3. Dekade

Was mir fehlt ist die innere Ruhe. Zeit habe ich, aber ich nutze sie falsch. Mein Kopf muss immer abgelenkt sein, aus Angst, er könnte mir dunkle Szenarien vorspielen und ich würde verrückt werden und durchdrehen. Immer muss ich etwas lesen, hören, sehen und denken. Es gibt keinen Stillstand und an Mediation ist erst gar nicht zu denken. Die letzten Male als ich das versucht habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Wie also soll ich mir Zeit nehmen und ein paar Minuten Gedanken darüber machen was in einem Jahr alles passiert ist oder passieren kann? Wie unmöglich die Wandlungen zwischen einem und dreihundertfünfundsechszig Tagen sein können. Zwischen den Momenten, in denen ich mich zwar ablenke, aber auch abdrifte, habe ich mir also Gedanken darüber gemacht.
Um mein Jahr entsprechend zu beenden und ein neues zu beginnen, habe ich Kerzen angezündet und ausgepustet und mir etwas gewünscht, ich habe krach gemacht, laute Musik gehört um die alten Geister (vor allem aus meinem Kopf) zu vertreiben. Ich habe nur Schönes gemacht, was mir gefällt und nun schreibe ich die Dinge auf, die innerhalb eines Lebensjahres passiert sind. Zumindest, jene an die ich mich erinnern kann.

Ich habe Freunde verloren, aber dafür mehrere Freunde gewonnen. Der Umzug der Elfe war nicht nur ein Gewinn für das Krankenhaus, sondern auch für mich. Dadurch habe ich viele neue und nette Menschen kennengelernt. Der erste Versuch mich mit einem anderen Mann anzufreunden ging daneben, es ist auch zu früh. Aber man lernt aus den Fehlern und geht die Sachen anders an. Im November und Dezember war nicht viel los, weil alles zu war. Dennoch empfand ich den Dezember als einen sehr guten Monat, es ging mir wieder besser und ich konnte Dinge anpacken. Im Januar ging es rasend schnell wieder bergab und ich krauche noch immer und versuche den Berg wieder hinauf zu klettern, mit mäßig Erfolg. Eine alte zerstrittene und besondere Freundschaft wurde zusammengeflickt und wiedergewonnen. Im Frühling ist meine Oma verstorben, die ein Loch in die Familie gerissen hat, dass sich zu einem riesigen Spalt ausbreitet. Es ist noch immer ein seltsames Gefühl. Ich bin wieder umgezogen, zurück zu den Wurzeln um mehr Gesellschaft zu haben und doch eigenständig zu bleiben. Grenzen zu ziehen und auch mal laut zu werden und nein sagen zu können. Im Frühjahr habe ich meinen Kater Ikarus im Tierheim gefunden und es war ein sehen und erkennen. Ich hatte unzählige Praktika, an denen ich gewachsen bin und Erfahrungen gesammelt habe, vor allem bei einer Anwältin. Im Sommer war ich im Urlaub und habe neue Städte erforscht und genossen. Habe Menschen getroffen, die ich zuvor nie gesehen habe und Menschen kennengelernt von denen ich überrascht wurde. Unzählige Bücher habe ich gelesen und unendlich viele Worte geschrieben und unzählige Geschichten erdacht und verworfen. Ein paar Bilder habe ich gemalt. Aus den sozialen Netzwerken habe ich mich zurückgezogen. Versucht ein Buch zu schreiben, aber es dann wieder sein gelassen. Die Geschichten machen mehr spaß, wenn man sie zusammen schreibt.

Jetzt bin ich in der 3. Dekade angekommen. Es wird sich ungewohnt anfühlen, die Zahl auszusprechen, aber noch seltsamer, sie auch wahrzunehmen. In mir fühlt es sich zwar oft steinalt an, aber eigentlich bin ich noch ein Kind. Ein Kind auf der Suche nach dem Sinn und Unsinn dieser Welt. Ich bin noch nicht gestorben, obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe. Ich bin noch am Leben, meine Blutwerte sind perfekt und mein Körper intakt. Mein Kopf noch immer heller als so manche Leuchte der Gesellschaft. Ich bin nicht krank, gelähmt oder einsam. Ich führe ein gutes Leben, wenn man es von oben betrachtet. Nur mit den Gefühlen habe ich beständig zu kämpfen, es ist nicht einfach und all den sozialen Problemen die sich immer wieder auftürmen. Alles was ich sagen kann in diesem Moment ist: Ich bin noch nicht tot. Obwohl ich niemals gedacht habe, dass ich so alt werde und niemals älter sein wollte.

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