2 Träume

Da war er wieder, dieser unausweichliche Traum von dir, der mich in die Knie zwingt und meine Welt zerstört, die ich so schön wieder aufgerichtet habe. Ich dachte, mit dem Brief, mit diesen Worten, die ich für dich geschrieben habe, würde das aufhören, würde es enden und seinen Abschluss finden. Trotzdem bist du noch da.

Es war eine Veranstaltung in der alten Schule. Die Schüler, alle Alten, trafen wie Kleckse auf dem Parkett ein. Eine große Tafel war angerichtet vor einer Bühne. Ich wollte nicht bei den anderen sitzen, wie immer. Ich wollte an den runden Tisch, der einzeln am Rand stand. Sah mich schon sitzen, da kamen die Lehrer in rauen Tönen und schnauzten mich an. Ich war wütend, in mir war so ein Zorn, dass ich spürte, wie meine Augenbrauen zuckten, meine Stirn furchen bekam und ich zurückbrüllte, schrie, alles hinaus ließ. Dann warf ich in dieser Rage einen Stuhl scheppernd um. In der Wirklichkeit niemals, aber dort, dort ist dieses Gefühl so mächtig, so rasend, dass ich es nicht bändigen kann. Ich stürmte durch den Raum und setzte mich auf eine Bank am Rand. Meine Mutter war am Rande dieses Traumes und wollte mich besänftigen. Ja, und ich stürmte auch an dir vorbei, dir, der den Brief schon gelesen hat und der aus einem mir unerfindlichen Grund hier war. Mich in diesen Schwachen Moment sah und ich fühlte so viel. Eine Band begann zu spielen und ihre Lieder waren wie ein Echo aus Deinem Mund. Sie sangen von Liebe. Von einer Frau. Männer und Frauen begegneten einander und verliebten sich. Und dann kommst du auf mich zu. Nein, ich stand, ich bin irgendwie auf die Bühne geraten, stand zweifelnd dort, was machte ich da? Du zwei Schritte von mir entfernt und brüllst etwas in ein Mikrophon. Paare sollten sich finden, sollten sich begegnen und nähern. Es knisterte, ich spürte es und der Traum begann zu wackeln. Ich wusste es, bevor es geschah, weil ich dich fühlen konnte. Es war nur eine Frage der Zeit. Zwei Menschen kamen an dir vorbei und umarmten Bandmitglieder. Du kamst auf mich zu und hast mich umarmt, als wäre das die ewig ersehnende Antwort auf den leeren Brief. So fest. So verzweifelt. Als wüsstest du, dass es nur diesen Weg gibt. Aber für uns, gibt es keinen gemeinsamen Weg mehr, weil wir nie einen hatten. Ich kann die Worte, falls du Worte gesprochen hast, nicht mehr in meinem wachen Kopf zusammensetzen. Vielleicht hast du auf die Sätze in meiner Schrift geantwortet oder einfach nur Kauderwelsch gesagt. Ich stieß dich von mir und rannte aufs Dach. Ich wollte springen. Ich wollte diesen tödlichen Gefühlen ein Ende setzen und ich wollte, dass du mich rettest.

Es fühlt sich an als würde ich auf der Strecke bleiben. Noch immer findet mein Blick dich und sucht nach diesen unsichtbar geheimen Zeichen, die es ja doch nie gab.

Was passiert mit all den Träumen? Was passiert mit den wahrgenommenen, den gelesenen, den verschwindenden? Was hast du da zu suchen?

Ich war in deiner Wohnung, sah deine Frau und sie wusste nichts. Ich spürte deine Unruhe, sah dein Zittern und die verschwitzten Hände. Ich gab mich ruhig, war an einem Tisch und schrieb laute Worte auf, wütende Worte und konnte den Stift kratzen hören, wie er wütend gegen das Papier gepresst wurde. Dann hast du dich mit an den Tisch in deinem Haus gesetzt und hibbelig auf dem Stuhl getanzt. Kalt war ich und wollte alle Nervosität unter dieser Kälte begraben. Deine Frau musste zur Arbeit und du hast darauf gewartet, dass sie geht. Etwas blitzte in ihren Händen auf, doch deutlicher war der Gedanke in ihren Augen. Da waren Worte, Antworten. Doch deine Frau huschte noch einmal zu uns in den Raum um sich zu verabschieden und als sich die Tür schloss, verschwand der Raum ohne eine Antwort zu hinterlassen nur ein unruhiges Gefühl. Mehr ist nicht geblieben.

Wie tief, kann man in ein anderes Leben eintauchen, bis man angenommen wird? Wie lange reicht die Kraft für den Kampf, die andere Seele so sehr zu berühren, dass man ein Teil davon wird? Und wie kann man sich dann davor bewahren, wenn es scheitert? Wenn andere einfach schon früher da waren, stärker sind und die Situation manipuliert haben? Wie gern würde ich mich aufspalten und teilen für jemand anderen.

Am Ende, sind wir doch alle allein auf uns gestellt. Weil diese Welten im Kopf so klein sind und beengend, das für Niemanden darin platz ist. Nicht für mich und auch nicht für dich.

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