Ich hätte jemanden gebraucht

Das ist alles was es zu erzählen gibt. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir nahe ist, der mich versteht, der da ist. Einfach nur da für mich ist. Der nicht abgelenkt ist und der sich nicht ablenkt. Der mir nicht das Gefühl gibt, es sei schwer mich zu ertragen oder schwer sich auf mich zu konzentrieren. Der mir nicht das Gefühl gibt, ich wäre eine Belastung oder man müsste sich ablenken. Jemand, der mir erzählt, wenn etwas nicht stimmt, aber liebevoll und mir nicht das Gefühl gibt, mit mir wäre etwas nicht in Ordnung. Ich hätte jemanden gebraucht, den ich umarmen kann, wenn ich auseinanderfalle, den ich festhalten kann, wenn ich glaube den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich hätte jemanden gebraucht, der zu mir hält und bei mir ist, während die ganze Welt sich gegen mich verschwört. Ich hatte gedacht, ich hätte jemanden gefunden, der das kann, aber ich habe mich geirrt. Es ist immer noch schwer mich zu lieben oder irgendwas an mir so gut zu finden, dass man auch mit der allesverschlingenden Finsternis einverstanden ist und sie akzeptiert als Teil von mir. Ich hatte gedacht, jemanden gefunden zu haben, der das mit mir teilt, der bei mir ist. Aber die Wahrheit ist, ich habe mich nie einsamer, nie verlassener und nie hilfloser gefühlt als mit dir. Ich hatte gedacht es wäre anders, weil es das war. Aber ich habe mich selbst getäuscht und geglaubt, dass meine Worte genug Kraft hätten etwas zu reparieren, das gar nicht repariert werden muss.

Wir leben alle zum ersten Mal. Einige verstehen die Spielregeln sofort und andere scheitern und verlieren ständig. Ich gehöre zu letzteren. Ich habe noch immer nicht verstanden wie all das funktioniert. Ich dachte, wenn ich nur hart genug durchhalte, wenn ich kämpfe für das was wir hatten, dann wird alles wieder gut. Aber ich habe verloren. Wir haben verloren. Und ich weiß nicht, ob jemals ein Weg zusammenführt.

Ich brauche noch immer jemanden in dieser gottverlassenen Welt. Ich spüre wie ich auseinanderfalle. Ich hätte jemanden am Grab gebraucht, der mich tröstet und meine Hand hält. Ich brauche jetzt jemanden, der für mich da ist, der mich wieder auf die Beine bringt, etwas plant und mir zeigt, dass die Welt nicht völlig hässlich geworden ist. Aber es ist schwer, wenn ich selbst nicht so jemand sein kann. Denn vielleicht hast du auch jemanden gebraucht, jemand der dich einmal in den Arm nimmt.

Groundfold – all we had is gone

Befleckte Erinnerungen

Es dauert immer eine Zeit. Es dauert immer viel zu lang, wenn ich in diesem Moment der schmerzvollen Erinnerungen feststecke. Aber ich weiß, dass ich auch diese vergessen werde. Ob absichtlich oder nicht. Wir alle vergessen, wie auch ich und Momente mit mir vergessen wurden. Doch im Augenblick möchte ich mich nicht erinnern, weil es wehtut und weil ich dann wie gebannt die Gyoza im Aldi anstarre und daran denken muss, wie wir zusammen Gyoza gemacht haben. Mehr du als ich, aber du hast meine Hilfe gebraucht und ich war da. Ich habe deine Hilfe gebraucht, aber du warst es nicht. Ich erinnre mich hin und wieder an so viele Dinge, als wäre es nicht so lange her, sondern heute vor ein paar Stunden. Dann versuche ich das dunkle klaffende Loch in meiner Brust wieder zu stopfen. Keine Ahnung, warum es mir gerade bei dir so schwer fällt zu vergessen. Ich weiß nicht, warum es so lange braucht um irgendwie darüber hinweg zu kommen. Ich setze mich selbst unter Druck, aber Gefühle haben kein Verfallsdatum. Ich brauche mehr Zeit. Dennoch habe ich die Ahnung, egal wie viele Tage vergehen, dass es niemals verschwinden wird, dieses klamme Gefühl unter der Haut. Das da immer etwas fehlen wird, dass durch dich verschwunden ist. Eine Unvollständigkeit die mit nichts ausgefüllt werden kann. Ich bin nicht leer, ich bin bedeutungslos geworden und das was ich tue ist nur ein hinauszögern, mich an eine andere Geschichte klammern, in der ich mir sage, ja, ich kann allein leben, ja ich bin allein viel besser dran. Aber die Wahrheit ist, niemand ist dafür geschaffen allein zu sein und ich kann das gut, am Besten von allen. Ob ich möchte oder nicht.

Nilu – How To Save A Life

„What if I was smiling and running into your arms.“

Es war der Genuss von Stärke, von Selbstvertrauen und dem Wegwerfen jenes ekligen Gefühls, dass die Brust eng macht und die Gedanken einschnürt und es nur noch schwarz und weiß gibt. Es gibt grau und so viele andere Farben zwischen all dem was passiert. In meinen Träumen passiert so viel und oft passierst auch du. Geht es dir gut? Die Frage ging mir heute viele Male durch den Kopf, weil es dir in meinem Traum überhaupt nicht gut ging.

Habe ich um Vergebung gebeten? Habe ich mich entschuldigt? Wurde mir vergeben? Verzeihst du mir? Obgleich die Antwort fehlt und ich nie eine erhalten werde, hoffe ich, dass es dir gut geht. Ich probiere den Hass und die dunklen Gefühle in etwas Licht zu verwandeln. Ich versuche mir ein gutes Leben für dich vorzustellen.

Auch wenn noch so viele offene Fragen zwischen uns liegen und wenn ein Teil von mir noch immer davon überzeugt ist, dir niemals vergeben zu können, besänftige ich diesen Teil. Wut und Hass hat noch niemandem geholfen. Noch wanke ich auf meinem Weg und muss viele Pausen einlegen. Nichts davon ist verarbeitet, alles kehrt wieder und die Träume weichen mir nicht aus. Dort wo ich dich umarme und fest umarmt werde, wo ich dich unter meinen Händen spüre und dennoch weine, weil ich verloren habe.

We don’t have forever.

schleichende Gegner

Manchmal habe ich das Gefühl verrückt zu werden. Dass alles was ich zuvor wollte und was ich war, sich verschiebt und all die Wünsche und Bedürfnisse einer ganz anderen Person gehören.
Von einsam auf den anderen Schlag bist du ein anderer Mensch. Einer der du nicht sein willst. Einer der alles zerstört und einer der Regenwolken zeichnet, wo vorher noch Sonne war.
Manchmal kann ich dieses Gefühl beinahe greifen, als würde ich es hinter meinen Augen ganz deutlich spüren und müsste nur danach fassen um es packen zu können. Aber dann ist es wieder fort, wie eine viel zu starke Einbildung die sich in die Wirklichkeit drängt.
In dem einen Augenblick mache ich noch lustige Sachen, kann fast lachen und die Sorgen vergessen. Bis ein stiller Moment folgt und ich in Tränen ausbreche und alles nur noch aus Schmerz besteht. Schmerz und Leid die alles mit ihrer Dunkelheit verdecken, was ich so verzweifelt versuche zu erreichen.

„Hör gut hin, Kleiner,
es gibt Weißblech, sagen sie,
es gibt die Welt,
prüfe, ob sie nicht lügen“
Ilse Aichingers

Ganz langsam dann, wandelt sich alles in eine erdrückende Leere die jeden Sinn in Sinnlosigkeit verwandelt und mir vor Augen hält, wie wenig mein Leben wert ist, während ein anderer Augenblick mir all die Momente zeigt, in denen meine Existenz einen Wert hat. In denen ich Menschen zusammenbringe, in denen ich Menschen eine Freude mache, den Sinn zurück hole und zum Lachen bringe. Irgendwas muss ich ja an mir haben, dass sie mich nicht aufgeben, nicht wegwerfen und zurück kommen. Trotz allem überwiegt der vernichtende Zweifel ob all der Glaubwürdigkeit an diesem Leben.
Ich bin verwirrt und auch die Möglichkeit einer Unmöglichkeit fühlt sich seltsam und gleichsam beruhigend an. Das jemand etwas nicht aus Böswilligkeit tut sondern um sich mir nahe zu fühlen, ist für mich nur schwer nachzuvollziehen, wenn mich meine dunklen Taten bedrängender verfolgen, als all das Gute das ich getan habe.

Alles zusammen ergibt mein Chaos im Kopf

Heute hielt ich ein Buch in der Hand mit dem Titel „Verbrenn mich danach“. Man soll seinen tiefsten Wahrheiten begegnen und keine verschlossene Tür oder dunklen Winkel in seinem Bewusstsein auslassen. Mit knallharter Wahrheit soll man diverse Fragen beantworten. Mir widerstrebt der Gedanke, dass so ein Buch so einfach zugänglich ist, mitunter für Laien, die nicht einmal eine offene Tür vor sich wahrnehmen können, geschweige denn, mit der eigenen Wahrheit klar kämen. Mir selbst fallen viele Wahrheiten über mich schwer. Dass ich noch ein Kind bin, dass ich mich oft kindlich verhalte und dass ich begehrt werden möchte. Die einfachen und simplen Wahrheiten, die gleichzeitig zutiefst menschlich sind und für die ich mich schäme. Können dann andere ihre Wahrheiten ertragen, wenn sie noch nicht einmal gegraben haben? Wenn die Tiefe mehr Schmerz als Heil birgt und wenn das wonach sie graben, nicht das ist, was sie erwarten?

Zurzeit denke ich auch viel über Kommunikation zwischen den Menschen nach und es ist so schwierig, dass es mir fast unmöglich scheint, jemals jemanden wirklich zu kennen. Man erlebt nur Bruchstücke, einzelne Punkte eines fremden Bewusstsein, das völlig anders ist. Gleich zweiter Planeten, die weder Mittel noch Fähigkeiten haben sich zu verstehen. Was sind da Worte, wenn sie mir fehlen? Was sind Worte, wenn sie sich ändern? Wenn ich etwas sage, ist es so widersprüchlich und wechselt so oft die Bedeutung. Ich habe nicht das Gefühl, dass mich jemand versteht, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich es richtig ausdrücken kann. Weder was ich fühle, noch was ich von der Welt halte. Es fehlt nicht nur an Worten, sondern an der Fähigkeit, dieses Gefühl zu übermitteln was ich damit zum Ausdruck verleihen will.
Mein Dilemma ist meine Unfähigkeit der Kommunikation und die damit verbundene Offenheit die mir fehlt. Ich lüge nicht, ich verschweige es auch nicht absichtlich. Schlichtweg fehlen mir oft die Worte oder der Mut, die Gelegenheit und der Zeitpunkt. Wie gern würde ich manchen Menschen, die mir begegnet sind so viel mehr sagen, aber selbst heute bin ich nicht dazu fähig.

Weißt du, wenn mir der Mut fehlt, wünsche ich mir einfach, dass du ihn hast, aber vor allem gehe ich ständig davon aus, dass du weißt, was in mir vorgeht, was ich mir wünsche und was ich erwarte. Aber ich lerne langsam, dass ich die Dinge auch laut aussprechen muss, damit sie gehört werden können.

Die Sache ist die, die Menschen sehen nicht mehr das Leid anderer Menschen, sie sehen nur noch sich selbst. Sie sehen ausschließlich sich selbst und fühlen sich bei jedem kleinen bisschen gleich angegriffen und verletzt ohne auf die Verletzlichkeit des Gegenübers zu achten. Sie hören bei jedem Wehklagen nur die Anklage und feuern zurück. Sie atmen nicht durch und denken nicht nach. Sie schauen weg und spucken zurück, statt ihren Atem für etwas Gutes einzusetzen was sich viel besser anfühlt, als die Wut und der Hass und die Respektlosigkeit mit der jeder um sich wirft. Und so mehrt sich die Wut und der Hass und die Respektlosigkeit, dass kaum noch ein Gesicht ein Lächeln kennt und die Worte immer scharfkantiger und verletzender werden. Dass niemand mehr warm spricht, jemandem hilft oder aufbaut, weil sie gar nicht mehr in der Lage sind zu erkennen, wenn jemand Hilfe braucht und nur deshalb auf diese Weise reagieren.

Die Tage denke ich oft über einige Dinge nach und ich wünschte vieles wäre anders gelaufen. Aber ich merke, dass selbst reden nichts bringt, weil ich nicht reden kann und die Worte des anderen ir wehtun. Die Meinung wird so hoch gewertet, das eigene ich überschätzt und die anderen ganz vergessen. Mir wurde so oft wehgetan und meine Bedürfnisse so oft übergangen, dass ich sie gar nicht mehr empfinden kann. Weil man sich selbst für so wichtig hält. Ich will niemanden verbiegen, ich will niemanden einschränken, ich habe immer nur nach Rücksichtnahme und Respekt verlangt. Aber was ich bekommen habe, war Schmerz, Leid und Trauer.

Was ich eigentlich sagen wollte ist… ich wünsche mir gerade wirklich jemanden, der mich an die Hand nimmt, sagt, dass alles gut wird, mich auf die Stirn küsst und hoffnungsvoll geradeaus blickt in eine Zukunft, die ich nicht so gottverlassen verbringen muss, sondern mit jemanden, der mich festhält, der mit mir geht, statt über mich hinweg, der mich versteht, ohne dass ich was sagen muss und der nicht zweifelt, sondern mutig ist und mir etwas von diesem Mut abgibt.

Ich vermisse dich.

Caroline – pushed down

Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

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“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

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