schwarze Wände

Private Paul – Hass

Er wird niemals die Tiefe meines Schmerzes verstehen, nie die dunkelste Dunkelheit fühlen, das Leid eines sich windenden Herzens, das das Licht fürchtet. Er wird niemals ahnen wie es ist, mit all der Finsternis zu leben – Hand in Hand, bis zum Ende. Er weiß nicht, wie schwer es ist zu atmen, wenn einem die kalten Klauen packen und nicht mehr los lassen, wenn sie einen nieder drücken und die Kraft rauben. Er hat keine Ahnung welche unsichtbaren Kämpfe in jedem Moment in mir toben und wie viel Energie sie mich kosten, während ich versuche einfach nur zu existieren. Er weiß nicht wie schwer es für mich ist an diesen Tagen zu leben. Er weiß nur, welche Stille dieser Kampf übrig lässt. Dennoch stempelt er mich nicht ab, stellt mich in keine Ecke, er nimmt meine Hand und steht mir bei, hilft wo er kann, bleibt an meiner Seite, auch wenn ich weiß, wie schwer das ist und ich mich selbst ankotze und die Zweifel und Angst nährt.

Die Tage sind hart. Vor allem die schwere Erkenntnis und das nicht wahr-habe-wollen, dass ich arbeiten will, aber nicht kann. Dass ich so gut und normal sein möchte, wie jeder andere auch, aber unfähig dafür bin. Zu viele Gedanken, zu viel das nebenher passiert und in mir drin explodiert. Jeder Tag frisst mich bei lebendigem Leib und es gibt kaum Linderung noch Ruhe. Schon am Morgen will mein Körper sich nicht mehr bewegen und die Augen öffnen sich nur unter Qualen und immensen Anstrengungen. Jeder Schritt mit einem Stöhnen begleitet. Jeder Meter mit einem Fluch. Ich will keine Menschen mehr sehen, sie machen mich wütend. Irgendwann falle ich jemanden an, tue ihm aber am meisten mir weh. Die Stimmung ist gereizt und gedrückt. Wandelnd zwischen Wut und Verzweiflung. Es macht mich verrückt.

Gleichzeitig wird mir Anerkennung geschenkt, wird mir gesagt, wie gut ich bin und ich merke selbst, dass ich trotz minimaler Erfahrung, die Aufgaben besser als manch langjährige Mitarbeiter bewältige. Es strengt an dieser Kampf zwischen Perfektion und völliger Nutzlosigkeit. Aber selbst das, nimmt mein Schädel nicht hin und zerpflückt es in all seine Einzelteile. Es bleibt nichts Gutes mehr übrig.

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alte Wunden

Manchmal ist es nur ein Wort, eine andere Stimmlage, ein rauerer Klang in einer vermeintlich sicheren Umgebung, die alles zerstört. Der Schmerz der wie eine Klinge in meine Mitte fährt und alles zerschneidet, was es zusammenhält. Dann ist es bloß ein Klang, ein Trigger, der all die Stabilität zerbirst und mich in Stücke fallen lässt. Die vermeintliche Sicherheit gibt es nicht. Die Dämonen schlafen nie, sie lauern und warten, bis sie glauben, ich hätte sie vergessen und dann fahren sie mit unerbittlicher Härte ihre Klauen aus und verschlingen mich. Ich, die nicht einmal dagegen ankämpfen kann, egal was die Realität und Logik sagt und wie falsch meine Gedanken und Gefühle sind. Sie sind da und sie sind unerträglich. Sie reißen mich von den Füßen, lassen mich auf dem Boden krauchen und zusammenrollen. Ich kann nichts dagegen tun außer zu leiden. Doch diesmal war ich nicht allein. Er war da und er hat sich um meinen zusammengekauerten Körper gelegt und mich getröstet. Seine Worte wie lindernder Balsam. Auch wenn sich alles in mir sträubt und ich mich verkriechen will, bleibt er und ist da. Fragt was er tun kann, was mir gut tut und bleibt, bis es besser wird. Ich weiß nicht ob er es versteht, weil ich unfähig bin zu erklären, aber er hat keine Angst und läuft nicht weg. Gleich wie hässlich mein Herz geworden ist und wie zerstört meine Seele ist. Es fühlt sich beinahe an, angekommen zu sein. Umso intensiver ist die Angst und all die anderen Befürchtungen die mich zu zerreißen drohen, wenn ich nicht aufpasse. Doch er schenkt mir Ruhe. Zumindest für einen kurzen Moment, diesen langen Lebens.

Schwermut

Und dann versuchst du eine stabile Welt aufzubauen, irgendwas richtig zu machen, zu lächeln und Dankbarkeit zu zelebrieren. Du versuchst alles um ein gutes Leben zu führen, Schritt für Schritt. Ernährst dich gesund, bewegst dich regelmäßig auch an der frischen Luft, triffst dich mit Freunden, liest viel und trinkst viel. Alles nach Lehrbuch. Alles versucht. Du kämpfst um jeden Augenblick, der so schwierig ist. Du kämpfst bis du keine Kraft mehr hast und dir sagst, solange du noch nicht umfällst, ist es noch nicht schlimm, dann geht es immer weiter. Du sagst dir, es geht weiter, nur immer weiter, mach weiter. Egal was kommt, egal wie tief das Wasser ist und wie schwer die letzten Züge.
Aber dann sitzt du trotzdem auf dem Boden deines Bades, weinst und weißt nicht wieso, sitzt da und kannst nicht aufhören zu weinen und die Tränen brennen und der Kopf fühlt sich an als würde er nicht mehr wollen, als würde es ihn jeden Moment zerreißen. Dann sitzt du da und heulst allein ohne das es etwas nutzt, spielst wieder mit dem Gedanken, dir irgendwas anzutun, dass Tod besser wäre, als immer wieder diese Scheiße zu fühlen. Dass Stille besser ist, als dieses laute Schreien im Kopf. Vielleicht ein bisschen Alkohol? Eine weitere Tablette? Aber dann die Angst, nichts mehr zu schaffen, aber was muss noch geschafft werden?
Die Gedanken kreisen, du denkst dann an die Menschen, die es geschafft haben, denjenigen, der vielleicht einen Unterschied macht. Der eine glückliche Kindheit und ein ruhiges Leben führt und du machst dir Selbstvorwürfe und hast Angst zu versagen, weil du nicht so gesund bist, weil du diesen Menschen in den Abgrund mit hinunter reißen könntest, weil alles um dich herum so wahnsinnig dunkel ist und das schon von Anfang an. Dann schiffst du um die Baustellen und Probleme, versteckst dich hinter dämlichen Phrasen und lenkst mit Fragen ab, bis man nur noch ein Lächeln und eine Maske sieht, aber nicht die Risse dahinter und die traurigen Augen, die nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll in einer Welt, die voller Dornen ist.

Rammstein – Was Ich Liebe

kein Trost

Heute ging es in einem Gespräch um Trost. Trost zulassen und geben. Doch weder kann ich das eine noch das andere. Ich fühle mich hilflos, wenn jemand von mir Trost braucht und ich nicht weiß was ich machen soll. Aber genauso, ist es für mich unangenehm und fremd, wenn ich getröstet werde. Es ist sogar schmerzhaft und ich möchte das nicht, ich schäme mich dafür wie ich mich für jedes meiner Gefühle schäme. Deswegen zeige ich sie so selten. Aber irgendwann, habe ich verlernt die Maske abzunehmen. Vor allem bei meinen Freunden, bei den Menschen, die mir beibringen könnten, wie es geht los zu lassen und wieder Gefühle zu zeigen und zu teilen. Freunde, bei denen ich damit eine festere Beziehung ausbauen kann. Aber es geht nicht, weil ich nie Trost erfahren habe.
Tiefgreifende Fragen, die alles in Frage stellen, sind jene, die davon künden, was in der Vergangenheit los war. Dort als man noch Kind war und geweint hat, wie ist die Umwelt mit einem umgegangen? Diese Dinge festigen sich und werden zu einem Verhaltensmuster im Erwachsenenleben. Deswegen kann ich kein Trost annehmen und deswegen kann ich niemanden gut trösten. Ich habe es nie gelernt noch erfahren.
Auch wenn ich oft die Treppenstufen hinauf gehe und einen lieben Menschen besuche, der mir Trost spenden könnte. Wenn ich die Bilder vor Augen habe, dass ich jemanden fest umarme und dann in Tränen ausbreche. In dem Moment, in dem ich vor der Person stehe, trage ich wieder die Maske, lächle und schlucke alles andere runter, weil ich denke, das ich es nicht wert bin. Dass ich keine Umstände machen möchte und es mir unangenehmer ist Gefühle zu zeigen als taub zu sein. Wie aber kann ich den nächsten Schritt schaffen und weinen und zulassen, dass ich getröstet werde, wenn ich das nie gelernt habe und davor weglaufe?
Ich weiß, dass an dem Tag bevor meine Oma gestorben ist, meine Laterne bei mir war und ich auch dort nicht weinen konnte. Ein paar Tränen sammelten sich in meinen Augen und einen Kloß im Hals hatte ich, die ich beide runter geschluckt habe. Eine Umarmung habe ich mir eingefordert. Aber mein einziger Gedanke war nur, dass es mir leid tut, dass sie das mit erleben muss. Das es gerade dieses Wochenende ist, an dem sie da ist und ich hoffe, dass sie das nicht trifft oder persönlich nimmt, das es keine Spuren hinterlässt. Statt an meine Trauer, denke ich an sie und was es in ihr auslöst und hinterlässt. Nicht einmal dann, bei dem Menschen, der mir am nächsten ist, schaffe ich mich vollkommen fallen zu lassen. Es ist immer die Anspannung und Kontrolle in meinem Nacken, die alles strafft und festzieht. Nichts darf durchsickern, immer schön lächeln und lieb sein, nur keine Probleme machen.

Wie soll man auch so etwas kompliziertes wie diese Gefühle erklären, die einen überkommen, wie ein Tsunami. Wie erklären, dass ich ohne Grund traurig bin oder es eintausend Millionen Gründe gibt traurig zu sein, das aber niemand versteht. Das irgendwas in mir fehlt, das mein Gehirn kaputt ist, dass ich kaputt bin, dass diese Welt kaputt ist. Wie soll ich die Frage beantworten: „Was ist denn los?“, wenn ich das selbst nicht weiß? Wie mich all dem Stellen, wenn ich mehr Angst vor dem Bloßstellen meiner Emotionswelt habe, als vor der Maske, die das alles verbirgt?

Elif – Fort Knox

3. Dekade

Was mir fehlt ist die innere Ruhe. Zeit habe ich, aber ich nutze sie falsch. Mein Kopf muss immer abgelenkt sein, aus Angst, er könnte mir dunkle Szenarien vorspielen und ich würde verrückt werden und durchdrehen. Immer muss ich etwas lesen, hören, sehen und denken. Es gibt keinen Stillstand und an Mediation ist erst gar nicht zu denken. Die letzten Male als ich das versucht habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Wie also soll ich mir Zeit nehmen und ein paar Minuten Gedanken darüber machen was in einem Jahr alles passiert ist oder passieren kann? Wie unmöglich die Wandlungen zwischen einem und dreihundertfünfundsechszig Tagen sein können. Zwischen den Momenten, in denen ich mich zwar ablenke, aber auch abdrifte, habe ich mir also Gedanken darüber gemacht.
Um mein Jahr entsprechend zu beenden und ein neues zu beginnen, habe ich Kerzen angezündet und ausgepustet und mir etwas gewünscht, ich habe krach gemacht, laute Musik gehört um die alten Geister (vor allem aus meinem Kopf) zu vertreiben. Ich habe nur Schönes gemacht, was mir gefällt und nun schreibe ich die Dinge auf, die innerhalb eines Lebensjahres passiert sind. Zumindest, jene an die ich mich erinnern kann.

Ich habe Freunde verloren, aber dafür mehrere Freunde gewonnen. Der Umzug der Elfe war nicht nur ein Gewinn für das Krankenhaus, sondern auch für mich. Dadurch habe ich viele neue und nette Menschen kennengelernt. Der erste Versuch mich mit einem anderen Mann anzufreunden ging daneben, es ist auch zu früh. Aber man lernt aus den Fehlern und geht die Sachen anders an. Im November und Dezember war nicht viel los, weil alles zu war. Dennoch empfand ich den Dezember als einen sehr guten Monat, es ging mir wieder besser und ich konnte Dinge anpacken. Im Januar ging es rasend schnell wieder bergab und ich krauche noch immer und versuche den Berg wieder hinauf zu klettern, mit mäßig Erfolg. Eine alte zerstrittene und besondere Freundschaft wurde zusammengeflickt und wiedergewonnen. Im Frühling ist meine Oma verstorben, die ein Loch in die Familie gerissen hat, dass sich zu einem riesigen Spalt ausbreitet. Es ist noch immer ein seltsames Gefühl. Ich bin wieder umgezogen, zurück zu den Wurzeln um mehr Gesellschaft zu haben und doch eigenständig zu bleiben. Grenzen zu ziehen und auch mal laut zu werden und nein sagen zu können. Im Frühjahr habe ich meinen Kater Ikarus im Tierheim gefunden und es war ein sehen und erkennen. Ich hatte unzählige Praktika, an denen ich gewachsen bin und Erfahrungen gesammelt habe, vor allem bei einer Anwältin. Im Sommer war ich im Urlaub und habe neue Städte erforscht und genossen. Habe Menschen getroffen, die ich zuvor nie gesehen habe und Menschen kennengelernt von denen ich überrascht wurde. Unzählige Bücher habe ich gelesen und unendlich viele Worte geschrieben und unzählige Geschichten erdacht und verworfen. Ein paar Bilder habe ich gemalt. Aus den sozialen Netzwerken habe ich mich zurückgezogen. Versucht ein Buch zu schreiben, aber es dann wieder sein gelassen. Die Geschichten machen mehr spaß, wenn man sie zusammen schreibt.

Jetzt bin ich in der 3. Dekade angekommen. Es wird sich ungewohnt anfühlen, die Zahl auszusprechen, aber noch seltsamer, sie auch wahrzunehmen. In mir fühlt es sich zwar oft steinalt an, aber eigentlich bin ich noch ein Kind. Ein Kind auf der Suche nach dem Sinn und Unsinn dieser Welt. Ich bin noch nicht gestorben, obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe. Ich bin noch am Leben, meine Blutwerte sind perfekt und mein Körper intakt. Mein Kopf noch immer heller als so manche Leuchte der Gesellschaft. Ich bin nicht krank, gelähmt oder einsam. Ich führe ein gutes Leben, wenn man es von oben betrachtet. Nur mit den Gefühlen habe ich beständig zu kämpfen, es ist nicht einfach und all den sozialen Problemen die sich immer wieder auftürmen. Alles was ich sagen kann in diesem Moment ist: Ich bin noch nicht tot. Obwohl ich niemals gedacht habe, dass ich so alt werde und niemals älter sein wollte.

So Now by Charles Bukowski

A Soulmate Who Wasnt Meant to Be

***Trigger-Warnung***

Dieser Text fiel mir noch einfach, im Vergleich zu anderen Dingen, die in meinem Leben passiert sind. Über das könnte ich reden, wenn ich stabil und in guter Verfassung bin. Es gibt aber vieles, über das es schwer fällt zu reden oder sich zu öffnen.

Dennoch sei gewarnt, dass das kein einfacher Tobak ist und wenn man nicht unbedingt getriggert oder aufgewühlt werden möchte, sollte man nicht weiter lesen.

Nachdem mein Leben den Bach runter gegangen (2017) ist und der Mann, den ich über alles auf der Welt vergöttert und geliebt habe, etwas unvorstellbares getan hat, dass alles veränderte und mich zerriss. War ich am Ende. Wenn man auf mein Leben blickt, ist das die Kluft, der Riss, die eine Stelle, die einen Unterschied ausmacht. Das Ende meines Lebens, wie ich es bisher kannte. Ich war am Ende. Kaputt und mir war egal was mit mir geschehen sollte, was andere mit mir machen oder gemacht haben. Ich wollte mich nur noch mehr zerstören. Ich wollte das, was ohnehin kaputt gegangen ist, noch kaputter machen. Alles nur nicht mehr diese Leere spüren, die in mir klaffte wie ein hohles Loch, eine offene unsichtbare Wunde.

Also habe ich begonnen zu viel zu trinken, mich aufzuschneiden, Tabletten zu nehmen und jeden Mann der sich mir anbot auch an mich ran gelassen. Auf so viele verschiedene Weisen. Und das obwohl ich noch in einer Beziehung mit dem wohl nettesten Menschen der Welt war. Mit einem Menschen, der alles für mich getan hätte, der mich noch heute aufrichtig und bedingungslos liebt. Ich habe ihm sehr wehgetan, so viele Male. Ich habe mit anderen Männern geschlafen. Ich habe zugelassen, dass sie mich ausnutzen und anfassen, selbst gegen meinen Willen.

Im Oktober hat sich dann ein Mensch an mir vergriffen, von dem ich glaubte, er wäre mein Seelenverwandter. Wie leicht ich zu täuschen bin und die Wahrheit nicht sehen will. Kennengelernt oder getroffen habe ich ihn 2011, als ich ein freiwillig soziales Jahr gemacht habe. Wir sollten zwei Wochen auf Kinder aufpassen, stattdessen haben wir uns kennengelernt und es tat sich eine Verbindung auf. Ich habe ihn nie geliebt, es war etwas anderes, etwas tieferes, als wäre er mein seelischer Zwilling. Er hat mich auf eine kranke Weise geliebt. Er hat Tagebuch geführt und mit Blut meinen Namen hinein geschrieben. Er hat sich selbst verletzt und ist die Nacht wach geblieben. Er ist mir hinter her gerannt wie ein Hund und ich hätte ihm jeden unmöglichen Befehl geben können – er hätte ihn ohne zu zögern ausgeführt. Bis zu dem Moment, als er eine damalige Freundin von mir getroffen hat und mit ihr zusammen kam und sie heute sogar ein gemeinsames Kind haben. Zuerst habe ich bemerkt, wie er mir an an den Hintern fasst. Er hat es immer etwas verschleiert und heimlich getan, aber ich habe es dennoch gemerkt. Auch da war es schon unangenehm und ich wollte nicht mehr in seiner Nähe sein. Obwohl da dieser Zwiestreit in meiner Brust ist, dass er mein Seelenverwandter ist, das wir doch eine Verbindung haben. Doch ich konnte die Wahrheit nicht sehen.

Erst als ich betrunken in meiner Wohnung war und er mir erst an die Brust und dann in zwischen die Beine griff. Ich noch mehr getrunken habe, um das zu vergessen. Ich habe mich gewehrt, aber er hatte mehr Kraft und irgendwann kann man sich nicht mehr wehren und ich konnte nicht einmal schreien, weil ich betrunken und dumm, zerstört und erschrocken war. Sind das ausreden?

An der Tür, als er ging, hat er mich noch einmal angesehen, aber ich konnte ihn nicht mehr ansehen. Er hat ganz sanft gesagt. „Du wolltest es, richtig? Und sag es nicht deinem Bruder, du weißt ja, wir sind Freunde.“ Seine Stimme hatte eine Spur von Zittern, als wäre er sich bewusst gewesen, dass er etwas Falsches getan hat. Ich konnte nichts sagen, ich habe genickt, ich wollte ihn los werden. Und doch kam er noch ein paar Mal und dabei blieb es nicht nur bei den Berührungen. Er sagte und flüsterte mir ins Ohr, dass ich eine Verführung sei, eine Begierde – ja, ein Objekt ohne Seele in seinen Augen. Dann kam ich mit dem Komplizen zusammen und habe weitere Treffen vermieden, obgleich ich mir einen schöneren Start für diese Beziehung gewünscht hätte, als das Ende von meinem Alptraum, das mit diesem beginnt.

Das letzte Mal hat er mich vor zwei Jahren besucht. Ich dachte Menschen können sich ändern. Ich dachte, er hätte kein Verlangen mehr nach mir oder würde seine Fehler nicht wiederholen. Nur einen Film schauen, ein bisschen reden, zusammen frühstücken. Doch dann greift er mir wieder an die Brust, ich reiße die Hand raus und sage laut Nein! Er wimmert, jammert und zeigt Mitleid, aber nicht mit mir. Bettelt, dass er nur mal kurz anfassen will und ich schüttele den Kopf. Ich weiß nicht mehr was danach passiert ist. Manche Dinge löschen sich aus meinem Kopf. Aber ich weiß, dass als er mir das nächste Mal geschrieben hat, wann wir uns wieder sehen, ich ihm geschrieben habe, dass ich ihn nie mehr wieder sehen will, weil das was er getan hat zu weit ging. Seit dem, habe ich ihn nur einmal auf dem Fahrrad an mir vorbei ziehen sehen, bin zusammen gebrochen und konnte nicht mehr weiter gehen, weil ich die Zeit bedaure, die mir meinen Seelenverwandten weggenommen hat.

der Löwe und das Lamm


Als Kind habe ich jeden Tag geweint. Ich habe ein Tagebuch darüber geführt, wie schlecht es mir ging und welche Ereignisse es gab. Mit kleinen Symbolen, wie Dreiecken, Kreisen, Vierecken oder Ausgedachtem. All das habe ich in ein kleines Kalenderbüchlein jeden Tag festgehalten, Tage an denen ich geweint habe, an denen es mir schlecht ging, an denen etwas passiert ist, an denen ich Kopfschmerzen hatte usw. Über die Zeit ist mir immer mehr eingefallen und alles wurde akribisch festgehalten. Die Bilanz unterm Strich sah erschreckend aus. Im Vergleich und Quadrat dazu, weine ich heute seltener, aber dafür umso verzweifelter. Wohin hat mich letztendlich mein Weg geführt? Er hat mir gezeigt, dass das Leben ausweglos ist. Das jeder Versuch dem Leben zu entrinnen, gestoppt und verboten wird. Das egal wie sehr ich leide, wimmere, weine, strample, kämpfe und dagegen angehe zwecklos ist. Es hört nicht auf. Ich bin dem ausgeliefert. Mir und meinen Gefühlen. Irgendwann verdränge und vergesse ich es für eine Weile. Aber ein unbedachter unbeschwerter Moment und das Glashaus zerbricht, bekommt Risse und wird zu spiegelnden Scherben auf denen ich gehe und mir die Haut blutig schneide.


Heute als ich den Löwen gesehen habe. Als er in meine Richtung gestarrt hat und mich der Blick, dieser blinde befleckte Blick in die Brust traf, habe ich mit den Tränen gekämpft. Denn es hat mich unvorbereitet getroffen. Ich habe geschluckt und mir gesagt, dass es besser wird, dass ich stark bin und vergehen wird. Aber tief in mir, tat alles weh und ich hätte mir am liebsten die Kehle aufgeschnitten. Es ist nicht fair und der Löwe ist schön und dunkel und so weit weg. Für ihn bin ich gleichgültig. Womöglich noch schlimmer. Ein Dorn im Auge, das Schwert, dass ihn von hinten angriff, das Gift, dass ihn verletzte. Die letzte Person, mit der man zu tun haben will. Und ich gehe zugrunde daran, nur wenn ich den Löwen sehe. Egal ob auf der anderen Straßenseite oder über dem Marktplatz gehend, egal ob Nahe oder Fern. Ich zittere und in mir tobt ein Sturm der mich beben lässt. Meine Kehle zugeschnürt und meine Augen feucht. Ich schlucke schwer und habe lange zu kämpfen. Auch in den Träumen verfolgt er mich bis tief in den Abgrund und öffnet weit sein Maul. Es ist ein Jahr her und es fühlt sich noch immer an, als wäre es gestern, wenn er so nahe ist. Wenn der Löwe auftaucht geht sein Brüllen durch mein Mark.

Lloyd Llewellyn – Long Way Down

Wunden statt Wunder

Die Welt ist nicht fair. Aber das erwartet auch keiner von ihr außer die Menschen, die in Formen wie Gerechtigkeit und Ungleichheit denken, die an das Morgen denken, statt in der Gegenwart zu leben. Genauso unfähig bin auch ich und schaffe es weder an das hier und jetzt zu denken noch daran, dass all das was mir passiert nicht fair ist. Viele Fallen und Abgründe sind mir im Leben gestellt wurden, ich musste durch Riesenberge Scheiße waten, habe Schlimmes erfahren und noch immer kommt mir die Ungerechtigkeit wie ein riesiger Gigant entgegen und speit mich an. Ohne meine Tabletten, kann ich nicht schlafen, werde ich verrückt und nehme mir im schlimmsten Fall das Leben. Das erkennen viele nicht. Auch nicht, dass jene Tabletten mich unendlich müde und kraftlos zurücklassen, dass ich ihr Sklave bin und mir dadurch ein Teil genommen wird. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich jeden Tag zu kämpfen habe, dass es mir schwer fällt das Glück zu finden, zu genießen oder zu erfahren. Das Freude etwas Seltenes ist, dass mir nicht oft passiert. Das dieses Leben mir qualvoll und wie eine Tortur erscheint. Das sieht niemand. Für alle ist das Leben das Wertvollste was sie besitzen, mich hat niemand gefragt ob ich Leben möchte. Ich muss.

Während jeder seinem Tag nachgeht, sitze ich in der Dämmerung und überlege was ich als nächstes tun kann um nicht in die Tiefe zu sinken. Welche ‚Ablenkung‘ jetzt sinnvoll wäre um mich von den kreisenden Gedanken abzulenken, wie stupide und dumm alles ist und wie unfair das alles wirkt. Wo ich nach Körnchen der Warheit und Wachheit suche, wo ich verzweifelt danach greife, dass es mir mal einen Moment besser geht. Die Tage sind seltener geworden, doch statt der Trauer gesellt sich nun auch eine übermächtige Trägheit und Müdigkeit dazu, die ich mit nichts vertreiben kann. Wie ein dunkles Wesen trage ich sie mit mir herum ohne sie jemals abschütteln zu können.

Also Frage ich; Wo ist meine Freude geblieben? Wo ist mein Glück, dass die Tage heller strahlen lässt und mir den Sinn zeigt, warum ich auf dieser Welt bin? Warum kann ich mich nicht freuen über diese kleinen Dinge des Alltags und warum belastet mich jeder Moment nur noch mehr? Woher soll ich die Kraft nehmen weiter zu machen, wenn da kein Licht mehr am Ende des Tunnels ist, weil der Tunnel zum Leben geworden ist und die Dunkelheit all um mich herum ist und diese Dunkelheit wie ein Labyrinth in meinem Kopf die Welt verzerrt und ich glaube allmählich nicht nur den Verstand sondern auch Menschen zu verlieren. Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich irgendwann falsch abgebogen oder habe Götter erzürnt? Bin ich nicht genauso wie jeder andere auch nur viel sensibler? Schwächling, sag ich, weil ich noch nicht die Stärke hinter all der Feinfühligkeit erkennen kann, wenn sie sich letztendlich in Wunden verwandelt, statt einem Wunder.

illneas – Loving Me When I Can’t Love Myself
Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

Ysardssons Welt

Science Fiction und Fantasy

Der verwunschene See

Im Märchenland

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Kayla McCurdy's Blog

Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

Strange Trails

“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.