Tränen, Chlor & Lithium

Warum machst Du weiter? – An irgendwas klammert sich immer die Hoffnung und wenn es ein erbärmliches Leben ist. Ich denke der Grund, warum es scheitert, ist Angst, Scham und Feigheit. Weil ich schon so viele Male gescheitert bin, gibt es selbst dort keinen Glauben auf ein Gelingen. Und immer ist da der Zweifel, der mich davon abhält. Was wenn es nicht klappt? Was wenn ich danach immer noch atme? Oder sogar bleibende Schäden davon trage? Wenn ich Tage oder Monate noch leide ehe ich endlich gehen darf? Ich möchte einschlafen und nie mehr aufwachen. Ich möchte keinen weiteren Schmerz, wenn ich gehe. Und ich möchte selbst darüber bestimmen wann ich gehe.

Die selben Gedanken streifen mich, als ich die sechs Seiten mit Informationsmaterial zur Behandlung mit Lithium durchlese. Eine Überdosis kann mich die Nieren kosten. Aber was dann? Dialyse? Wenn mein einziger Gedanke darum kreist wie ich mir am effektivsten wehtun kann, statt darum, wie mir dieses Mittel hilft, wo bleibt dann die Hoffnung? Weil die bisherigen Antidepressiva nicht angeschlagen haben und die Liste bereits lang ist und jedes Präparat ausprobiert wurde ohne ersichtlichen Erfolg, wird mir nun Lithium ans Herz gelegt. Und ich höre das Lied von Evanescence in meinem Kopf hoch und runter spielen. Ich sehe ein träges Bild in meinem Kopf, wo eine Frau im Bett liegt und betäubt ist, die sich nicht bewegen kann, nicht reden kann, die nur noch sediert  ist. Ich sehe, wie es meinen Körper schädigt, statt meinen Geist zu heilen. Dennoch stehen die Erfolgschancen gut. Die Prozedur wird nur sehr aufwendig und mühselig. Ich habe Angst vor den Nebenwirkungen, wenn mir die jetzigen schon schaden.

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