Vor dem Fall ist nach dem Knall

Neben der großen Angst, die wie ein beißendes Tier an mir hängt, kehrt auch das alte dunkle Gefühl zurück. Heute ist kein guter Tag. Ich merke wie ich zu weich bin, nachgebe und von Kleinigkeiten erschüttert werde. Die Frau in der Filiale, die aussah wie eine Göttin aus einem Film der 1930er und mit ihrer charmanten Art Funken sprühte. Ich hingegen immer kleiner schrumpfte und mich nichtig und erbärmlich fühlte. Es begann schon mit dem viel zu adretten Zahnarzt und meiner eigenen Unzulänglichkeit. Heute fühle ich mich wie ein hässliches Monster. Am liebsten würde ich mich unter der Decke vergraben und nie mehr raus kommen. Gestern war so schön. Gestern sah die Welt so anders aus. Heute ist sie grausam zu mir. Von innen werde ich aufgerissen und zerstört. Wenn ich mein Licht ansehe, wenn ich an mein Licht denke, dann ist es wie ein klaffendes hässliches Loch in der Brust und ständig diese Frage über mir schwebend, womit ich ihn verdient habe? Diese Emotionen überwältigen mich abermals und ich bin ihnen schier hilflos ausgeliefert. Es gibt kein Mittel dagegen, es gibt nichts, was sie einfängt und wegsperrt. Keine Therapie die hilft, keine Pillen, die sie unterdrücken, bekämpfen oder besänftigen. Ich fühle mich hässlich. Ich fühle mich wertlos und unbrauchbar. Der Ballast der Welt. Der Ballast auf dünnen Schultern.


Verdrehte Gefühle


Was wenn all die Traurigkeit keine Trauer war, sondern immer das unfassbare Glück am Leben zu sein?


Ich habe darüber lange nachgedacht und wie tief eigentlich meine Gedanken gehen, so tief, dass ich den schmerzhaftesten Punkt in mir und anderen berühren kann. Mein Gehirn fühlt sich wie aufgeplustert an und wird weit wenn es Abend ist. Ich habe so viele Fragen, so viele unendliche Fragen und komprimiere sie auf eine einzelne Person, dabei kann ich sie jedem stellen. Der Fokus ist eingeengt und begrenzt. Die Weite der Gedanken kaum zu beschreiben. Dennoch bin ich unendlich müde und verängstigt von der Dunkelheit dieser Welt, die ihr Licht nach und nach verliert. Ich habe die Sterne in der finsteren Nacht gefunden und es ist, als sammle ich sie und gleichzeitig, als würden sie um mich herum sein wollen. Aber ich kann sie nicht halten. Verbrenne ich mich oder verlieren sie das Interesse? Immer der nagende Zahn, dass ich nie genug sei. Und gleichzeitig ruft jemand in der Ferne nach mir. Eine Möglichkeit, eine Variante vielleicht in ein besseres Leben zu starten. Jemand spricht sanfte Worte und streut Licht in das dunkle All. Doch der schwarze Nebel bleibt, nur hier und da erhasche ich einen Blick hindurch. Gleich einer ungewissen Ahnung, weiß ich nicht was auf mich zukommen wird. Aber ich weiß, wir teilen alle die selben Ängste.

Entscheidungen


Was wäre, wenn ich mich damals für eine Anzeige entschieden hätte, was wäre, wenn ich das Angebot der Psychologin angenommen hätte, die meinte, dass es sehr gute Programme für diese Fälle gibt. Was wäre, wenn ich etwas klüger gewesen wäre und nicht mit ihm mitgegangen wäre wie ein kleines naives verliebtes Kind?
Was wäre aus diesem Mann heute geworden, der so tut als wäre nichts und ein unbeschwertes Leben führt, während ich kämpfe und strauchle, während Gerüche, Personen, Orte, Lieder, Worte und so vieles an ihn erinnert und mich zu Fall bringt?
Aber was, wenn das alles nur eine Täuschung ist? Wenn ich nicht das Opfer bin, wenn ich mir all das nur einbilde? Aber ist dies nicht gleichzeitig schon das Problem vieler Opfer, dass sie es sich Kleinreden, obwohl das Ergebnis eindeutig ist? Die Alpträume, die Angst, die kleine Panik im Nacken, die völlige Regungslosigkeit, wenn wir aus der Bahn geraten, die Nächte in denen ich mich selbst verletzt habe, in denen ich so leer war, das nichts mehr half. Ist das nicht alles Beweis genug, das etwas so schlimm verletzt wurde, dass ich ein mangelhaftes Leben führe, das eine gerechte Hand braucht?
Aber was ist Gerechtigkeit? Wenn ich mich für den Weg des Rechts entscheide, konfrontiert es mich mit allem was ich versuche zu verdrängen, all die Scham und Peinlichkeit, die Dummheit der platonischen Liebe, die niemals hätte so weit gehen dürfen. Der dünne Faden, den ich ergriff, weil ich glaubte es würde niemals so weit kommen, weil ich es niemals bedacht habe, nie wollte, aber ihn auch nicht verlieren wollte, bis er all das zerstört hat und ich nicht mehr davon los komme, es mich Tag für Tag zerreibt und weiter in die Tiefe zieht. Ist das Einbildung oder Tatsache? Ist es besser unter den Tisch zu kehren oder endlich zu agieren?
Was, wenn all das nur in meinem wirren Kopf stattgefunden hat und man darauf plädiert, dass ich Geisteskrank bin, das ich Unsinn erzähle und nichts davon wahr ist? Was, wenn alles umsonst ist?
Ich möchte nicht mehr, dass er einfach so weiter macht, als hätte er nicht ein Leben zerstört. Ich möchte nicht, dass niemand davon weiß, was er getan hat und das es vielleicht noch einmal mit jemand anderem passiert. Ich möchte nicht, dass er glücklich ist, wenn ich es seinetwegen nicht mehr sein kann. Ist das auch schon dumm?
Der Weg einer Entscheidung kann so viele Abzweigungen nehmen, dass man leicht den Überblick verliert und man kann niemals gewiss sein wohin es am Ende führt. Bin ich letztendlich mutig oder dumm genug diese Entscheidung zu wählen? Ich würde ein Leben zerstören, das meines zerstört hat.

ein unvollständiges Leben

Es wurde mir mehr und mehr bewusst, wenn ich ihnen zuhöre, wenn sie davon sprechen und wenn sie von ihrem Leben künden. Egal wie alt, egal wer. Diese Menschen, die so einfach leben können, die ein vollständiges Leben erleben und genießen. Etwas, zu dem ich nicht fähig bin.
Wenn sie sagt, dass ihr langweilig war und sie dann einfach mal in den Judoverein gegangen ist, dass sie Seife selbst herstellt, dass sie dies und jenes tut und schon am Morgen, in dem ich mich schrecklich fühle, meint, dass sie heute Lust hat ins Bad zu gehen und in die Sauna möchte und mir sich die Haare nur bei dem Gedanken aufstellen. Wenn ich sie ansehe, dieses makellose Gesicht, die glatten Haare und wie alles eingestimmt ist, frage ich mich, wie mich überhaupt irgendwer noch mögen kann?
Wenn ich sehe, wie er am Klavier eigene Töne produziert und so glücklich darüber ist, dass ich weinen muss. Genau dann merke ich, wie zerstört und unvollkommen mein Leben ist. Wie wenig Leben hier in mir steckt und wie viel Angst in all den Ecken hockt und mich einschnürt. Die Fesseln sind stark und robust. Es fällt mir unheimlich schwer und alles ist ein Kampf. Schon allein länger als drei Stunden mit jemanden zusammen zu sein, ist nicht leicht und bei jemanden Schlafen immer wieder eine Herausforderung. Mein Leben fühlt sich unheimlich verkehrt an. Irgendetwas essentielles fehlt und das was fehlt, kann man nicht einfach irgendwo kaufen, erwerben oder erlernen. Es ist einfach weg.

Nicht für jeden gibt es Hoffnung

Weinend aufwachen. Weinend einschlafen. Die Dunkelheit fordert ihren Platz und ich bin zu schwach um mich zu wehren. Ich wache mitten in der Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Ich kann die Augen schließen, aber nicht mehr schlafen. Ich wälze mich hin und her. Auch sind die finsteren Gedanken wieder stärker. Die Dosis der Tabletten, die gegen die Schatten kämpfen sollen, wurde erneut erhöht. Fraglich ob das irgendeinen Sinn hat. Die Ärztin meint, das kommt, wenn die Depression nicht richtig behandelt wurde oder noch nicht zu ende behandelt ist. Ich bin seit zehn Jahren in Behandlung und war fast zwei Jahre meines Lebens im Krankenhaus deswegen, allmählich gibt es nichts mehr zu behandeln und nichts mehr zu retten. Ich schaffe es auch nicht mehr, ich kann nicht mehr. Ob aus Feigheit oder Faulheit, ich möchte es nicht mehr, wenn ich mich jedes Mal noch kaputter fühle, wie ein defektes Gerät, dass alles selbst verschuldet hat.
Ich saß heute im Unterricht, habe mich in Tagträumereien verloren. Tagträumereien die für andere Alpträume wären, für mich aber eine Erfüllung und die Nüchternheit mit der ich darüber schreibe, ist fassungslos. In der Schule, denke ich darüber nach, wenn ein Amoklauf passiert, wie ich reagieren würde und wie ich die Angst in den Griff bekomme um aufzustehen. Wenn irgendjemand durchdreht und die Waffe zieht. Ich denke darüber nach, wie ich auf den Schützen los stürme. Wie ich die Kugeln abfangen will, damit sie meinen Körper durchbohren, wie ich will, dass er mich tötet und wenn ich es schaffe, würde ich ihn dafür umarmen und danke sagen. Brauche ich dann noch den Mundschutz? Wird der Schmerz schlimm sein? Diese Tagträume sind es, die mich nicht erschüttern, sondern beruhigen. Erschüttert bin ich von dem Leben. Ich habe Angst vor dem Leben, ich habe es nie richtig begonnen, konnte nie etwas damit anfangen und werfe es einfach nur noch weg.
Diese Hoffnungslosigkeit erinnert mich daran, wie jeder Mut macht, wie viele Betroffene von ihrem Happy End erzählen und diese Werbung für diese Erkrankung machen. Wie auch ich schon einmal zur Zielscheibe dieser falschen Beschönigung wurde und man wollte, das ich was schönes über diese Erkrankung erzähle, dass es endet, dass man froh ist, wenn man die Selbstmorde überlebt hat. Aber das ist es nicht. Nichts von alldem ist schön und ich bin noch immer nicht froh überlebt zu haben. Das hier ist ein beständiger Kampf. Der Kampf Dankbarkeit und Liebe in mein Leben zu lassen und der Kampf gegen mich selbst, die sterben will, weil es kaum noch auszuhalten ist, die aber genauso feige ist und diese Qual jeden Tag aushalten muss. Die deswegen weggeworfen wurde, wie unbrauchbarer Müll, die kein Verständnis von Niemanden erwarten kann und am Ende allein mit all dem Scheiß ist.
Ich kann nichts positives erzählen. Nicht sagen, dass es irgendwann besser wird, das man den Kampf gewinnt und das Leben dann wieder schöner wird. Das kann ich einfach nicht. Weil dieses schwarze Loch immer wiederkehrt und immer größer wird. Weil keine Tabletten helfen, weil keine Therapie hilft, weil ‚geh mal zum Psychologen‘ nur eine Floskel für die Hilflosigkeit dieser Welt ist. Denn absolut nichts und niemand kann etwas dagegen tun, wenn diese Erkrankung wie ein Tumor in meinem Kopf sitzt und alles auffrisst, was einst Hoffnung war.

Schwermut

Und dann versuchst du eine stabile Welt aufzubauen, irgendwas richtig zu machen, zu lächeln und Dankbarkeit zu zelebrieren. Du versuchst alles um ein gutes Leben zu führen, Schritt für Schritt. Ernährst dich gesund, bewegst dich regelmäßig auch an der frischen Luft, triffst dich mit Freunden, liest viel und trinkst viel. Alles nach Lehrbuch. Alles versucht. Du kämpfst um jeden Augenblick, der so schwierig ist. Du kämpfst bis du keine Kraft mehr hast und dir sagst, solange du noch nicht umfällst, ist es noch nicht schlimm, dann geht es immer weiter. Du sagst dir, es geht weiter, nur immer weiter, mach weiter. Egal was kommt, egal wie tief das Wasser ist und wie schwer die letzten Züge.
Aber dann sitzt du trotzdem auf dem Boden deines Bades, weinst und weißt nicht wieso, sitzt da und kannst nicht aufhören zu weinen und die Tränen brennen und der Kopf fühlt sich an als würde er nicht mehr wollen, als würde es ihn jeden Moment zerreißen. Dann sitzt du da und heulst allein ohne das es etwas nutzt, spielst wieder mit dem Gedanken, dir irgendwas anzutun, dass Tod besser wäre, als immer wieder diese Scheiße zu fühlen. Dass Stille besser ist, als dieses laute Schreien im Kopf. Vielleicht ein bisschen Alkohol? Eine weitere Tablette? Aber dann die Angst, nichts mehr zu schaffen, aber was muss noch geschafft werden?
Die Gedanken kreisen, du denkst dann an die Menschen, die es geschafft haben, denjenigen, der vielleicht einen Unterschied macht. Der eine glückliche Kindheit und ein ruhiges Leben führt und du machst dir Selbstvorwürfe und hast Angst zu versagen, weil du nicht so gesund bist, weil du diesen Menschen in den Abgrund mit hinunter reißen könntest, weil alles um dich herum so wahnsinnig dunkel ist und das schon von Anfang an. Dann schiffst du um die Baustellen und Probleme, versteckst dich hinter dämlichen Phrasen und lenkst mit Fragen ab, bis man nur noch ein Lächeln und eine Maske sieht, aber nicht die Risse dahinter und die traurigen Augen, die nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll in einer Welt, die voller Dornen ist.

Rammstein – Was Ich Liebe

lebendig begraben

Die Tage werden zu untragbaren Lasten. Zu kleinen im unbewussten ausgefochtenen Kämpfen und voller Verachtung. Ich kämpfe und ringe um jeden Atemzug um jeden Moment, doch sie rinnen mir wie schwereloser Sand durch die Finger. Wie Zeit, die niemand zurückdrehen kann und für immer verloren ist. Es reißt mir den Boden unter den Füßen weg und ich kann nicht mehr stehen, bleibe liegen und wenn ich mich wieder aufrapple ist es nicht genug. Es reicht nicht. Ich wandere wie durch Träume. Laufe in Zeitlupe und schnappe nach Luft wo keine ist. Diese Welt fühlt sich unwirklich an und jeder Tag davon wird schwerer. Ich habe mir den Urlaub anders vorgestellt, habe mich darauf gefreut Zeit zu haben, auszuschlafen. Abstand von der Schule und Arbeit. Aber nun kann ich die Nächte nicht schlafen, komme nicht zur Ruhe, weil ein unsichtbarer Sturm in mir tobt, den ich nicht bändigen kann. Jeder Moment ist wie eine Qual. Heute und davor wieder mit vielen dunklen Gedanken gekämpft. Mich einfach betrinken oder die Tabletten missbrauchen, zu viele nehmen und mich schneiden oder gleich vor einen Zug werfen. Die Adern sahen heute Morgen so verlockend aus, wie sie hervorgetreten sind, als wäre ich nur einen Schritt und einen Schnitt von etwas Endgültigem entfernt. Aber selbst das schaffe ich nicht. Weder das Leben, noch den Tod bekomme ich auf die Reihe. Irgendwie auf ganzer Linie versagt. Und diese Versagensängste umklammern und lähmen mich. All die Gedanken die wie brachiale Gewalt auf mich einschlägt und fesselt. Nichts liegt in meiner Macht, ich bin machtlos und bewegungslos. Obwohl ich mich bewegen müsste. Ich schaffe es nicht. Es fühlt sich nicht gut an und alles andere ist großes Leid.

Citizien Soldier – Bedroom Ceiling

Das Gewicht der Zurückgezogenheit


Manchmal bin ich schwer, statt leicht. Dann sind alle Worte die ich zuvor gesagt habe wie Blätter im Wind und meine Sehnsucht ist wie ein Orkan. Ich weiß nicht ob es am Mond liegt oder an einer anderen Energie. Aber dann gibt es diese Tage, in denen ich gar nicht mehr stark bin und meine Mauern nur allzu leicht einzureißen sind. In denen mich Blicke und Worte verrückt machen. In denen die Träume am stärksten sind. Vor allem jedoch, macht es mich im Kopf ganz wirr und auf meiner Haut ist ein dünner Film. Es braucht nur jemand mit einem Messer vorbei kommen und es wäre so leicht mich aufzuschneiden und meine Schwachstellen zu erkennen. An diesen Tagen ist es besonders schwer sich selbst zu ertragen. Dann ist es schwer die Beherrschung nicht zu verlieren oder stark zu sein, sich zu widersetzen gegen all die Triebe, Gedanken und Gefühle. Dann möchte ich gern einfach nur liebevoll in den Arm genommen werden, nichts sagen und nichts denken, nichts tun müssen und nichts erwarten. Doch es gibt keine Arme mehr, die mich halten und in denen es sich sicher anfühlt. Es gibt keinen Ort mehr, an den ich fliehen kann, weil ich verlernt habe loszulassen.

Ich weiß noch, als er gefragt hat, ob es sich sicher anfühlt bei ihm anfühlt und ich mit Ja geantwortet habe, weil es keinen Moment davor oder danach gab, in dem es sich so angefühlt hat.

Mit der Zeit wird es nur noch schwieriger und ich nehme die Worte allzu ernst, zu persönlich und mache mir zu viele Gedanken. Nichts ist mehr einfach und nichts fühlt sich sicher an, in einer Welt die zerfällt und mir ihre Zähne zeigt. Nur heute hätte ich eine Schulter gebraucht und starke Arme. Ein bisschen Hilfe. Ich hoffe, dass dieses Gefühl vergeht. Weil ich mir einrede, dass ich es auch alleine schaffe, auch wenn ich deutlich sehe, dass ich es nicht alleine schaffe.

Poets of the Fall – My Dark Disquiet

kein Trost

Heute ging es in einem Gespräch um Trost. Trost zulassen und geben. Doch weder kann ich das eine noch das andere. Ich fühle mich hilflos, wenn jemand von mir Trost braucht und ich nicht weiß was ich machen soll. Aber genauso, ist es für mich unangenehm und fremd, wenn ich getröstet werde. Es ist sogar schmerzhaft und ich möchte das nicht, ich schäme mich dafür wie ich mich für jedes meiner Gefühle schäme. Deswegen zeige ich sie so selten. Aber irgendwann, habe ich verlernt die Maske abzunehmen. Vor allem bei meinen Freunden, bei den Menschen, die mir beibringen könnten, wie es geht los zu lassen und wieder Gefühle zu zeigen und zu teilen. Freunde, bei denen ich damit eine festere Beziehung ausbauen kann. Aber es geht nicht, weil ich nie Trost erfahren habe.
Tiefgreifende Fragen, die alles in Frage stellen, sind jene, die davon künden, was in der Vergangenheit los war. Dort als man noch Kind war und geweint hat, wie ist die Umwelt mit einem umgegangen? Diese Dinge festigen sich und werden zu einem Verhaltensmuster im Erwachsenenleben. Deswegen kann ich kein Trost annehmen und deswegen kann ich niemanden gut trösten. Ich habe es nie gelernt noch erfahren.
Auch wenn ich oft die Treppenstufen hinauf gehe und einen lieben Menschen besuche, der mir Trost spenden könnte. Wenn ich die Bilder vor Augen habe, dass ich jemanden fest umarme und dann in Tränen ausbreche. In dem Moment, in dem ich vor der Person stehe, trage ich wieder die Maske, lächle und schlucke alles andere runter, weil ich denke, das ich es nicht wert bin. Dass ich keine Umstände machen möchte und es mir unangenehmer ist Gefühle zu zeigen als taub zu sein. Wie aber kann ich den nächsten Schritt schaffen und weinen und zulassen, dass ich getröstet werde, wenn ich das nie gelernt habe und davor weglaufe?
Ich weiß, dass an dem Tag bevor meine Oma gestorben ist, meine Laterne bei mir war und ich auch dort nicht weinen konnte. Ein paar Tränen sammelten sich in meinen Augen und einen Kloß im Hals hatte ich, die ich beide runter geschluckt habe. Eine Umarmung habe ich mir eingefordert. Aber mein einziger Gedanke war nur, dass es mir leid tut, dass sie das mit erleben muss. Das es gerade dieses Wochenende ist, an dem sie da ist und ich hoffe, dass sie das nicht trifft oder persönlich nimmt, das es keine Spuren hinterlässt. Statt an meine Trauer, denke ich an sie und was es in ihr auslöst und hinterlässt. Nicht einmal dann, bei dem Menschen, der mir am nächsten ist, schaffe ich mich vollkommen fallen zu lassen. Es ist immer die Anspannung und Kontrolle in meinem Nacken, die alles strafft und festzieht. Nichts darf durchsickern, immer schön lächeln und lieb sein, nur keine Probleme machen.

Wie soll man auch so etwas kompliziertes wie diese Gefühle erklären, die einen überkommen, wie ein Tsunami. Wie erklären, dass ich ohne Grund traurig bin oder es eintausend Millionen Gründe gibt traurig zu sein, das aber niemand versteht. Das irgendwas in mir fehlt, das mein Gehirn kaputt ist, dass ich kaputt bin, dass diese Welt kaputt ist. Wie soll ich die Frage beantworten: „Was ist denn los?“, wenn ich das selbst nicht weiß? Wie mich all dem Stellen, wenn ich mehr Angst vor dem Bloßstellen meiner Emotionswelt habe, als vor der Maske, die das alles verbirgt?

Elif – Fort Knox
Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

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Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

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