Alles dunkel

Ich bin müde und traurig und verzweifelt und alles fühlt sich so unendlich dunkel an. Alles ist eine immense Belastung. In diesen Momenten gibt es keine Hilfe. Natürlich ist irgendwo ein Licht am Ende des Tunnels – sagt man. Aber ich spüre kein Licht und ich sehe nur schwarz. Diese tiefschürfende Verzweiflung gräbt sich ein tiefes Loch in meine Brust und füllt es mit Leere. Es gibt keine Freude mehr und das nagt am meisten, vor allem wenn man gesagt bekommt, mach etwas, dass dir Freude bereitet. Tu etwas für dich. Aber ich gar keine Ahnung habe, was das ist und daran noch mehr verzweifle. Natürlich ist es wichtig auf sich zu achten und Dinge zu tun, die einem gut tun, aber was, wenn man nicht weiß, was das ist. Wenn das alles verschwunden und verloren ist und da nur noch dieser Schmerz ist. Ein Leid, das mich in stücke reißt und eine Angst die sich klamm an mich heftet. Angst, die Menschen in meiner Umgebung zu enttäuschen, zu verletzen und nicht für sie die Person zu sein, die sie kennengelernt haben. Ob es die Erkrankung ist oder schlicht meine Persönlichkeit, weiß ich nicht. Doch es hinterlässt immer tiefere Spuren und nimmt mir nicht nur meine Freude und Lebenswillen, sondern auch alles andere im Leben weg. Sie ist gefährlich. Sie ist tödlich. Aber vor allem, zerstört sie alles, was man aufgebaut hat und wofür man lebt. Ich bin müde vom kämpfen und ich weiß nicht wie ich die nächsten Tage überstehen soll. Vor allem, da ich Urlaub habe. Andere würden sich freuen über die anstehenden Urlaubstage, ich sehe ihnen qualvoll entgegen und finde keine Erholung darin. Alles kotzt mich an, vor allem ich mich selbst.
Es ist mühselig immer wieder und wieder gegen diese unsichtbare Macht anzukämpfen, die jeden Tag zur reinsten Qual werden lässt, mit dem Wissen, dass selbst wenn man sie bezwungen hat oder einen schönen Moment erlebt, die meiste Zeit meines Lebens schwarz ist und dass es immer wieder kehrt und länger bleibt, als es die Freude jemals schaffen kann. Was soll das für ein Leben sein?

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Sommer Sonne Depression

Es ist heiß, die Sonne scheint, alle haben Spaß, gehen ins Bad, sind draußen, genießen das Wetter. Die Freude des Lebens erstrahlt. Aber nichts davon berührt mich. In mir ist es leer. Ich verstecke mich. Die Dunkelheit greift im hellsten Licht nach mir. Egal wie stark und hell der Tag ist, egal wie laut die Menschen lachen, in mir ist und bleibt es dunkel. Wird dunkler, mit jedem Versuch der Finsternis zu entkommen. Etwas zu spüren, dass nicht Bedrückung ist, wird zur Herausforderung. Meine Liebe schwindet. Das helle schöne Licht des Glücks, scheint mich zu verlassen. Das Atmen fällt schwer und jeder Schritt ist eine Qual. Selbst der Körper will sich nicht mehr bewegen und ächzt bei jeder Bewegung. In mir tut alles weh und außerhalb genauso. So sehr ich versuche mich dagegen zu wehren, desto schwerer wird es, etwas zu fühlen. Ich weiß, dass es nur temporär ist, dennoch fühlt es sich wie ein für immer an. Als hätte man mir alle Kraft und jeden Willen genommen. Wie kann man Hoffnung haben, wenn sie nie da war? Man kann sie nicht verlieren, wenn sie nie da war. Und ich möchte niemanden und nichts, nicht mal meinem Gefährten davon in Kenntnis setzen, weil es dunkle Spuren hinterlässt, die klaffende Wunden reißen. Ich hoffe, dass, wenn wir uns wieder sehen, alles besser ist und ein Gefühl zurück kehrt, dass mich nicht zerreißt und schmerzt. Denn Schmerz ist das einzige was ich immer fühlen kann. Aber die schönen Gefühle zuzulassen, festzuhalten oder zu erwecken scheint mir unmöglich. Tränen sind leichter als Lachen.

Für den schwarzen Schatten Namens Depression gibt es keine Jahreszeiten, keine guten Zeiten. Es gibt nur klammernde Dunkelheit die niemals los lässt und immer wiederkehrt. Egal was man tut, egal was man macht. Es kehrt immer wieder. Mal läuft es gut, dann wieder eine ganze Weile schlecht. Nebst dieser Dunkelheit wird sie genährt von den gegenwärtig katastrophalen Nachrichten. Wer will in dieser Welt leben und wer will Leben in diese Welt geben?

Madeline Juno – Sommer, Sonne, Depression

schwarze Wände

Private Paul – Hass

Er wird niemals die Tiefe meines Schmerzes verstehen, nie die dunkelste Dunkelheit fühlen, das Leid eines sich windenden Herzens, das das Licht fürchtet. Er wird niemals ahnen wie es ist, mit all der Finsternis zu leben – Hand in Hand, bis zum Ende. Er weiß nicht, wie schwer es ist zu atmen, wenn einem die kalten Klauen packen und nicht mehr los lassen, wenn sie einen nieder drücken und die Kraft rauben. Er hat keine Ahnung welche unsichtbaren Kämpfe in jedem Moment in mir toben und wie viel Energie sie mich kosten, während ich versuche einfach nur zu existieren. Er weiß nicht wie schwer es für mich ist an diesen Tagen zu leben. Er weiß nur, welche Stille dieser Kampf übrig lässt. Dennoch stempelt er mich nicht ab, stellt mich in keine Ecke, er nimmt meine Hand und steht mir bei, hilft wo er kann, bleibt an meiner Seite, auch wenn ich weiß, wie schwer das ist und ich mich selbst ankotze und die Zweifel und Angst nährt.

Die Tage sind hart. Vor allem die schwere Erkenntnis und das nicht wahr-habe-wollen, dass ich arbeiten will, aber nicht kann. Dass ich so gut und normal sein möchte, wie jeder andere auch, aber unfähig dafür bin. Zu viele Gedanken, zu viel das nebenher passiert und in mir drin explodiert. Jeder Tag frisst mich bei lebendigem Leib und es gibt kaum Linderung noch Ruhe. Schon am Morgen will mein Körper sich nicht mehr bewegen und die Augen öffnen sich nur unter Qualen und immensen Anstrengungen. Jeder Schritt mit einem Stöhnen begleitet. Jeder Meter mit einem Fluch. Ich will keine Menschen mehr sehen, sie machen mich wütend. Irgendwann falle ich jemanden an, tue ihm aber am meisten mir weh. Die Stimmung ist gereizt und gedrückt. Wandelnd zwischen Wut und Verzweiflung. Es macht mich verrückt.

Gleichzeitig wird mir Anerkennung geschenkt, wird mir gesagt, wie gut ich bin und ich merke selbst, dass ich trotz minimaler Erfahrung, die Aufgaben besser als manch langjährige Mitarbeiter bewältige. Es strengt an dieser Kampf zwischen Perfektion und völliger Nutzlosigkeit. Aber selbst das, nimmt mein Schädel nicht hin und zerpflückt es in all seine Einzelteile. Es bleibt nichts Gutes mehr übrig.

ich kann nicht aufhören zu denken

Warum gerade nachdenken? Und wenn schon über etwas nachdenken, warum nicht über etwas schönes oder erheiterndes? Die Gedanken fließen in einem dunklen Strom durch meinen Kopf und mir gehen die Ideen aus, wie ich diesen Strom verhindern kann. Durch jegliche Ritzen und jeden Atemstoß dringt diese Dunkelheit. Es ist ein grausames Gefühl. Ich leide. Ich leide an mir selbst und all diesen furchtbaren Bildern in meinem Kopf, die ich nicht zurückdrängen kann. Bilder die vor allem durch Gefühle entstehen. Das Gefühl der Einsamkeit, Traurigkeit, Dunkelheit, des Verlorenseins, der Hilflosigkeit. Drama in all ihrem Ausmaß. Der Impuls mir etwas anzutun ist groß und wird stärker. Es reicht nur ein Blick auf einen vorbeifahrenden LKW, auf die Pulsadern oder die Tablettenschachteln. Ein schmaler Grat auf dem ich wandere und ein einzelner Luftstoß reicht aus, mich hinab zu stürzen. All diese eklige Schwärze, die mich gerne empfängt und vor der ich immer wieder weglaufe. Manchmal schaffe ich es ihr zu entkommen und dann drängt sie sich mit ungeahnter Härte aus dem Hinterhalt und überfällt mich. Wie soll ich jemals normal sein? Wie eine glückliche Beziehung führen? All diese Gefühle sind so mächtig, dass sie alles andere einnehmen und steuern. Als würde die Dunkelheit das Lenkrad in die Hand nehmen.

Gleichzeitig triggert es die alte Erinnerung, wie ich gefangen im Krankenhaus lag, während mein Exfreund sich einen entspannten Wochenende mit Spa hingibt, nur um mich zu verlassen, im Stich zu lassen und allein verrotten zu lassen. Genau das keimt allmählich auf und verstärkt all die Angst und Gefühle. Der dicke Kloß im Hals der dicker und fester wird, genauso wie das schwarze Loch im Herzen, dass schmerzt und mich zu verschlingen droht. Alles kehrt wieder, obwohl alles anders ist. Ich kann mich auf ihn verlassen, ich kann ihm vertrauen, er gibt sein Bestes, schreibt mir und macht Bilder. Dennoch fällt es schwerer dennje. Weil alles in meinem Kopf verrückt spielt.

Wunden werden zu Wundern

Er bringt meine Welt zum wanken. Er macht sie heil, füllt die Risse und tut so, als wäre ich nicht kaputt. Er behandelt mich wie einen Menschen. Liebevoll und mit Hingabe. Seine Aufmerksamkeit tut gut. Er merkt sich die Details, Kleinigkeiten, die mir so viel bedeuten. Er ist ein Wunder. In mir schwelt jeden Tag die Angst, dieses Wunder könnte sich auflösen, verschwinden oder ausgelöscht werden. Ich habe Angst um sein Leben, Angst, dass mir dieses Glück weg genommen wird. Etwas, das sich anfühlt, als hätte ich mein ganzes Leben darauf gewartet und nun wo es da ist, fühlt es sich an wie ein schwebender Traum. Die Angst ist immer da. Nicht nur um mein Chaos sondern auch um sein Glück. Könnte ich sein Unglück sein? Ich will es nicht beschwören. Er verändert mich und die Unruhe wird leise, legt sich und macht mich ruhig und sanftmütig. Ich genieße seine Nähe, seine Existenz und all die sanften Berührungen und Gedanken, die wir austauschen. Er ist Herausforderung und Leichtigkeit zugleich.

Doch ebenso verändert sich alles. Mein Denken und Bewusstsein. Ich komme an nie gekannte Punkte. Der Gedanke zu sterben, verflüchtigt sich zunehmend, auch wenn er nie ganz verschwindet. Wo ich vor einem Jahr noch mit 30 sterben wollte, kommen Zweifel auf. Die Neugierde ist groß, zu erfahren wie das Glück anschwillt und was uns beide noch erwartet. So dass ich hadere und sich dieser Wunsch allmählich auflöst, jetzt schon zu sterben und dem Leben zu entsagen, wie ich es all die Jahre und Jahrzehnte davor ersehnt habe. Das Leben bekommt wieder Geschmack und Licht. Es macht neugierig zu erfahren wohin es geht, ganz gleich ob ich Falten bekomme, hässlich und alt werde. Es liegt auch eine Schönheit in dem Älterwerden und die Sehnsucht Erfahrung zu sammeln und zu teilen. Weise zu sein und ruhiger zu werden, die Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen. Es wäre schön, wenn diese Urgewalt an Gefühlen, schon damals gezähmt worden wäre. Wenn man nicht mit so viel Emotionen und Schwung dahinscheidet und aufgefressen wird um sterben zu wollen. Vielleicht liegt darin der Trick – geduldig zu sein und der Dinge zu harren, auch wenn es verdammt schwer ist.
Ich hätte nie an dieses vollständige Glück geglaubt. Nie auch nur im Ansatz gedacht, dass mir so etwas passiert, nach all dem was geschehen ist. Und die Enttäuschungen und Wunden waren groß.

alte Wunden

Manchmal ist es nur ein Wort, eine andere Stimmlage, ein rauerer Klang in einer vermeintlich sicheren Umgebung, die alles zerstört. Der Schmerz der wie eine Klinge in meine Mitte fährt und alles zerschneidet, was es zusammenhält. Dann ist es bloß ein Klang, ein Trigger, der all die Stabilität zerbirst und mich in Stücke fallen lässt. Die vermeintliche Sicherheit gibt es nicht. Die Dämonen schlafen nie, sie lauern und warten, bis sie glauben, ich hätte sie vergessen und dann fahren sie mit unerbittlicher Härte ihre Klauen aus und verschlingen mich. Ich, die nicht einmal dagegen ankämpfen kann, egal was die Realität und Logik sagt und wie falsch meine Gedanken und Gefühle sind. Sie sind da und sie sind unerträglich. Sie reißen mich von den Füßen, lassen mich auf dem Boden krauchen und zusammenrollen. Ich kann nichts dagegen tun außer zu leiden. Doch diesmal war ich nicht allein. Er war da und er hat sich um meinen zusammengekauerten Körper gelegt und mich getröstet. Seine Worte wie lindernder Balsam. Auch wenn sich alles in mir sträubt und ich mich verkriechen will, bleibt er und ist da. Fragt was er tun kann, was mir gut tut und bleibt, bis es besser wird. Ich weiß nicht ob er es versteht, weil ich unfähig bin zu erklären, aber er hat keine Angst und läuft nicht weg. Gleich wie hässlich mein Herz geworden ist und wie zerstört meine Seele ist. Es fühlt sich beinahe an, angekommen zu sein. Umso intensiver ist die Angst und all die anderen Befürchtungen die mich zu zerreißen drohen, wenn ich nicht aufpasse. Doch er schenkt mir Ruhe. Zumindest für einen kurzen Moment, diesen langen Lebens.

Es fehlt das Licht, obwohl die Sonne scheint

Es spielt keine Rolle ob ich da bin oder nicht. Vielleicht mag es am Anfang ungewöhnlich sein, zwicken und womöglich sogar etwas wehtun. Aber am Ende spielt es keine Rolle ob ich noch da bin. Das Leben geht weiter. Ich werde fortgespült. Ich rudere gegen den Strom, aber der Strom holt mich immer wieder ein und reißt mich mit in den Abgrund. Es ist so eine dünne Wand, die mich davon trennt zu springen und zu bleiben. Von einem auf den anderen Moment, ist alles anders und ich weiß nicht mehr wie ich in diesen angenehmen Zustand komme, der davor existierte. Wie ein Traum, eine Unwirklichkeit, die mich gefangen hält. Als wäre ich falsch abgebogen und hätte einen Fehler gemacht. Das Gefühl unbrauchbar zu sein wird stark. Das Gefühl völlig allein zu sein nimmt überhand. Die Logik verliert und die Emotionen greifen nach mir, während ich versuche mich zu wehren und fühle wie die Dämme brechen. Ich bin der einsamste und kaputteste Mensch der Welt, so fühlt es sich immer an. Nichts hilft. Und alles was mir angeboten wird, fühlt sich wie spitze Scherben in meiner Haut an, die tief in mein Herz schneiden. Ich bin zu schwach um mich dagegen zu wehren, ich habe kein Licht, das mich vor der Dunkelheit bewahrt, die nach mir zerrt und mich überflutet. Das Gefühl die Welt wäre entrückt, stimmt sich ein und nichts ist mehr richtig, nichts ist mehr klar oder wahr. Alles ist verfälscht und ich sitze hier und kann nicht anders als zu weinen und daran zu denken, wie mich die Zeit quält die ich hier bin. Keine Worte helfen, wenn ich mich fühle, als gehöre ich nicht hierher und sollte verschwinden.
Bin ich nur dafür da, dass sich andere gut fühlen?

Chakuza – Exit

andauernde Müdigkeit

Niemand weiß, wie hart das ist ständig zu funktionieren und so zu tun als würde mir das nichts ausmachen. Als würde es mir nichts ausmachen, wenn sie sagen, mach weiter, du schaffst das, so schwer ist das nicht, ich kann gar nicht verstehen warum du müde bist. Oder wie sie es völlig ignorieren. Wie sie mir suggerieren, dass sie es nicht kennen. Das sie die Welt des ewigen Erschöpftseins nicht kennen oder der Schatten, die in meinem Nacken sitzen, auf meinen Rücken springen und mich runter ziehen wollen. Es ist unheimlich schwer und niemand weiß es, niemand fühlt es so wie ich. Dass ein 8h Tag mich in die knie zwingt. Dass selbst 6h mich zu Boden reißen und ich noch immer kein Mittel gefunden habe, mich gegen die Müdigkeit zu wehren, die mich auslaugt und schwach macht. Wie ich immer noch nicht weiß, was mir Energie gibt, während ich genau weiß, was und wer sie mir nimmt. Dann sitze ich da, kann mich nicht mehr bewegen, nicht mehr denken und vegetiere vor mich hin, während andere weiter machen. Während sie mich mit schräg gelegten Kopf ansehen und nicht verstehen können, wie mich alles um mich herum auffrisst. Wie alles mir die Kraft nimmt. Jedes Gespräch, jeder Schritt nach draußen, jeder Atemzug in der Gesellschaft. Warum können sie das nicht verstehen? Warum drängt man mich dazu, wach und aktiv zu sein, während meine Augen immer schwerer werden und mein Geist flach liegt?

Ich weiß nicht woher die unendliche Müdigkeit kommt, die meinen Körper und Geist befällt oder ob es nur eine Phase ist oder länger andauert. Ich lebe gesund, ich treibe Sport, ich bin jeden Tag draußen, ich bin gesund, keine Erkrankungen, wenig Stress und genug Schlaf. Warum bin ich dann müde, wenn alles funktioniert?

Phoebe Bridgers – Funeral

Nicht für jeden gibt es Hoffnung

Weinend aufwachen. Weinend einschlafen. Die Dunkelheit fordert ihren Platz und ich bin zu schwach um mich zu wehren. Ich wache mitten in der Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Ich kann die Augen schließen, aber nicht mehr schlafen. Ich wälze mich hin und her. Auch sind die finsteren Gedanken wieder stärker. Die Dosis der Tabletten, die gegen die Schatten kämpfen sollen, wurde erneut erhöht. Fraglich ob das irgendeinen Sinn hat. Die Ärztin meint, das kommt, wenn die Depression nicht richtig behandelt wurde oder noch nicht zu ende behandelt ist. Ich bin seit zehn Jahren in Behandlung und war fast zwei Jahre meines Lebens im Krankenhaus deswegen, allmählich gibt es nichts mehr zu behandeln und nichts mehr zu retten. Ich schaffe es auch nicht mehr, ich kann nicht mehr. Ob aus Feigheit oder Faulheit, ich möchte es nicht mehr, wenn ich mich jedes Mal noch kaputter fühle, wie ein defektes Gerät, dass alles selbst verschuldet hat.
Ich saß heute im Unterricht, habe mich in Tagträumereien verloren. Tagträumereien die für andere Alpträume wären, für mich aber eine Erfüllung und die Nüchternheit mit der ich darüber schreibe, ist fassungslos. In der Schule, denke ich darüber nach, wenn ein Amoklauf passiert, wie ich reagieren würde und wie ich die Angst in den Griff bekomme um aufzustehen. Wenn irgendjemand durchdreht und die Waffe zieht. Ich denke darüber nach, wie ich auf den Schützen los stürme. Wie ich die Kugeln abfangen will, damit sie meinen Körper durchbohren, wie ich will, dass er mich tötet und wenn ich es schaffe, würde ich ihn dafür umarmen und danke sagen. Brauche ich dann noch den Mundschutz? Wird der Schmerz schlimm sein? Diese Tagträume sind es, die mich nicht erschüttern, sondern beruhigen. Erschüttert bin ich von dem Leben. Ich habe Angst vor dem Leben, ich habe es nie richtig begonnen, konnte nie etwas damit anfangen und werfe es einfach nur noch weg.
Diese Hoffnungslosigkeit erinnert mich daran, wie jeder Mut macht, wie viele Betroffene von ihrem Happy End erzählen und diese Werbung für diese Erkrankung machen. Wie auch ich schon einmal zur Zielscheibe dieser falschen Beschönigung wurde und man wollte, das ich was schönes über diese Erkrankung erzähle, dass es endet, dass man froh ist, wenn man die Selbstmorde überlebt hat. Aber das ist es nicht. Nichts von alldem ist schön und ich bin noch immer nicht froh überlebt zu haben. Das hier ist ein beständiger Kampf. Der Kampf Dankbarkeit und Liebe in mein Leben zu lassen und der Kampf gegen mich selbst, die sterben will, weil es kaum noch auszuhalten ist, die aber genauso feige ist und diese Qual jeden Tag aushalten muss. Die deswegen weggeworfen wurde, wie unbrauchbarer Müll, die kein Verständnis von Niemanden erwarten kann und am Ende allein mit all dem Scheiß ist.
Ich kann nichts positives erzählen. Nicht sagen, dass es irgendwann besser wird, das man den Kampf gewinnt und das Leben dann wieder schöner wird. Das kann ich einfach nicht. Weil dieses schwarze Loch immer wiederkehrt und immer größer wird. Weil keine Tabletten helfen, weil keine Therapie hilft, weil ‚geh mal zum Psychologen‘ nur eine Floskel für die Hilflosigkeit dieser Welt ist. Denn absolut nichts und niemand kann etwas dagegen tun, wenn diese Erkrankung wie ein Tumor in meinem Kopf sitzt und alles auffrisst, was einst Hoffnung war.

Schwermut

Und dann versuchst du eine stabile Welt aufzubauen, irgendwas richtig zu machen, zu lächeln und Dankbarkeit zu zelebrieren. Du versuchst alles um ein gutes Leben zu führen, Schritt für Schritt. Ernährst dich gesund, bewegst dich regelmäßig auch an der frischen Luft, triffst dich mit Freunden, liest viel und trinkst viel. Alles nach Lehrbuch. Alles versucht. Du kämpfst um jeden Augenblick, der so schwierig ist. Du kämpfst bis du keine Kraft mehr hast und dir sagst, solange du noch nicht umfällst, ist es noch nicht schlimm, dann geht es immer weiter. Du sagst dir, es geht weiter, nur immer weiter, mach weiter. Egal was kommt, egal wie tief das Wasser ist und wie schwer die letzten Züge.
Aber dann sitzt du trotzdem auf dem Boden deines Bades, weinst und weißt nicht wieso, sitzt da und kannst nicht aufhören zu weinen und die Tränen brennen und der Kopf fühlt sich an als würde er nicht mehr wollen, als würde es ihn jeden Moment zerreißen. Dann sitzt du da und heulst allein ohne das es etwas nutzt, spielst wieder mit dem Gedanken, dir irgendwas anzutun, dass Tod besser wäre, als immer wieder diese Scheiße zu fühlen. Dass Stille besser ist, als dieses laute Schreien im Kopf. Vielleicht ein bisschen Alkohol? Eine weitere Tablette? Aber dann die Angst, nichts mehr zu schaffen, aber was muss noch geschafft werden?
Die Gedanken kreisen, du denkst dann an die Menschen, die es geschafft haben, denjenigen, der vielleicht einen Unterschied macht. Der eine glückliche Kindheit und ein ruhiges Leben führt und du machst dir Selbstvorwürfe und hast Angst zu versagen, weil du nicht so gesund bist, weil du diesen Menschen in den Abgrund mit hinunter reißen könntest, weil alles um dich herum so wahnsinnig dunkel ist und das schon von Anfang an. Dann schiffst du um die Baustellen und Probleme, versteckst dich hinter dämlichen Phrasen und lenkst mit Fragen ab, bis man nur noch ein Lächeln und eine Maske sieht, aber nicht die Risse dahinter und die traurigen Augen, die nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll in einer Welt, die voller Dornen ist.

Rammstein – Was Ich Liebe
Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.