Falsche Vorstellung

***Trigger Warnung***

Ich rate davon ab bei traumatischen Erfahrungen, Instabilität oder anderer aufwühlender Gedanken, diesen Text zu lesen.

Eine alte Geschichte. Der Beginn vom Ende. Der Anfang von Nichts. Auch das fällt mir leichter aufzuschreiben, weil ich so oft darüber gesprochen habe. Man bot mir sogar eine Anzeige an, Hilfe in dieser Sache, sogar Schutz, aber ich habe abgelehnt. Weil ich das nur noch vergessen will und es nicht schaffe. Es gibt Gesichter, die sehen wie seines aus und Menschen, die sind wie er und dann hält die Welt für einen Moment den Atem an, während mein Herz viel zu schnell rast.

All meine Texte vor 2017 handeln von einem Mann und einer Liebe. Von einem Gefühl, dass mich immer begleitet hat und dem Kampf, ihn zu vergessen, den ich immer verloren habe. Es handelt von einem Menschen, der mich seit der 8. Klasse gefesselt hat, weil er mir Aufmerksamkeit geschenkt hat, weil er sich um mich gekümmert und gesorgt hat. Weil ich auf diese lächerlich menschlichen Gefühle herein gefallen bin und mir niemand vorher und nachher dieses Gefühl gegeben hat. Als würde ich gesehen werden, erkannt und geschätzt. Ich, die von der Welt keine Ahnung hat, von der Grausamkeit der Menschen und ihren psychopathischen Spielen. Ich, die nicht gewusst hat, wie gut die Masken sitzen können, wie geübt die Worte sind und welche Macht ein Mensch auf einen anderen haben kann.

Der letzte Schultag, war wie der Ende meines Lebens. Ich hatte Angst vor diesem Tag, weil ich den Mann dann nicht mehr wieder sehen werde. Zu unserer Abschlussfeier, bat er mich um einen Tanz, aber da ich nicht tanzen kann, habe ich abgelehnt. So viele Jahre habe ich mir Vorwürfe gemacht und so viele Bilder eskalieren in meinem Kopf, so viele Vorstellungen die alle einmal Worte gewesen sind und nie Wirklichkeit. Ich dachte hin und wieder, dass ich die Zeit überwunden hätte, dann kam ein Traum, ein Geruch oder eine Erinnerung und alles war wieder da. Ich habe diesen Mann mit meinem ganzen Herzen geliebt oder zumindest die Vorstellung von diesem Mann.


2017 hatten wir Klassentreffen. Ganz eifrig habe ich zusammen mit einem anderen Klassenkameraden alles organisiert. Und dann, dann endlich war der Tag. Meine Haare frisch gefärbt in dem frechen Kupferrot. Ich hatte meine Lieblingsbluse in dunklem Türkis an, eine schwarze Hose und sogar Make-Up aufgelegt und Nagellack drauf. Als hätte ich mich nur für ihn schön gemacht. In dem ersten Lokal hat er mich keines Blickes gewürdigt und ich habe begonnen zu trinken. Alles was die Runde gemacht hat, habe ich inhaliert. Dann sind wir weiter, weil ich keine Ahnung von diesen Dingen habe. Erst wollten wir in die eine Kneipe, aber die war schon voll. Auf dem Weg dorthin, habe ich ihn gefragt, warum er nie auf meine E-Mail geantwortet hat. In jener, in der ich ihm das erste Mal meine wahren Gefühle mitgeteilt habe, in der ich aber auch gesagt habe, dass ich diese Gefühle zurück gebe, damit ich mit meinem Freund zusammen sein kann. Aber so leicht, gibt man seine Gefühle nicht ab. Etwas veränderte sich in seinem Blick, er legt seine Hände auf meine Schultern und beugt sich zu mir hinab. „Was hätte ich denn darauf antworten sollen?“, hat er gesagt. Seit dem Moment, wich er mir nicht von der Seite. Wir saßen uns in der nächsten Bar gegenüber und er hat nur noch mit mir geredet. Ein schöner Traum der wahr wurde. Alle Aufmerksamkeit auf mich. Für mich. Von ihm. Zwischen all den betrunkenen Fetzen weiß ich noch, wie er bewundernd gefragt hat woher ich Eva Strittmatter kenne, weil das gar nicht mein Jahrgang ist, ich aber ihre Gedichte liebe. Dann hat er gefragt, wo ich dann hingehe, wenn das alles hier vorbei ist und ich habe gesagt, dass weiß ich noch nicht. Das ist der Moment in dem alles gekippt ist und ich gespürt habe, dass ich die Zeit austricksen kann. Dass ich mir holen kann, was mir gehört, aber das ich nicht damit gerechnet habe, was wirklich kommt. Er hat mich zu sich in die Pension eingeladen, ist aufgestanden und wir haben uns verabschiedet. Ich von meinem Bruder, der mich nicht gefragt hat und nichts gedacht hat. Nur ich, ich habe am nächsten Tag und die nächsten Jahre nur daran gedacht und mich gefragt, warum er mich nicht aufgehalten hat mit dem Teufel zu gehen.


Er zieht mich in eine Ecke von dem geschlossenen Kaufhaus und nimmt mich in die Arme, ich beginne zu weinen, weil ich es nicht glauben kann, das das wirklich passiert und ich betrunken bin und voller Gefühle. Wild und ungezähmt und berauschend. Wir gehen dann weiter und ich frage wie weit es noch ist. Dann sind wir da und er legt mich aufs Bett, fragt ein paar Mal ob er mich anfassen darf, ob er mich berühren darf und ich sage nein. Nein, das möchte ich nicht. Dann muss ich mich übergeben und er zieht mich aus, stellt mich unter die Dusche, dann steht er hinter mir, nackt und ich spüre etwas in meiner Hand, dass ich nicht fühlen wollte. Ich lande nackt im Bett und er dringt in mir ein, ohne dass ich mich wehren könnte. Irgendwann während er gekommen ist und sich noch mal duscht, greife ich nach dem Wort, das ich verloren habe: Seele. Ich habe meine Seele in diesem Moment verloren, genau so hat es sich angefühlt. Ich schreibe noch irgendwas betrunkenes an den einen Mensch, der mir noch etwas bedeutet hat. Dann schlafe ich ein und wache wieder auf. Es ist kein Glücksgefühl in mir. Nur Leere. Beklemmung und Angst. Wir frühstücken zusammen und er redet über meine Mutter und das er sie komisch findet, macht Witze über sie, die ich nicht witzig finde. Fährt mich zu meinem Freund, den ich die Nacht habe allein und im unklaren gelassen habe. Er fragt ob er mich küssen darf und ich sage nein. „Dabei würde ich deine Lippen so gern schmecken.“ Hat er noch hinzugefügt und ich habe schwach gelächelt, bin wankend ausgestiegen und zu meinem Freund. Ich habe ihm erzählt was passiert ist und habe geweint und weiß noch, dass ich an der Heizung hinunter gerutscht bin, weil mir so kalt war und ich so schwach war. Er ist gegangen und hat mich allein gelassen in seiner Wohnung.

Nach diesen Geschehnissen wollte er noch mit mir perverse Nachrichten auf dem Handy austauschen. Hat mir Bilder und Videos von sich geschickt und wie er sich selbst befriedigt. Ich habe im ersten Moment nach jedem bleibenden Strohhalm gegriffen. Weil ich es nie anders gelernt hatte und noch immer die Hoffnung hegte, dass ich die Liebe bekomme, die ich mir gewünscht habe. Das ich Zuneigung, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit bekomme. Dass ich gesehen und gehört werde. Aber ich habe mich getäuscht. Ich war ein Objekt. Ein Objekt der Begierde. Nach dieser Erkenntnis habe ich ihm geschrieben, dass ich das nicht mehr möchte und dass er über das nachdenken soll, was er getan hat. Er hat mich verurteilt und gemeint, dass ich kein Opfer wäre. Er hat geschrieben, ich bin nicht das Opfer. Aber er hat sich nie entschuldigt und sich auch bis heute nicht mehr gemeldet.

Er hat mir gesagt, dass er das nicht zum ersten Mal getan hat. Er hat in seinem Judoverein einst eine Schülerin in der Umkleidekabine gevögelt.

Hätte ich doch etwas tun sollen? Warum bin ich so schwach und unbrauchbar? So leicht zu fangen und so einfach zu brechen.

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A Soulmate Who Wasnt Meant to Be

***Trigger-Warnung***

Dieser Text fiel mir noch einfach, im Vergleich zu anderen Dingen, die in meinem Leben passiert sind. Über das könnte ich reden, wenn ich stabil und in guter Verfassung bin. Es gibt aber vieles, über das es schwer fällt zu reden oder sich zu öffnen.

Dennoch sei gewarnt, dass das kein einfacher Tobak ist und wenn man nicht unbedingt getriggert oder aufgewühlt werden möchte, sollte man nicht weiter lesen.

Nachdem mein Leben den Bach runter gegangen (2017) ist und der Mann, den ich über alles auf der Welt vergöttert und geliebt habe, etwas unvorstellbares getan hat, dass alles veränderte und mich zerriss. War ich am Ende. Wenn man auf mein Leben blickt, ist das die Kluft, der Riss, die eine Stelle, die einen Unterschied ausmacht. Das Ende meines Lebens, wie ich es bisher kannte. Ich war am Ende. Kaputt und mir war egal was mit mir geschehen sollte, was andere mit mir machen oder gemacht haben. Ich wollte mich nur noch mehr zerstören. Ich wollte das, was ohnehin kaputt gegangen ist, noch kaputter machen. Alles nur nicht mehr diese Leere spüren, die in mir klaffte wie ein hohles Loch, eine offene unsichtbare Wunde.

Also habe ich begonnen zu viel zu trinken, mich aufzuschneiden, Tabletten zu nehmen und jeden Mann der sich mir anbot auch an mich ran gelassen. Auf so viele verschiedene Weisen. Und das obwohl ich noch in einer Beziehung mit dem wohl nettesten Menschen der Welt war. Mit einem Menschen, der alles für mich getan hätte, der mich noch heute aufrichtig und bedingungslos liebt. Ich habe ihm sehr wehgetan, so viele Male. Ich habe mit anderen Männern geschlafen. Ich habe zugelassen, dass sie mich ausnutzen und anfassen, selbst gegen meinen Willen.

Im Oktober hat sich dann ein Mensch an mir vergriffen, von dem ich glaubte, er wäre mein Seelenverwandter. Wie leicht ich zu täuschen bin und die Wahrheit nicht sehen will. Kennengelernt oder getroffen habe ich ihn 2011, als ich ein freiwillig soziales Jahr gemacht habe. Wir sollten zwei Wochen auf Kinder aufpassen, stattdessen haben wir uns kennengelernt und es tat sich eine Verbindung auf. Ich habe ihn nie geliebt, es war etwas anderes, etwas tieferes, als wäre er mein seelischer Zwilling. Er hat mich auf eine kranke Weise geliebt. Er hat Tagebuch geführt und mit Blut meinen Namen hinein geschrieben. Er hat sich selbst verletzt und ist die Nacht wach geblieben. Er ist mir hinter her gerannt wie ein Hund und ich hätte ihm jeden unmöglichen Befehl geben können – er hätte ihn ohne zu zögern ausgeführt. Bis zu dem Moment, als er eine damalige Freundin von mir getroffen hat und mit ihr zusammen kam und sie heute sogar ein gemeinsames Kind haben. Zuerst habe ich bemerkt, wie er mir an an den Hintern fasst. Er hat es immer etwas verschleiert und heimlich getan, aber ich habe es dennoch gemerkt. Auch da war es schon unangenehm und ich wollte nicht mehr in seiner Nähe sein. Obwohl da dieser Zwiestreit in meiner Brust ist, dass er mein Seelenverwandter ist, das wir doch eine Verbindung haben. Doch ich konnte die Wahrheit nicht sehen.

Erst als ich betrunken in meiner Wohnung war und er mir erst an die Brust und dann in zwischen die Beine griff. Ich noch mehr getrunken habe, um das zu vergessen. Ich habe mich gewehrt, aber er hatte mehr Kraft und irgendwann kann man sich nicht mehr wehren und ich konnte nicht einmal schreien, weil ich betrunken und dumm, zerstört und erschrocken war. Sind das ausreden?

An der Tür, als er ging, hat er mich noch einmal angesehen, aber ich konnte ihn nicht mehr ansehen. Er hat ganz sanft gesagt. „Du wolltest es, richtig? Und sag es nicht deinem Bruder, du weißt ja, wir sind Freunde.“ Seine Stimme hatte eine Spur von Zittern, als wäre er sich bewusst gewesen, dass er etwas Falsches getan hat. Ich konnte nichts sagen, ich habe genickt, ich wollte ihn los werden. Und doch kam er noch ein paar Mal und dabei blieb es nicht nur bei den Berührungen. Er sagte und flüsterte mir ins Ohr, dass ich eine Verführung sei, eine Begierde – ja, ein Objekt ohne Seele in seinen Augen. Dann kam ich mit dem Komplizen zusammen und habe weitere Treffen vermieden, obgleich ich mir einen schöneren Start für diese Beziehung gewünscht hätte, als das Ende von meinem Alptraum, das mit diesem beginnt.

Das letzte Mal hat er mich vor zwei Jahren besucht. Ich dachte Menschen können sich ändern. Ich dachte, er hätte kein Verlangen mehr nach mir oder würde seine Fehler nicht wiederholen. Nur einen Film schauen, ein bisschen reden, zusammen frühstücken. Doch dann greift er mir wieder an die Brust, ich reiße die Hand raus und sage laut Nein! Er wimmert, jammert und zeigt Mitleid, aber nicht mit mir. Bettelt, dass er nur mal kurz anfassen will und ich schüttele den Kopf. Ich weiß nicht mehr was danach passiert ist. Manche Dinge löschen sich aus meinem Kopf. Aber ich weiß, dass als er mir das nächste Mal geschrieben hat, wann wir uns wieder sehen, ich ihm geschrieben habe, dass ich ihn nie mehr wieder sehen will, weil das was er getan hat zu weit ging. Seit dem, habe ich ihn nur einmal auf dem Fahrrad an mir vorbei ziehen sehen, bin zusammen gebrochen und konnte nicht mehr weiter gehen, weil ich die Zeit bedaure, die mir meinen Seelenverwandten weggenommen hat.

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