Was mir fehlt

Auf einmal wurde mir bewusst was dieses klaffende Loch ist. Was diese Leere und Hoffnungslosigkeit in mir ausmacht. All die Realität und die Wirklichkeit. Die Menschen, die ihre Träume verloren haben, die sie gegen Mechanik und Automatismus ausgetauscht haben. Diese Lethargie, die mich streift und ermüdet. Es ist der Verlust der Liebe. Mein romantisches Herz, dass an der Realität zerschellt ist. Mein Herz, das von einem Mann zerschnitten wurde und nicht mehr bebt.
Ich hatte immer jemanden oder Etwas, wofür mein Herz geschlagen hat. Wofür ich aufgestanden bin und jeden Tag durchgestanden habe. Jemand, den ich faszinierend fand. Für den ich geatmet habe. Einen Grund um weiter zu machen, um etwas in der Welt zu suchen. Wie eine Hoffnung. Ein helles Licht. Damals als das Licht nur für diesen einen Mann gebrannt hatte, so hell und leuchtend, das all meine Worte seine Farbe trugen. Das meine Wünsche alle an ihn gingen und dass meine Zunge nur seinen Namen sprach, wie auch meine Vorstellung nur ihn kannte, war der Grund warum ich existierte. Doch dieser Mann hat mich meiner Liebe beraubt und sie mit Füßen getreten. War das die Strafe für all meine törichten Gefühle? Für diese Dummheit?
Heute, als ich seit Monaten auf den Film von Violet Evergarden gewartet habe, und ihn endlich schaute, strömt das alles aus mir heraus und wird mir klar. Ich habe all das verloren, als er mir alles genommen hat. Als das vage Versprechen von Hoffnung zur Dunkelheit wurde. Ich wusste, dass etwas zerbrochen war, das irgendwas kaputt gegangen ist, aber ich konnte es lange Zeit nicht benennen. Ich habe nie jemanden so geliebt wie ihn. Nie jemanden mit diesem Blick angesehen. Es gab niemanden an meiner Seite, der seinen Platz ausfüllen konnte, egal mit welchen Mitteln ich diese Leere stopfen wollte. Ich bin verloren gegangen und die Welt um mich herum ebenso.


Mein Vater glaubt noch an eine Welt, in der man sich zufällig auf der Straße oder im Supermarkt trifft und verliebt. Aber so eine Welt gibt es nicht mehr. Sie glotzen alle in ihre Smartphones und können nicht weiter als bis zu ihrer Nasenspitze denken. Die Gespräche sind flach und ihnen fehlt die Tiefe. Aber ich will mehr. Das volle Programm. Über einem Bett aus Rosen, bis zum über die Schwelle tragen und tiefgreifende Gedanken teilen und spüren. All den romantischen Quatsch in Liebe verpackt. Etwas, dass sich echt anfühlt, wahrhaftig ist. Doch so etwas gibt es nicht mehr. Ich habe all diese Ideen in meinem Kopf und manche davon umgesetzt und andere verworfen, weil es am Ende nichts mehr wert war.
Ich schreibe Briefe immer noch gern mit der Hand, auf teurem Papier in edlen Briefumschlägen. Die alten Traditionen sind mir lieber, als das was kommt und ist. Alles ist so weit weg. Meine Gefühle sind wie taub und eingeschlafen. Tief in einem lang andauernden Traum gefangen. Oft falle ich in die selbe Starre, den selben Trott, wie all die anderen Menschen und das macht mir am meisten Angst. Darin zu versinken. In einem Hamsterrad aus Wehmut. In dem ich mich verliere und nichts mehr spüre. Auch habe ich Angst überhaupt noch etwas zu empfinden, weil von Außen immer das Gerede laut wird und die Stimmen brutal, wenn man nur mal für einen Moment unglücklich ist. Lieber sehen sie ein aufgesetztes Lächeln als die echten Tränen. Lieber ist ihnen die Gleichgültigkeit der Komfortzone als den Mut der Liebe zu riskieren. Bin ich auch schon darin gefangen? Habe ich den Mut verloren, weil ich mit Füßen getreten wurde? Weil die Hoffnung auf Liebe, für mich nicht mehr gilt?
Ich wünschte für jeden gäbe es die Liebe, die es auch in Filmen und Büchern gibt. Irgendwann ein Happy End.

Jackie Chan & Kim Hee Seon – Endless Love
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der Löwe und das Lamm


Als Kind habe ich jeden Tag geweint. Ich habe ein Tagebuch darüber geführt, wie schlecht es mir ging und welche Ereignisse es gab. Mit kleinen Symbolen, wie Dreiecken, Kreisen, Vierecken oder Ausgedachtem. All das habe ich in ein kleines Kalenderbüchlein jeden Tag festgehalten, Tage an denen ich geweint habe, an denen es mir schlecht ging, an denen etwas passiert ist, an denen ich Kopfschmerzen hatte usw. Über die Zeit ist mir immer mehr eingefallen und alles wurde akribisch festgehalten. Die Bilanz unterm Strich sah erschreckend aus. Im Vergleich und Quadrat dazu, weine ich heute seltener, aber dafür umso verzweifelter. Wohin hat mich letztendlich mein Weg geführt? Er hat mir gezeigt, dass das Leben ausweglos ist. Das jeder Versuch dem Leben zu entrinnen, gestoppt und verboten wird. Das egal wie sehr ich leide, wimmere, weine, strample, kämpfe und dagegen angehe zwecklos ist. Es hört nicht auf. Ich bin dem ausgeliefert. Mir und meinen Gefühlen. Irgendwann verdränge und vergesse ich es für eine Weile. Aber ein unbedachter unbeschwerter Moment und das Glashaus zerbricht, bekommt Risse und wird zu spiegelnden Scherben auf denen ich gehe und mir die Haut blutig schneide.


Heute als ich den Löwen gesehen habe. Als er in meine Richtung gestarrt hat und mich der Blick, dieser blinde befleckte Blick in die Brust traf, habe ich mit den Tränen gekämpft. Denn es hat mich unvorbereitet getroffen. Ich habe geschluckt und mir gesagt, dass es besser wird, dass ich stark bin und vergehen wird. Aber tief in mir, tat alles weh und ich hätte mir am liebsten die Kehle aufgeschnitten. Es ist nicht fair und der Löwe ist schön und dunkel und so weit weg. Für ihn bin ich gleichgültig. Womöglich noch schlimmer. Ein Dorn im Auge, das Schwert, dass ihn von hinten angriff, das Gift, dass ihn verletzte. Die letzte Person, mit der man zu tun haben will. Und ich gehe zugrunde daran, nur wenn ich den Löwen sehe. Egal ob auf der anderen Straßenseite oder über dem Marktplatz gehend, egal ob Nahe oder Fern. Ich zittere und in mir tobt ein Sturm der mich beben lässt. Meine Kehle zugeschnürt und meine Augen feucht. Ich schlucke schwer und habe lange zu kämpfen. Auch in den Träumen verfolgt er mich bis tief in den Abgrund und öffnet weit sein Maul. Es ist ein Jahr her und es fühlt sich noch immer an, als wäre es gestern, wenn er so nahe ist. Wenn der Löwe auftaucht geht sein Brüllen durch mein Mark.

Lloyd Llewellyn – Long Way Down

denn ich bin schuld

Niemand hat dich je darauf vorbereitet, dass du die Vergangenheit los lassen musst um weiter zu kommen. Niemand sagt dir, dass nicht nur die Welt sich um dich herum verändert, sondern auch du und alle die dir Nahe sind und dass jene Veränderung dir nicht immer gefallen wird. Niemand wird dir dabei helfen, mit all den Verlusten und Veränderungen fertig zu werden.

Es trifft immer noch zu, dieses eine Zitat: „Letztendlich sind wir dem Universum egal, deswegen dürfen wir einander nicht egal sein.“ Aber wir werden uns immer gleichgültiger. Es zählt nur noch das eigene Ego zu füttern und zu stärken. Wie oft höre ich, trenne dich von dieser oder jener Person, damit es dir wieder besser geht. Nein, diese und jener sind schlecht für dich, gar ‚toxisch‘, niemand kämpft mehr, niemand schnürt Kompromisse oder kommt weiter. Ein schleichender Rückgang der sozialen Kompetenz, weil niemand mehr kämpfen will und es leichter ist aufzugeben.

Irgendwann kommst du an dem Punkt, an dem du einsehen musst, dass du auch nicht mehr kämpfen kannst. Dass deine Mühen und Aufopferungen auf Granit aufschlagen und ignoriert werden. Aber niemand sagt dir, wann dieser Moment gekommen ist, wann du aufgeben musst oder wie es weiter geht, wenn du weiter machst. Leben heißt lernen, heißt Fehler machen, Verluste ertragen und das bedeutet, dass du dich entscheiden musst. Immer wieder und jeden Tag aufs Neue. Aufstehen, kämpfen, hinlegen. Manchmal sehe ich diese Tage als Abfolge der selben Reihenfolge und die Tage verschwimmen wie hinter einer dicken Nebelwand, ich kann sie nicht mehr greifen und bewusst wahrnehmen. Träge ziehen sie an mir vorbei und ich merke nicht, wie die Zeit sie verschlingt und wie vergeudet sie sind. Ich erinnere mich an den Moment vor wenigen Tagen, als ich auf dem Fels in der sächsischen Schweiz saß und unter mir das Tal, Bäume und Berge waren. Der Moment in dem ich nostalgisch wurde und mir bewusst wurde, wie lange ich nicht mehr vom Fliegen geträumt habe, wie flüchtig die Magie des Lebens geworden ist und wie hektisch, schnell und stressig sie stattdessen ist. Wie Fäden entgleitet mir jener Moment und jene Sekunden, die ich nicht zurückholen kann. Alles fließt plötzlich so schnell und unbewusst an mir vorbei, dass ich glaube mein Verstand löst sich auf. Das Schlimmste was ich gelernt habe, ist, dass ich Menschen den Rücken kehren kann und so tun kann, als würde es mir nichts ausmachen. Aber unbewusst denke ich über all die verpassten Möglichkeiten nach, über das was hätte sein können und dann, dass es keinen Weg zurück gibt. Ich bedaure wie die Dinge gelaufen sind und manchmal kann ich nur noch das Monster in mir sehen, dass die Zähne fletscht und beißt. Dieses eklige Monster, das ich nicht kontrollieren kann und hin und wieder gefährlich in eine lauernde Starre verfällt nur um auf den nächsten Schlag zu warten.

boehse onkelz – bin ich nur glücklich wenn es schmerzt
Klapperhorn

Du weisst nicht, was dich erwartet.

Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

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Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

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Write the truth as you know it, as you feel it and as you learn from it.

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“The core of man's spirit comes from new experiences.” ― Jon Krakauer, Into the Wild

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