es geht mir gut

Wer mich kennt weiß, dass mir diese Worte nie leicht gefallen sind, ich sie entweder vorgaukle oder gar nicht erst sage, weil ich nicht lügen möchte. Aber seit ein paar Tagen fühlt es sich so an. Es geht mir gut, dass habe ich heute sehr oft gesagt. Zwar mit einer leichten Skepsis und großer Achtung, aber mit Wahrheit im Herzen. Nach so vielen Jahren, in denen ich das nicht mehr sagen konnte, weil jeder Tag mehr schlecht als recht war, wo jeder Tag ein Kampf und Qual zugleich war, kann ich heute sagen, dass es mir gut geht. Vielleicht nur gestern und heute. Vielleicht nur diese zwei Tage. Doch sehe ich darin Hoffnung und Licht, wie ich es zuvor nie gesehen habe, nicht sehen konnte, weil die Dunkelheit in jeder Faser steckte. Natürlich zucken hier und da Zweifel auf und nicht alles ist perfekt, es ist auch nicht so, dass ich keine Probleme oder Schwierigkeiten hätte und sich alles in Wohlgefallen auflöst, aber das mindert dieses Gefühl nicht, dass ich habe und das sich mal gut anfühlt und nicht wie Scheiße und Schläge auf das Herz selbst. Es geht mir gut.

a thing about life.

Es gibt keine Gerechtigkeit

Man kann nicht von Gerechtigkeit sprechen, wenn es um den Menschen geht. Nichts was der Mensch tut ist gerecht. Gerechtigkeit ist logisch. Der Mensch und seine Handlungen sind aber größtenteils nicht logisch sondern emotional. Emotionen kennen ihre eigene Gerechtigkeit und meist ist diese subjektiv. Wie also kann sich der Mensch anmaßen gerecht zu sein und zu richten? Wenn der Mensch selbst weit davon entfernt ist jemals fair zu handeln.

In dieser Hinsicht fällt es leichter die Entscheidungen des Einzelnen zu verstehen. Zu verstehen warum der beste Freund nichts bezahlen muss und ein Bekannter bezahlt. Warum manche scheinbar bestraft werden, während andere glimpflich aus der Sache heraus kommen. Subjektive Entscheidungen mit dem Hintergrund der Gerechtigkeit ist den wenigsten bewusst. Sie handeln intuitiv und wie es ihnen am besten passt und wobei sie weniger ein schlechtes Gewissen haben oder erst gar nicht länger darüber nachdenken müssen. Nichts davon hat mit Gerechtigkeit zutun obwohl jeder Mensch nach Gerechtigkeit strebt. Sie übersehen, dass sie selbst in vielen Momenten ungerecht gehandelt haben, weil man nicht ändern kann, wer und was man ist und weil die Menschen sich ein Bild von der Gerechtigkeit geschaffen haben, an die niemals ein Mensch herankommt. Gerechtigkeit ist ein Utopie, gleich einem Gott ohne Gewissen.

Es gibt kein vertrauensvolles Band

Vertrauen ist katalogisierbar. Man vertraut Menschen nur bis zu einem bestimmten Grad und in bestimmten Dingen und zu bestimmten Zeiten. Die Freunde die man hat, denen vertraut man nur bis zu einem bestimmten Punkt und ihnen erzählt man nur einen Teil der ganzen Last die man mit sich herum trägt. Anderen vertraut man, dass sie einem niemals wehtun, bis man vom Gegenteil überzeugt wird. Vertrauen ist ein zweischneidiges Schwert, die Pistole, die der Freund dir gegen den Schädel hält und dessen Entscheidung es ist, abzudrücken oder nicht. Irgendwann aber wird er den Abzug betätigen, weil die Verlockung zu groß ist und die Gefahr überall lauert. Gefühle ändern sich so leicht und lassen sich leicht täuschen. Vertrauen gibt es schlichtweg nicht mehr und das Ideal welches man sich darauf aufgebaut hat ist nur eine Illusion. Niemand vertraut irgendwem, wir müssen lediglich die Tatsachen akzeptieren. Oder vertraust du wirklich einem Arzt auch wenn er weiß was er tut und wenn er deinen Körper aufschneidet um dich zu heilen? Das ist kein vertrauen. Man legt sein Leben mutwillig in die Hände eines anderen Menschen, weil man das so gelernt hat von der Gesellschaft. Und auch ich verberge den größten Teil von mir vor der Welt und vor den Menschen, weil ich ihnen nicht mehr vertraue und nicht mehr vertrauen kann.

Und immer spüre ich diesen bitteren ekligen Geschmack wenn ich zu viel Preis gegeben habe, das absolut nichts ändern wird. Vertrauen ist Hoffnung, aber weder das eine noch dem anderen gebe ich mich hin. Vertrauen verteilt man in Portionen und dennoch reicht es niemals ganz aus und ständig ist es zu viel. Das Leben beweist immer wieder, dass es kein Vertrauen gibt und beständig etwas anderes auftaucht welches es zerstört. Auch Vertrauen ist bloß ein Konstrukt aus einer fantastischen Blase der Einbildung um die Dinge zu erklären, die man vielleicht fühlen mag, aber nie mit der Realität übereinstimmen. Vertrauen ist ein anderes Wort für Dummheit.

Marek Iwaszkiewicz – a miserable Heart

I’m not like the others

Der traurigste und schmerzhafteste Gedanke den ich kenne.

Ich bin nicht wie ihr. Dieser Satz geht mir hunderte Male am Tag durch den Kopf. Ich bin weder so gut, noch so klug, noch so menschlich wie all die anderen in meinem Umfeld. Es ist als würde mir ein essentieller Teil dazu fehlen. Als wäre mir etwas nicht mit auf dem Weg des Menschseins mitgegeben. Ich wurde einfach vergessen oder übersprungen. Immer fühle ich mich wie jemand anderes, wie jemand, der nicht hierher passt und in keine Gruppe. Ein Außenseiter außerhalb der Außenseiter. Nicht einmal damit kann ich mich brüsten. Ich bin so anders, das es wehtut. Es gibt keine Gleichung, keine Ähnlichkeiten. Manchmal ist es so schlimm, dass ich mich wie ein Alien fühle. Wie können sie sich alle so gut anpassen? Weiter machen? Sein wie sie sind? Mit dieser Einfachheit, während mir alles andere schwer fällt. Es fällt mir schwer mich einfach mit Leuten zu unterhalten, es fällt mir schwer schon allein bei fremden Leuten sein zu müssen, es fällt schwer bei ihnen zu sein, es fällt mir schwer Freunde zu finden oder einfach nur Bekannte, es fällt sogar noch schwerer mich irgendwie in einer Gruppe zurecht zu finden, einzufinden. Vor allem fällt es mir schwer jemand zu sein. Ich bin ein Niemand. Ich kann mich weder hervorheben noch durchsetzen. Ich bin still und ich möchte manchmal nicht reden und nichts müssen. Selbst auf virtuellen Servern fällt es mir verdammt schwer mich mit anderen anzufreunden oder mit diesen Leuten zu kommunizieren. Ich weiß nicht wie ich es bisher geschafft habe und ich verstehe auch nicht, warum man mich überhaupt zu seinen Freunden zählt, wenn ich an mir das Schlechteste sehe.

Heute war ohnehin einer dieser Wegwerftage die für die Tonne sind. Von keinem Menschen erwarte ich so viel wie von mir selbst. Niemanden mache ich so fertig, wie mich selbst. Keiner muss sich so viele Beleidigungen anhören wie ich von mir. Obendrein empfinde ich alles in meiner Umgebung viel zu intensiv, sodass ich davon völlig überfordert bin. Sie sagen, dass ich eine Menge aushalten muss, dass ich stark bin, weil ich das alles aushalte. Aber manchmal halte ich es eben nicht aus. Außerdem habe ich keine andere Wahl, das ist die traurige Wahrheit.

Mortal Love – Hate to Feel

Einzelteilchen

»Neulich habe ich dir von dem größten Geheimnis der Magie erzählt: vom Anderen Teil. Jedes Leben eines Menschen auf der Erde besteht letztlich in der Suche nach dem Anderen Teil. Es ist gleichgültig, ob der Mensch vordergründig hinter Wissen, Geld oder Macht her ist. Was immer er auch erreicht, er wird unvollständig sein, solange er nicht seinen Anderen Teil gefunden hat.«*

Es gibt den Glaube, dass kein Mensch allein auf dieser Welt ist. Jeder hat einen anderen Teil auf dieser Welt, manchmal sind es mehr als nur einer. Zu jedem gehört jemand oder mehr. Im Leben begegnet man vielen solcher Teile, die zueinander gehören. Die zu einem gehören. Bei der Inkarnation teilen wir uns, sodass es mehr Seelen auf der Welt gibt (Überbevölkerung). Dadurch gibt es nicht immer nur einen Teil, sondern mehrere. Manche erkennen einander und bleiben, andere wiederum sind nur eine gewisse Zeit da und ziehen dann weiter. Man erkennt seinen anderen Teil an einem leuchten hinter der linken Schulter. Dazu gehört aber mehr als bloßer Glaube. Es tröstet ein wenig, wenn dies wahr sein sollte, dass man nicht ganz allein ist. Jedoch vermute ich, dass ich mich nie geteilt habe und somit auch nie meinen anderen Teil begegnen kann. Ich bin ein Einzelteil. Im Moment glaube ich eher daran, dass ich verdammt bin und nur diejenigen anlocke und einen Platz gebe, die mir nachhaltig schaden und die all das Komplizierte umso komplizierter machen. Der andere Teil ist gut, freundlich und nicht kompliziert. Nichts wird schwerer gemacht.

»Aber woran erkennt man den Mann oder die Frau seines Lebens?«, fragte Brida.
»Du musst etwas riskieren«, war die Antwort.
»Dabei wirst du oft scheitern, du wirst enttäuscht werden, desillusioniert. Aber wenn du nie aufhörst, nach deiner Liebe zu suchen, wirst du sie am Ende finden.«*

Beim lesen dieser Einfachheit, die den Texten anhaftet, musste ich bitterlich weinen. Nein, ich bin noch nicht darüber hinweg, ich habe es noch immer nicht geschafft und alles ist schrecklich und fühlt sich wie ein schwerer Verrat und Verlust gleichermaßen an. Als hätte man mir mehr als nur mein Herz genommen, auch meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen. Es ist alles vernichtet und tut weh. Die Welt färbt sich in düsteren Farben um mich her. Mag die Sonne auch scheinen und alles gut laufen, erkenne ich kein Licht, weil es mir genommen wurde. Und ich komme nicht raus aus dieser Dunkelheit, denn das ist alles was er hinterlassen hat. Ich hatte so sehr gehofft und geglaubt meinen anderen Teil gefunden zu haben. Habe mich so sehr darauf versteift, dass ich nicht mitbekommen habe, wie es mich zerstörte. Vielleicht habe ich mich geirrt. Womöglich habe ich Recht, wenn ich der Annahme bin, dass es keinen anderen Teil für mich gibt. Hätte er mich nicht längst gefunden? Doch jetzt fühlt es sich an, als wäre ich allein besser dran. Keinen Moment kann ich an etwas anderes denken, als an die umklammernde Einsamkeit – das einzige das immer sicher war. Sie ist kalt und hoffnungslos, sie kann niemals enttäuschen.

»Wenn wir mit jemandem im Bett sind, dann geben wir diesem Menschen nicht nur die Erlaubnis, mit unserem Körper, sondern mit unserer ganzen Persönlichkeit eins zu werden. Die reinen Kräfte des Lebens kommunizieren ganz unabhängig von uns miteinander, und wir können dann nicht verbergen, wer wir sind. Gleichgültig, welches Bild wir von uns selber haben – Verkleidungen, fertige Antworten, ehrenhafte Ausflüchte gelten hier nicht.«*

* Aus dem Buch von Paolo Coelho ‚Brida‘

Klapperhorn

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