kein Trost

Heute ging es in einem Gespräch um Trost. Trost zulassen und geben. Doch weder kann ich das eine noch das andere. Ich fühle mich hilflos, wenn jemand von mir Trost braucht und ich nicht weiß was ich machen soll. Aber genauso, ist es für mich unangenehm und fremd, wenn ich getröstet werde. Es ist sogar schmerzhaft und ich möchte das nicht, ich schäme mich dafür wie ich mich für jedes meiner Gefühle schäme. Deswegen zeige ich sie so selten. Aber irgendwann, habe ich verlernt die Maske abzunehmen. Vor allem bei meinen Freunden, bei den Menschen, die mir beibringen könnten, wie es geht los zu lassen und wieder Gefühle zu zeigen und zu teilen. Freunde, bei denen ich damit eine festere Beziehung ausbauen kann. Aber es geht nicht, weil ich nie Trost erfahren habe.
Tiefgreifende Fragen, die alles in Frage stellen, sind jene, die davon künden, was in der Vergangenheit los war. Dort als man noch Kind war und geweint hat, wie ist die Umwelt mit einem umgegangen? Diese Dinge festigen sich und werden zu einem Verhaltensmuster im Erwachsenenleben. Deswegen kann ich kein Trost annehmen und deswegen kann ich niemanden gut trösten. Ich habe es nie gelernt noch erfahren.
Auch wenn ich oft die Treppenstufen hinauf gehe und einen lieben Menschen besuche, der mir Trost spenden könnte. Wenn ich die Bilder vor Augen habe, dass ich jemanden fest umarme und dann in Tränen ausbreche. In dem Moment, in dem ich vor der Person stehe, trage ich wieder die Maske, lächle und schlucke alles andere runter, weil ich denke, das ich es nicht wert bin. Dass ich keine Umstände machen möchte und es mir unangenehmer ist Gefühle zu zeigen als taub zu sein. Wie aber kann ich den nächsten Schritt schaffen und weinen und zulassen, dass ich getröstet werde, wenn ich das nie gelernt habe und davor weglaufe?
Ich weiß, dass an dem Tag bevor meine Oma gestorben ist, meine Laterne bei mir war und ich auch dort nicht weinen konnte. Ein paar Tränen sammelten sich in meinen Augen und einen Kloß im Hals hatte ich, die ich beide runter geschluckt habe. Eine Umarmung habe ich mir eingefordert. Aber mein einziger Gedanke war nur, dass es mir leid tut, dass sie das mit erleben muss. Das es gerade dieses Wochenende ist, an dem sie da ist und ich hoffe, dass sie das nicht trifft oder persönlich nimmt, das es keine Spuren hinterlässt. Statt an meine Trauer, denke ich an sie und was es in ihr auslöst und hinterlässt. Nicht einmal dann, bei dem Menschen, der mir am nächsten ist, schaffe ich mich vollkommen fallen zu lassen. Es ist immer die Anspannung und Kontrolle in meinem Nacken, die alles strafft und festzieht. Nichts darf durchsickern, immer schön lächeln und lieb sein, nur keine Probleme machen.

Wie soll man auch so etwas kompliziertes wie diese Gefühle erklären, die einen überkommen, wie ein Tsunami. Wie erklären, dass ich ohne Grund traurig bin oder es eintausend Millionen Gründe gibt traurig zu sein, das aber niemand versteht. Das irgendwas in mir fehlt, das mein Gehirn kaputt ist, dass ich kaputt bin, dass diese Welt kaputt ist. Wie soll ich die Frage beantworten: „Was ist denn los?“, wenn ich das selbst nicht weiß? Wie mich all dem Stellen, wenn ich mehr Angst vor dem Bloßstellen meiner Emotionswelt habe, als vor der Maske, die das alles verbirgt?

Elif – Fort Knox
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der Löwe und das Lamm


Als Kind habe ich jeden Tag geweint. Ich habe ein Tagebuch darüber geführt, wie schlecht es mir ging und welche Ereignisse es gab. Mit kleinen Symbolen, wie Dreiecken, Kreisen, Vierecken oder Ausgedachtem. All das habe ich in ein kleines Kalenderbüchlein jeden Tag festgehalten, Tage an denen ich geweint habe, an denen es mir schlecht ging, an denen etwas passiert ist, an denen ich Kopfschmerzen hatte usw. Über die Zeit ist mir immer mehr eingefallen und alles wurde akribisch festgehalten. Die Bilanz unterm Strich sah erschreckend aus. Im Vergleich und Quadrat dazu, weine ich heute seltener, aber dafür umso verzweifelter. Wohin hat mich letztendlich mein Weg geführt? Er hat mir gezeigt, dass das Leben ausweglos ist. Das jeder Versuch dem Leben zu entrinnen, gestoppt und verboten wird. Das egal wie sehr ich leide, wimmere, weine, strample, kämpfe und dagegen angehe zwecklos ist. Es hört nicht auf. Ich bin dem ausgeliefert. Mir und meinen Gefühlen. Irgendwann verdränge und vergesse ich es für eine Weile. Aber ein unbedachter unbeschwerter Moment und das Glashaus zerbricht, bekommt Risse und wird zu spiegelnden Scherben auf denen ich gehe und mir die Haut blutig schneide.


Heute als ich den Löwen gesehen habe. Als er in meine Richtung gestarrt hat und mich der Blick, dieser blinde befleckte Blick in die Brust traf, habe ich mit den Tränen gekämpft. Denn es hat mich unvorbereitet getroffen. Ich habe geschluckt und mir gesagt, dass es besser wird, dass ich stark bin und vergehen wird. Aber tief in mir, tat alles weh und ich hätte mir am liebsten die Kehle aufgeschnitten. Es ist nicht fair und der Löwe ist schön und dunkel und so weit weg. Für ihn bin ich gleichgültig. Womöglich noch schlimmer. Ein Dorn im Auge, das Schwert, dass ihn von hinten angriff, das Gift, dass ihn verletzte. Die letzte Person, mit der man zu tun haben will. Und ich gehe zugrunde daran, nur wenn ich den Löwen sehe. Egal ob auf der anderen Straßenseite oder über dem Marktplatz gehend, egal ob Nahe oder Fern. Ich zittere und in mir tobt ein Sturm der mich beben lässt. Meine Kehle zugeschnürt und meine Augen feucht. Ich schlucke schwer und habe lange zu kämpfen. Auch in den Träumen verfolgt er mich bis tief in den Abgrund und öffnet weit sein Maul. Es ist ein Jahr her und es fühlt sich noch immer an, als wäre es gestern, wenn er so nahe ist. Wenn der Löwe auftaucht geht sein Brüllen durch mein Mark.

Lloyd Llewellyn – Long Way Down
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