Wunden werden zu Wundern

Er bringt meine Welt zum wanken. Er macht sie heil, füllt die Risse und tut so, als wäre ich nicht kaputt. Er behandelt mich wie einen Menschen. Liebevoll und mit Hingabe. Seine Aufmerksamkeit tut gut. Er merkt sich die Details, Kleinigkeiten, die mir so viel bedeuten. Er ist ein Wunder. In mir schwelt jeden Tag die Angst, dieses Wunder könnte sich auflösen, verschwinden oder ausgelöscht werden. Ich habe Angst um sein Leben, Angst, dass mir dieses Glück weg genommen wird. Etwas, das sich anfühlt, als hätte ich mein ganzes Leben darauf gewartet und nun wo es da ist, fühlt es sich an wie ein schwebender Traum. Die Angst ist immer da. Nicht nur um mein Chaos sondern auch um sein Glück. Könnte ich sein Unglück sein? Ich will es nicht beschwören. Er verändert mich und die Unruhe wird leise, legt sich und macht mich ruhig und sanftmütig. Ich genieße seine Nähe, seine Existenz und all die sanften Berührungen und Gedanken, die wir austauschen. Er ist Herausforderung und Leichtigkeit zugleich.

Doch ebenso verändert sich alles. Mein Denken und Bewusstsein. Ich komme an nie gekannte Punkte. Der Gedanke zu sterben, verflüchtigt sich zunehmend, auch wenn er nie ganz verschwindet. Wo ich vor einem Jahr noch mit 30 sterben wollte, kommen Zweifel auf. Die Neugierde ist groß, zu erfahren wie das Glück anschwillt und was uns beide noch erwartet. So dass ich hadere und sich dieser Wunsch allmählich auflöst, jetzt schon zu sterben und dem Leben zu entsagen, wie ich es all die Jahre und Jahrzehnte davor ersehnt habe. Das Leben bekommt wieder Geschmack und Licht. Es macht neugierig zu erfahren wohin es geht, ganz gleich ob ich Falten bekomme, hässlich und alt werde. Es liegt auch eine Schönheit in dem Älterwerden und die Sehnsucht Erfahrung zu sammeln und zu teilen. Weise zu sein und ruhiger zu werden, die Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen. Es wäre schön, wenn diese Urgewalt an Gefühlen, schon damals gezähmt worden wäre. Wenn man nicht mit so viel Emotionen und Schwung dahinscheidet und aufgefressen wird um sterben zu wollen. Vielleicht liegt darin der Trick – geduldig zu sein und der Dinge zu harren, auch wenn es verdammt schwer ist.
Ich hätte nie an dieses vollständige Glück geglaubt. Nie auch nur im Ansatz gedacht, dass mir so etwas passiert, nach all dem was geschehen ist. Und die Enttäuschungen und Wunden waren groß.

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Wunden statt Wunder

Die Welt ist nicht fair. Aber das erwartet auch keiner von ihr außer die Menschen, die in Formen wie Gerechtigkeit und Ungleichheit denken, die an das Morgen denken, statt in der Gegenwart zu leben. Genauso unfähig bin auch ich und schaffe es weder an das hier und jetzt zu denken noch daran, dass all das was mir passiert nicht fair ist. Viele Fallen und Abgründe sind mir im Leben gestellt wurden, ich musste durch Riesenberge Scheiße waten, habe Schlimmes erfahren und noch immer kommt mir die Ungerechtigkeit wie ein riesiger Gigant entgegen und speit mich an. Ohne meine Tabletten, kann ich nicht schlafen, werde ich verrückt und nehme mir im schlimmsten Fall das Leben. Das erkennen viele nicht. Auch nicht, dass jene Tabletten mich unendlich müde und kraftlos zurücklassen, dass ich ihr Sklave bin und mir dadurch ein Teil genommen wird. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich jeden Tag zu kämpfen habe, dass es mir schwer fällt das Glück zu finden, zu genießen oder zu erfahren. Das Freude etwas Seltenes ist, dass mir nicht oft passiert. Das dieses Leben mir qualvoll und wie eine Tortur erscheint. Das sieht niemand. Für alle ist das Leben das Wertvollste was sie besitzen, mich hat niemand gefragt ob ich Leben möchte. Ich muss.

Während jeder seinem Tag nachgeht, sitze ich in der Dämmerung und überlege was ich als nächstes tun kann um nicht in die Tiefe zu sinken. Welche ‚Ablenkung‘ jetzt sinnvoll wäre um mich von den kreisenden Gedanken abzulenken, wie stupide und dumm alles ist und wie unfair das alles wirkt. Wo ich nach Körnchen der Warheit und Wachheit suche, wo ich verzweifelt danach greife, dass es mir mal einen Moment besser geht. Die Tage sind seltener geworden, doch statt der Trauer gesellt sich nun auch eine übermächtige Trägheit und Müdigkeit dazu, die ich mit nichts vertreiben kann. Wie ein dunkles Wesen trage ich sie mit mir herum ohne sie jemals abschütteln zu können.

Also Frage ich; Wo ist meine Freude geblieben? Wo ist mein Glück, dass die Tage heller strahlen lässt und mir den Sinn zeigt, warum ich auf dieser Welt bin? Warum kann ich mich nicht freuen über diese kleinen Dinge des Alltags und warum belastet mich jeder Moment nur noch mehr? Woher soll ich die Kraft nehmen weiter zu machen, wenn da kein Licht mehr am Ende des Tunnels ist, weil der Tunnel zum Leben geworden ist und die Dunkelheit all um mich herum ist und diese Dunkelheit wie ein Labyrinth in meinem Kopf die Welt verzerrt und ich glaube allmählich nicht nur den Verstand sondern auch Menschen zu verlieren. Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich irgendwann falsch abgebogen oder habe Götter erzürnt? Bin ich nicht genauso wie jeder andere auch nur viel sensibler? Schwächling, sag ich, weil ich noch nicht die Stärke hinter all der Feinfühligkeit erkennen kann, wenn sie sich letztendlich in Wunden verwandelt, statt einem Wunder.

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