Wunden statt Wunder

Die Welt ist nicht fair. Aber das erwartet auch keiner von ihr außer die Menschen, die in Formen wie Gerechtigkeit und Ungleichheit denken, die an das Morgen denken, statt in der Gegenwart zu leben. Genauso unfähig bin auch ich und schaffe es weder an das hier und jetzt zu denken noch daran, dass all das was mir passiert nicht fair ist. Viele Fallen und Abgründe sind mir im Leben gestellt wurden, ich musste durch Riesenberge Scheiße waten, habe Schlimmes erfahren und noch immer kommt mir die Ungerechtigkeit wie ein riesiger Gigant entgegen und speit mich an. Ohne meine Tabletten, kann ich nicht schlafen, werde ich verrückt und nehme mir im schlimmsten Fall das Leben. Das erkennen viele nicht. Auch nicht, dass jene Tabletten mich unendlich müde und kraftlos zurücklassen, dass ich ihr Sklave bin und mir dadurch ein Teil genommen wird. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich jeden Tag zu kämpfen habe, dass es mir schwer fällt das Glück zu finden, zu genießen oder zu erfahren. Das Freude etwas Seltenes ist, dass mir nicht oft passiert. Das dieses Leben mir qualvoll und wie eine Tortur erscheint. Das sieht niemand. Für alle ist das Leben das Wertvollste was sie besitzen, mich hat niemand gefragt ob ich Leben möchte. Ich muss.

Während jeder seinem Tag nachgeht, sitze ich in der Dämmerung und überlege was ich als nächstes tun kann um nicht in die Tiefe zu sinken. Welche ‚Ablenkung‘ jetzt sinnvoll wäre um mich von den kreisenden Gedanken abzulenken, wie stupide und dumm alles ist und wie unfair das alles wirkt. Wo ich nach Körnchen der Warheit und Wachheit suche, wo ich verzweifelt danach greife, dass es mir mal einen Moment besser geht. Die Tage sind seltener geworden, doch statt der Trauer gesellt sich nun auch eine übermächtige Trägheit und Müdigkeit dazu, die ich mit nichts vertreiben kann. Wie ein dunkles Wesen trage ich sie mit mir herum ohne sie jemals abschütteln zu können.

Also Frage ich; Wo ist meine Freude geblieben? Wo ist mein Glück, dass die Tage heller strahlen lässt und mir den Sinn zeigt, warum ich auf dieser Welt bin? Warum kann ich mich nicht freuen über diese kleinen Dinge des Alltags und warum belastet mich jeder Moment nur noch mehr? Woher soll ich die Kraft nehmen weiter zu machen, wenn da kein Licht mehr am Ende des Tunnels ist, weil der Tunnel zum Leben geworden ist und die Dunkelheit all um mich herum ist und diese Dunkelheit wie ein Labyrinth in meinem Kopf die Welt verzerrt und ich glaube allmählich nicht nur den Verstand sondern auch Menschen zu verlieren. Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich irgendwann falsch abgebogen oder habe Götter erzürnt? Bin ich nicht genauso wie jeder andere auch nur viel sensibler? Schwächling, sag ich, weil ich noch nicht die Stärke hinter all der Feinfühligkeit erkennen kann, wenn sie sich letztendlich in Wunden verwandelt, statt einem Wunder.

illneas – Loving Me When I Can’t Love Myself
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